Mittwoch, 13.01.2021

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Investoren liefern oft mehr als nur Kapital.

Finanzierung
Geldgeber

Investoren liefern mehr

Geldgeber lassen sich nicht lumpen: Wenn die Wirtschaft schwächelt, helfen sie aus. Dabei ist Kapital nicht alles.

Der Albtraum eines jeden Unternehmers wurde für den bayrischen Mittelständler Skyline Park in diesem Frühjahr Realität: Über Monate hatte der Freizeitpark wegen der Corona-Pandemie keine Einnahmen. Kurz vor der geplanten Öffnung nach der Winterpause machte das Virus allen Plänen der Geschäftsführung einen Strich durch die Rechnung: Das Eingangstor blieb zu. "Wir wussten schnell, dass die Situation für uns existenzbedrohend ist, sagt Andreas Unger, kaufmännischer Verantwortlicher bei Skyline Park. Während die Umsätze komplett wegbrachen, blieben viele Kosten bestehen. Der Park wurde im Winter planmäßig für einen siebenstelligen Betrag in Schuss gehalten und auch stillgelegte Fahrgeschäfte benötigten weiterhin Wartung. Daher brauchte das Unternehmen im März schnell neues Kapital, um nicht bankrott zu werden. "Die staatlichen Hilfen wie die KfW-Programme waren damals noch gar nicht ausgearbeitet“, erinnert sich Unger. "Wir sind sofort auf unsere Banken zugegangen und haben um neue Kredite gebeten."

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Keine leichte Aufgabe: Zum einen konnte das Unternehmen damals nicht abschätzen, wie lange der Park geschlossen bleiben muss. So ließ sich der genaue Kapitalbedarf nur schwer beziffern. Zum anderen waren die Banken bei der Vergabe neuer Kredite eher zurückhaltend, da auch sie natürlich die wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie nicht kannten. Da half dem Mittelständler, dass er die Verhandlungen mit den Banken nicht alleine führen musste. Unterstützung bekam er durch seinen Investor, die Bayerische Beteiligungsgesellschaft (BayBG). "Die BayBG war bei vielen Gesprächen dabei und hat den Banken versichert, dass sie als finanzstarker Investor hinter uns stehen“, sagt Unger. "Ohne diese Sicherheit hätten wir den Millionen-Kredit am Ende vielleicht nicht erhalten." Außerdem stockte die BayBG ihre stille Beteiligung in der Krise leicht auf und verschaffte Skyline Park so zusätzliches Eigenkapital.

Hilfe aus Netzwerk

Investoren können ihren Beteiligungen in Krisen aber nicht nur mit Kapital unter die Arme greifen. "Wir haben in unserem Portfolio einige Unternehmen aus dem Gesundheitssektor", sagt Carsten Rahlfs, Geschäftsführer der Private-Equity-Gesellschaft Waterland. "Die haben sich natürlich Sorgen um die Gesundheit ihrer Mitarbeiter und Patienten gemacht", sagt Rahlfs. Der Investor unterstützte die Unternehmen mit seinem Netzwerk beim Einkauf von medizinischer Schutzkleidung. Die größeren Portfoliounternehmen nutzten ihre Strukturen, um Ausrüstung für die kleineren zu bestellen, die diese in der angespannten Situation im Frühjahr vermutlich nicht oder nur zu noch höheren Preisen bekommen hätten.

Ein anderes Problem für viele Unternehmen war und ist die Unsicherheit, die das Virus verursacht. Zumindest im Bereich des Arbeitsrechts und bei den Anträgen für die staatlichen Wirtschaftshilfen, konnte die Beteiligungsgesellschaft VR Equitypartner ihren Portfoliounternehmen diese Unsicherheit nehmen. "Wir haben zu Beginn der Pandemie eine Kanzlei damit beauftragt, zusammenzustellen, was Unternehmen arbeitsrechtlich alles beachten müssen und worauf es bei den Anträgen für Staatshilfen ankommt", sagt Peter Sachse, Geschäftsführer bei VR Equitypartner. Diese Übersicht hat der Investor dann seinen Beteiligungen zugeschickt. Zusätzlich gab es die Möglichkeit, im Rahmen einer Videokonferenz den Anwälten Fragen zu stellen. "Das hat den Unternehmen geholfen, sich zu orientieren", sagt Sachse. "Schließlich war eine solche Situation für alle Unternehmer vollkommen neu."

