Montag, 11.07.2022
Finanzierung
Gastbeitrag

Leasing-Branche: Neue Potenziale durch die Digitalisierung

Die Vorteile der Digitalisierung sind in allen Lebensbereichen spürbar. Auch im Bereich Leasing wird durch Pay-per-Use oder das Small-Ticket-Leasing vieles vereinfacht – zum Vorteil aller Beteiligten.

Leasing-Branche: Neue Potenziale durch die Digitalisierung

Bild: Shutterstock

Angetrieben durch die Digitalisierung erleben wir derzeit einen starken Wandel im Bereich der Finanzdienstleistungen. Laut dem Bankenverband waren es im Jahr 2010 gerade einmal 35 Prozent der Bundesbürger, die Online-Banking nutzten. Zehn Jahre später, also 2020, waren es 64 Prozent. Ein noch rasanteres Wachstum verzeichnete in den vergangenen Jahren das Smartphone- oder Mobile-Banking. Waren es 2015 laut dem Statistikportal Statista noch 34 Prozent der Deutschen, die ihre Bankgeschäfte über das Smartphone erledigten, so lag der Anteil in 2021, also nur sechs Jahre später, bei 64 Prozent. Die Kunden schätzen die Schnelligkeit und Bequemlichkeit dieser „Hosentaschen-Filiale“.

Was im Privatkundengeschäft funktioniert, hält inzwischen auch im Business-to-Business-Bereich (B2B) Einzug. Das heißt, die geschäftlichen Kundenbeziehungen werden dort ebenfalls immer mehr digital abgewickelt. Eine Entwicklung, der sich auch die Leasing-Branche nicht verschließt. Auch dort wird daran gearbeitet, die positiven Erfahrungen der Nutzer mit der digitalen Abwicklung privater Bankgeschäfte auf das Leasing-Geschäft zu übertragen. Ein Beispiel ist das Small-Ticket-Leasing, bei dem es darum geht, Wirtschaftsgüter mit kleinen Investitionsvolumina zu finanzieren. Der Reiz daran: Sowohl im kundenindividuellen Bankgeschäft wie auch für die Vendoren, das heißt die Hersteller oder Händler von Leasing-Objekten, erschließt sich damit ein deutlich größeres Kundenpotenzial, da über diesen Weg der gesamte Bedarf der Kunden zentriert angesprochen werden kann.

Small-Ticket-Leasing: Einfach, intuitiv und rund um die Uhr zugänglich

Für den Leasingnehmer wiederum sollte es mehr Komfort und weniger Aufwand mit sich bringen. Jede digitale Anwendung muss deshalb – idealerweise – ähnlich ablaufen, wie es Privatkunden bei ihrer Bank erleben: intuitiv und einfach zu bedienen, rund um die Uhr zugänglich und die Plattform steht auch für die mobile Anwendung zum Beispiel über das Smartphone zur Verfügung. Damit das für alle Beteiligten, vom Leasingnehmer über die verschiedenen Vertriebskanäle wie Vendoren oder Banken bis hin zum Leasinggeber, Vorteile bringt, müssen die Vertriebswege und Prozesse mit Hilfe digitaler Instrumente verschlankt und standardisiert werden. Die besondere Herausforderung im Leasing liegt darin, die idividuellen Objektdaten mit den jeweils gewünschten Finanzierungsparametern zu einer passgenauen Leasingrate zu verknüpfen.

Das Potenzial der Digitalisierung ergibt sich für die Leasinggesellschaften somit vor allem an der Schnittstelle zum Kunden, da dort die Chance auf Skalierung und Standardisierung besteht. Aber gerade für herstellerunabhängige Leasing-Gesellschaften ist dies nicht einfach zu bewerkstelligen, denn sie haben es, anders als herstellergebundene Anbieter, branchenübergreifend mit vielen tausenden mobilen Objekten von unterschiedlichsten Herstellern zu tun. Also eine nahezu endlose Auswahl, potenziert noch durch divergierende Einsatzgebiete der Objekte  in unterschiedlichen Sektoren,  was für die Wertermittlung der Leasinggüter relevant sein kann. Keine Lösung ist es, den Online-Kanal so zu bauen, dass sich der Benutzer am Ende für seine Objektsuche durch eine Vielzahl an Tabellen zur Absetzung für Abnutzung (AfA) klicken, das heißt seine passende Objektkategorie aufwendig selbst ermitteln muss.

Es geht vielmehr darum, ein komplexes Universum inklusive der AfA auf eine möglichst einfache Plattform herunterbrechen. Die hohe Komplexität der Produkt-, Vertrags- und Asset-Anforderungen sollte in eine möglichst einfache und für den Endnutzer gut überschaubare Frontend-Struktur gebracht werden, ohne die individuellen Kundenwünsche außer Acht zu lassen. Die Commerz Real Mobilienleasing beispielsweise hat aus diesen Vorgaben die Leasing-Anwendung und Beraterschnittstelle Comlease sowie einen entsprechenden Online-Leasing-Rechner entwickelt. Bei Letzterem wurde auf Grundlage eines frei zugänglichen Thesaurus und der Analyse historischer Objektdaten eine komplexe Wort- und Synonymsuche implementiert. Diese Datenbank wird laufend durch neue Begriffe und Verknüpfungen anhand von Neueingaben ergänzt.

