Freitag, 01.06.2012
Finanzierung
Liquiditätsengpässe

Forderungsausfälle nehmen zu

In Westeuropa werden aufgrund von Liquiditätsproblemen 30 Prozent der Forderungen gegenüber Geschäftspartnern zu spät beglichen. Deutsche Mittelständler sind jedoch nur mäßig betroffen.

Westeuropäische Unternehmen geben an, dass sie 30 prozent ihrer Forderungen verspätet erhalten. 20 Prozent der verzögerten Zahlungen werden sogar mit zweimonatiger Verspätung gezahlt. Weitere 3 Prozent der Forderungen fallen komplett aus. In Griechenland, Italien und Irland gibt es die größten Probleme. Eine Verbesserung der Situation ist vorerst nicht in Sicht, wie die Studie zum Zahlungsmoralbarometer von Atradius ergeben hat.

Positive Entwicklung im deutschen Mittelstand

Die deutschen Mittelständler erhalten ihre Forderungen zum Großteil (82,6 Prozent) innerhalb von 30 Tagen. Die Zahlungsmoral im öffentlichen Sektor ist gegenüber dem Vorjahr sogar um 3,5 Prozent gestiegen. 71 Prozent der Kunden zahlen pünktlich. Ebenfalls positiv entwickelt hat sich der Anteil derer, die 60 Tage auf Zahlungen warten müssen (von 21,7 Prozent auf 19,8 Prozent) und derer, die 90 Tage warten (von 8,6 Prozent auf 6,4 Prozent). Dieser Entwicklung steht ein höheres Risiko von Forderungsausfällen gegenüber.

Der Anteil verlustfreier Unternehmen sank hingegen leicht von 15 Prozent auf 14,7 Prozent. Außerdem hat jedes achte mittelständische Unternehmen Forderungsausfälle zu beklagen, die sich auf 1 Prozent des Jahresumsatzes belaufen. 2011 war nur jeder neunte Mittelständler betroffen.

Forderungsausfallrisiko soll steigen

Grund für die Zahlungsengpässe der Geschäftspartner sind Finanzierungsprobleme. 66,8 Prozent gaben diese als Ursache für Zahlungsverzögerungen inländischer Kunden an. Bei den ausländischen Unternehmen lag es in 46,2 Prozent der Fälle an Finanzierungsproblemen.
In den kommenden sechs Monaten soll sich bei den Forderungsausfällen keine Besserung einstellen. „Das Forderungsausfallrisiko in Griechenland und ganz Europa wird kurzfristig nicht sinken. Im Gegenteil, wir erwarten einen Anstieg der Insolvenzzahlen von 5 bis 10 Prozent in Europa. Deswegen ist das Management von Ausfallrisiken ein entscheidender Erfolgsfaktor“, sagt Andreas Tesch, Vorstandsmitglied und Chief Market Officer von Atradius.

Um sich für Zahlungsverspätungen und -ausfälle zu wappnen, haben 48,6 Prozent der befragten Unternehmen vor die Kreditwürdigkeit ihrer Geschäftspartner regelmäßig zu kontrollieren und ein offensiveres Forderungsmanagement zu betreiben. Außerdem möchten sie mehr Sicherheiten einfordern und das Mahnwesen verstärken.

Griechenland: Forderungen nicht pünktlich bezahlt

Großes Sorgenkind ist Griechenland. 41,1 Prozent der Forderungen gegenüber inländischen Geschäftskunden werden nicht pünktlich beglichen. Rechnungen werden im Durchschnitt mit 90-tägiger Verzögerung bezahlt. Außerdem gibt es im Vergleich zum westeuropäischen Durchschnitt doppelt so viele Zahlungsausfälle. „Das Studienergebnis für Griechenland mit einer Ausfallquote von 7,4 Prozent gegenüber dem westeuropäischen Durchschnitt von 3,5 Prozent unterstreicht deutlich das verschlechterte Risikoumfeld in diesem Land“, sagt Andreas Tesch. Aber auch Italien mit 39,5 Prozent und Irland mit 38,2 Prozent verspäteter Zahlungseingänge haben Schwierigkeiten.

Quellen: Atradius, Creditreform, Markt und Mittelstand