Während es eine globale Pandemie dieses Ausmaßes seit etwa 100 Jahren nicht mehr gab, sind Wirtschaftskrisen nichts Neues. Daher können Investoren angeschlagene Unternehmen auch bei einer notwendigen Restrukturierung mit ihrer Erfahrung weiterhelfen. "Unternehmer sind häufig zum ersten Mal in der Situation, eine Firma sanieren zu müssen, Investoren haben hingegen solche Fälle meistens schon häufiger erlebt", sagt Lars Westpfahl, Rechtsanwalt und Restrukturierungsexperte bei der Kanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer. "Sie können die Firmen daher beraten, wie ein Sanierungsplan aufgebaut ist."

Staat als Investor

Unternehmen, die gezielt nach einer solchen Expertise suchen, können Investoren ansprechen, die sich auf die Restrukturierung spezialisiert haben. Hier rät Westpfahl jedoch zur Vorsicht. "Unternehmer sollten sich solche Investoren genau anschauen. Hier gibt es einige, die kein Interesse an einer langfristigen Fortführung des Betriebs haben, sondern das Asset zerstückeln wollen. Das ist nicht unbedingt im Sinne des Unternehmers." Neuerdings tritt zudem verstärkt ein neuer Akteur auf dem Markt auf: der Staat. Er möchte mit seinen Beteiligungen an Unternehmen verhindern, dass es durch Corona zu einer Pleitewelle kommt.

Der Einstieg als Investor bei der Lufthansa ist hier nur das prominenteste Beispiel. Auch im Mittelstand will der Staat aktiv werden. In Bayern gibt es beispielsweise den sogenannten Bayernfonds. "Die Hilfen sind ähnlich angelegt wie beim Wirtschaftsstabilisierungsfonds, nur richtet sich der Bayernfonds spezifisch an kleine Mittelständler", sagt Rechtsanwalt Richard Mitterhuber von der Kanzlei CMS. Neben Bürgschaften für Kredite sieht das Programm auch stille Beteiligungen vor. Unternehmen, die diese Option wahrnehmen, gewähren dem stillen Gesellschafter eine Gewinnbeteiligung und erhalten dafür Kapital.

Da es sich um stille Beteiligungen handelt, sind die Mitspracherechte des Staates vergleichsweise gering. "Dennoch sollten sich Unternehmen nichts vormachen", sagt Mitterhuber. "Natürlich will der Staat über die Geschäftsentwicklungen informiert werden und hat auch bei bestimmten Entscheidungen ein Mitspracherecht."So sind beispielsweise Übernahmen anderer Unternehmen während der Zeit der Beteiligung nur schwer möglich. "Schließlich will die Politik nicht wettbewerbsverzerrend in den Markt eingreifen."

Investoren auf der Suche

Ähnliche Fonds gibt es auch in anderen Bundesländern, etwa in BadenWürttemberg. Zudem dürften Mittelständler trotz der Corona-Krise gute Karten haben, einen privaten Investor zu finden. "Der Bedarf an Transaktionen ist nach wie vor da bei den Investoren", sagt Westpfahl. "Unternehmen, die gut aufgestellt sind oder einen überzeugenden Sanierungsplan haben, werden auch während der Corona-Krise Geldgeber finden."

Allerdings seien die Marktpreise zuletzt gefallen. Da diese vor der Pandemie sehr hoch waren, befänden sie sich aber immer noch im oberen Bereich. Die Auswirkungen der Pandemie wird den Freizeitparkbetreiber Skyline Park noch lange belasten. Bis der Mittelständler aus Bayern den Millionenkredit, den er nur dank seiner Investoren erhalten hat, getilgt hat, wird es dauern. "Daran werden wir sicherlich noch mindestens zehn Jahre zu knabbern haben", sagt Unger. Nun richtet sich der Blick des Unternehmers aber erst Richtung Frühjahr. Ob und unter welchen Umständen der Park nächstes Jahr pünktlich nach der Winterpause öffnen kann, steht noch in den Sternen.

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