Eingabe weniger entscheidender Parameter

Bei dem Leasing-Rechner genügt es, dass der Endkunde für ein erstes Angebot drei entscheidende Parameter eingibt: die Objektkategorie, die Anschaffungskosten und die Laufzeit. Der Kunde erhält dann in Echtzeit ein anonymes, zunächst noch unverbindliches Angebot. Konkret kann das folgendermaßen aussehen: Ein Anwender wählt eine bestimmte Baumaschine mit einer Investitionssumme von 50.000 Euro aus und gibt die gewünschte Laufzeit ein. Ist dieses Angebot für den Nutzer interessant, führt ein weiterer Klick zur Zusendung des Angebots und auf Wunsch direkt zu einem persönlichen Ansprechpartner, der gegebenenfalls weitere Fragen beantwortet.

Aber nicht nur für den Leasinggeber und den Endkunden soll dieser Leasing-Rechner Vorteile bringen, sondern gegebenenfalls auch für externe Vertriebspartner. Dies bedeutet, dass der Rechner modular aufgebaut ist, damit er sowohl im Vendorengeschäft als auch im eher kundenindividuellen Bankgeschäft eingesetzt werden kann. Um die Skalierungsvorteile  vollständig ausschöpfen zu können, müssen – neben dem Frontend – zudem die Backoffice-Prozesse, das Leasing-Produkt selbst sowie schließlich die Risikotragung an den ermittelbaren Ergebnissen am Point-of-Sale ausgerichtet werden.

Fortschreitende Nutzung von Pay-per-Use-Modellen

Doch ist das Small-Ticket-Leasing nur ein Beispiel für die neuen Potenziale, die sich durch die Digitalisierung für die Leasing-Branche ergeben. Ein anderes sind die sogenannten Pay-per-use-Modelle. Dabei entrichtet der Nutzer eines Leasing-Objekts nicht mehr pauschal  feste Raten über die gesamte Laufzeit, sondern leistet zum Beispiel innerhalb einer Bandbreite oder eines Zeitraumes Zahlungen, die sich an der Nutzung des Leasinggutes ausrichten. Dafür werden direkt am Objekt die Nutzungsintensität und alle weiteren relevanten Daten erfasst und an den Leasinggeber übermittelt.

Das macht aus Sicht des Leasingnehmers jedenfalls dann sehr viel Sinn, wenn sich die Mindernutzung in einem höheren Restwert niederschlägt, was sich wiederum positiv auf die Leasingrate auswirkt. Dazu muss die Leasinggesellschaft jedoch in ihrem Risikomanagement tatsächlich in der Lage sein und die ermittelten Restwertvorteile auch an ihre Kunden weitergeben.

Die Digitalisierung ist im Leasing und speziell bei den Pay-per-Use-Modellen aber noch weiterzudenken. . Dies betrifft etwa den inzwischen verstärkten Einsatz von Live-Stream-Apps. Darüber lassen sich auf digitalem Weg Standort und Bewegungen von geleasten Objekten überprüfen. Damit entfallen zeit- und kostenintensive Vor-Ort-Prüfungen, wie sie vor der Abnahme eines Leasingobjekts oder bei Beschädigungen üblich sind, was nicht nur in Zeiten einer Pandemie messbaren Vorteile bedeutet.

Ohne Frage wird die Digitalisierung auch in der Leasing-Branche immer mehr an Bedeutung gewinnen. So finden Kundenkontakte in der Leasingbranche schon heute zu mehr als 50 Prozent über mobile Endgeräte statt, was angesichts mobiler Arbeitsplätze, Einsatzorte und Produktionsstätten in den Unternehmen kaum überraschen kann. Daraus wiederum ergeben sich neue Wachstumsmöglichkeiten und Chancen. Die genannten Entwicklungen im Small-Ticket-Leasing mit einfachen, digitalen Kundenschnittstellen und Prozessen oder die variablen Pay-per-Use-Modelle dürften deshalb Erfolgsrezepte für die Zukunft sein.

Autor

Dr. Christoph Halstrick ist Vorsitzender der Geschäftsführung der Commerz Real Mobilienleasing GmbH in Düsseldorf. Der Jurist begann seine berufliche Laufbahn 1989 bei ABN Amro Bank. Es folgten Stationen in Vertriebs- und Führungsfunktionen im Firmenkundengeschäft namhafter Finanzinstitute, darunter der Commerzbank. 2012 wechselte er im Konzern zur Sachwerte-Tochter Commerz Real, wo er als Bereichsleiter und Geschäftsführer die gesamten Leasingaktivitäten im Commerzbank-Konzern verantwortet.

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