Dienstag, 08.05.2012
Finanzierung
CFO Matthias Hassels verlässt Windreich

Kurswechsel bei Windreich

Bei dem Windanlagenbauer Windreich gab es überraschend einen CFO-Wechsel. Vorstand Willi Balz bemängelt den niedrigen Kurs der Anleihe und will neue Töne anschlagen.

Der Unternehmensgründer und Vorstand Willi Balz vom Windanlagenbauer Windreich hat sich unerwartet von seinem CFO Matthias Hassels getrennt. Die Verantwortung für Finanzen und Controlling hat er selbst übernommen. Windreich ist im Mittelstandssegment notiert. Den niedrigen Kurs der Anleihe schreibt er dem geschassten CFO zu. Balz sieht sich als Pionier, der Windenergie nach vorne bringen wird. „Als Mittelständler traut man mir nicht zu, den Ausbau der Nordsee zu schaffen“, sagt er im Interview gegenüber Markt und Mittelstand. Offen bleibt, wie die Geschichte den Finanzinvestoren, die einfache Storys hören wollen, erzählt werden soll.

MUM: Sie haben überraschenderweise Ihrem Finanzvorstand Matthias Hassels gekündigt. Eine der Begründungen war, dass sich der Anleihenkurs nicht nach Ihren Vorstellungen entwickelt hat. Was ist schief gelaufen?
Balz: Wir machen einen brillanten Job und haben hervorragende Leistungen zu transportieren. Dies hat er nicht geschafft. Damit bin ich nicht zufrieden.

MUM: Aber der CFO ist doch nicht für die Kommunikation sondern für die Zahlen zuständig.
Balz: Das war bei uns anders; Finanzkommunikation war sein Thema.

MUM: Wie wollen Sie Ihre Kommunikation neu aufziehen? Finanzinvestoren wollen eine einfache und überzeugende Geschichte hören. Damit haben Unternehmen aus dem Segment erneuerbare Energien große Probleme.
Balz: Wir können unabhängige Quellen und überzeugende Leistungsnachweise vorweisen. Kommende Woche wird der größte Windpark in Bayern eröffnet. In den vergangenen 14 Jahren haben wir über 1.000 Onshore-Anlagen errichtet. Niemand hat mehr Erfahrung. Wir sind Marktführer. Unsere Branche wird extrem wachsen.

MUM: Das hat Herr Hassels auch so in einem Interview noch vor zwei Wochen formuliert. Wie aber wollen Sie das den Investoren rüberbringen? Wenn Sie sich im Segment Mittelstandsanleihen umsehen, dann fällt auf, dass die Art und Weise, wie kommuniziert wird, ein wesentlicher Erfolgsfaktor für einen guten Kurs ist. Ohne eine professionelle Kommunikation wird das schwer.
Balz: Daher haben wir kürzlich einen erfahrenen Kommunikationschef eingestellt. Wir werden auf Anfragen schneller reagieren und uns neu aufstellen. Außerdem wird unsere Branche von den Medien kaputtgeschrieben. Wir sind extrem erfolgreich. Am Netzausbau, wie es überall geschrieben steht, wird unser Geschäft nicht scheitern.

MUM: Das klingt nach Geisterfahrer. Alle anderen sind schuld. Nur Sie wissen es besser.
Balz: Mit Ausnahme der EnbW versuchen die großen Energieversorger, die Energiewende totzuschreiben. Wir sind Pioniere und uns wird gesagt, wir bewegen uns in die falsche Richtung. Als Mittelständler traut man mir nicht zu, den Ausbau der Nordsee zu schaffen. Aber ich bin ein Ingenieur, und den Erfolg von Ingenieuren kann man messen. Was die anderen machen, ist Eiskunstlauf.

MUM: Herr Hassels sagte, Windreich sei in Sippenhaft mit der Solarindustrie. Deshalb sei der Kurs so schlecht. Wie wollen Sie sich von der Solarindustrie absetzen?
Balz: Mittlerweile weiß doch jeder, dass die Solarbranche höchst ineffizient ist. 80 Prozent der EEG-Abflüsse gehen in die Solarindustrie. 10 Prozent kommen an gewonnenem Photovoltaik-Strom zurück. Da stehen wir eindeutig besser da.

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