Mittwoch, 16.11.2022
Finanzierung
Dübelspezialist

Fischer knackt erstmals die Umsatzmilliarde

Selten liegen Freud und Leid so nah beieinander: Die Fischer Group legt für 2022 Rekordzahlen vor, zeichnet fürs kommende Jahr aber ein düsteres Bild. An der Innovationsfreude des Schwarzwälder Dübelspezialisten ändert das freilich nichts.

Bisher einzigartig am Markt: Der BauBot übernimmt die Bohrlocherstellung und Installation der Fischer Befestigungslösungen an Decken, an Wänden und in Böden.

@ Fischer

Der Spezialist für Baubefestigungstechnik Fischer in Waldachtal, der weitläufig vor allem für seine Dübel bekannt ist, wird 2022 erstmals die Umsatzgrenze von einer Milliarde Euro übertreffen. Im vergangenen Jahr hatte der Schwarzwälder Mittelständler noch 988 Millionen Euro erwirtschaftet, sagte Klaus Fischer, Inhaber und Vorsitzender der Holding am Rande einer Produktpressekonferenz. Die gestiegenen Kosten im zweistelligen Millionenbetrag habe man weitgehend durch höhere Preise kompensieren können. „Die deutliche Umsatzsteigerung“ sei vor allem auf den Ausbau des Geschäfts zurückzuführen, so der Firmenchef. Die 5400 Mitarbeiter sind mit eigenen Gesellschaften in 38 Ländern aktiv.

Für 2023 ist der Schwarzwälder Mittelständler skeptisch: „Das wird ein schwieriges Jahr“, prognostizierte Fischer. Dann werde die sich jetzt schon abzeichnende Rezession in der Baubranche voll durchschlagen. Bei Fischer rechnet man mit einem Umsatzeinbruch von bis zu 20 Prozent. Wenig Impulse erwartet der Inhaber von der öffentlichen Hand, obwohl sich die Bundesregierung den Bau von jährlich 400.000 Wohnungen auf die Fahnen geschrieben hat. „Davon kann ich nichts erkennen“, so Fischer, der dennoch zuversichtlich bleibt: „Jede Rezession birgt auch seine Chance. Darum werden wir den Kopf nicht in den Sand stecken“.

Wichtige Weichen für die Zukunft hat das Unternehmen bereits gestellt. Am Stammsitz in Waldachtal präsentierte Fischer den Einstig in die Robotertechnik am Bau. Gelingen soll das mit dem „Baubot“, ein 1,2 Tonnen schweres Fahrzeug, das selbständig Löcher präziser und kostengünstiger bohren kann als ein Bauarbeiter. Den dadurch entstehenden Staub saugt das Gerät gleichzeitig ab. „Wir können uns den Einsatz auf Großbaustellen vorstellen wie beispielsweise im Tunnelbau“, erklärte Geschäftsführer Matthias Schneider. Gerade in Bereichen, wo tausende Löcher zu bohren sind, könne man die Beschäftigten entlasten. Zudem erreicht das Gerät auch Deckenhöhen von bis zu fünf Metern.

Der fahrende Roboter geht auf eine Entwicklung des Wiener Startups „Baubot“ zurück.  Die Maschine ist auch in der Lage mit 3D-Druck Pflastersteine und Bauelemente vor Ort passgenau zu formen. Im vergangenen Jahr haben die Schwarzwälder das österreichischer Jungunternehmen mit 20 Mitarbeiter übernommen. Über die Höhe der Investition schweigt man sich genauso aus wie über das künftige Geschäftsvolumen. Gestartet wird mit drei Robotern in Deutschland, Österreich und den Niederlanden. Fischer bietet dabei die Arbeit des „Baubot“ als Dienstleistung an und will erst später in den Verkauf einsteigen.

Der für den 1958 erfundenen „S-Dübel“ bei jedem Heimwerker bekannte Mittelständler führt zudem im gewerblichen Bereich die Digitalisierung in der Befestigungstechnik ein. Dazu werden Unterlagscheiben und Verankerungen mit Sensoren versehen. Sie übermitteln Informationen wie Temperatur, Belastung oder Materialzustand über Cloud an den Nutzer. „Diese Informationen sind aber auch von Bedeutung, wenn man wissen will, ob man ein Gebäude für einen anderen Zweck nutzen möchte oder ob eine Nachstabilisierung notwendig ist“, so Martin Neumann, bei Fischer verantwortlich für den Bereich Construction Monitoring. Gedacht sind solche Messungen beispielsweise für schwer zugängliche Anlagen wie Offshore-Windanlagen oder Seilbahnen.

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