Freitag, 25.01.2013
Verwaltungsgebäude von Werner & Mertz mit Windkraftanlagen

Werner & Mertz

Das neue Verwaltungsgebäude des Mainzer Mittelständlers Werner & Mertz wurde samt integrierter Geothermieanlage über Leasing finanziert.

Finanzierung
Mittelstandsfinanzierung: Wie Energieeffizienz bezahlbar wird

Mit Leasing zu mehr Energieeffizienz

Energieeffizienz ist ein Muss für Mittelständler. Doch viele Unternehmen scheuen die hohen Anfangsinvestitionen. Wir erklären Ihnen, wie Sie Leasing zur Finanzierung Ihrer Energieeffizienz-Projekte nutzen können, welche Vor- und Nachteile es bietet, sowie auf welche Investitionen es anwendbar ist.

Energieeffizienz ist ein Muss für Mittelständler. Doch Unternehmen scheuen hohe Anfangsinvestitionen. Es herrscht ein steigender Bedarf an alternativen Finanzierungsmodellen. Diese Lücke entdecken Leasing-Unternehmen zunehmend für sich. „Leasing ist ein gutes Mittel gegen Totschlagargumente wie ausgeschöpfte Budgets oder lange Amortisationszeiten“, erzählt Bernd Meckel, Leiter des Geschäftsbereichs Energie beim Leasinganbieter Comco. Doch die Anbieter wollen mit mehr punkten als der reinen Finanzierung. Vom Objekt- Know-how über die wirtschaftliche und technische Bewertung bis hin zur Versicherung reicht das Angebot.

Energieeffizienz im Mittelstand: Leasing auf dem Vormarsch

Energie-Ausstoß in der Industrie

Energieeffizienz ist unverzichtbar. Die Strompreise für kleine und mittlere Unternehmen sind innerhalb der vergangenen zwölf Jahre um etwa 166 Prozent gestiegen.

Während Leasing in vielen Segmenten längst etabliert ist, führt es im Bereich Energietechnik noch ein Schattendasein. Allerdings ist ein Wandel spürbar. „Der Bedarf ist hoch, 2012 hatten wir sehr viele Anfragen in diese Richtung“, sagt Kai-Otto Landwehr, Geschäftsführer von Siemens Finance & Leasing. Unternehmen wie der Mainzer Mittelständler Werner & Mertz sind nicht länger Exoten. Der Hersteller von Markenhygieneprodukten wie Erdal oder Frosch hat 2010 sein neues Verwaltungsgebäude eingeweiht. 15 Millionen Euro hat der Neubau, der mehrere Kleinwindkraftanlagen sowie eine Photovoltaik- und eine Geothermieanlage beherbergt und den kompletten Energiebedarf für Heizung und Kühlung deckt, gekostet.

Egal ob Photovoltaik und Windkraft wie bei Werner & Merz, oder stromsparende Beleuchtung, intelligente Regelungstechnik und Kraft-Wärme-Kopplung – die Ansatzpunkte für Unternehmen, ihre Energieeffizienz zu verbessern, scheinen unbegrenzt. Unbegrenzt und unverzichtbar: Allein durch die Umrüstung auf drehzahlvariable Antriebe könnte die deutsche Industrie ihre Energiekosten bis 2017 um bis zu 6,5 Milliarden Euro senken, hat Siemens Financial Services für eine aktuelle Studie errechnet.

Energieeffizienz im Mittelstand: Leasing ermöglicht Investitionen

Werner & Merz hat das Gebäude mitsamt der Geothermieanlage geleast. Die Leasing-Dauer orientiert sich an der gesetzlichen Abschreibungsfrist für die jeweilige Investition. Zwischen 40 und 90 Prozent liegt der Zeitkorridor für die Vertragsgestaltung. „Unternehmen tendieren in die lange Richtung“, beobachtet Meckel. Der Wunsch, die Raten niedrig zu halten, überlagere oftmals den Blick für die Gesamtkostenbelastung. Diese profitiert beim Leasing davon, dass die Raten als Betriebskosten steuerlich geltend gemacht werden können. Zudem sind anders als bei Investitionskrediten keine zusätzlichen Sicherheiten nötig, weil die Anlage im Eigentum des Leasing-Gebers verbleibt. Hauptvorteile sind aber Liquiditätssicherung und Bilanzneutralität. Beides wirkt sich positiv aufs Bankenrating aus und erhöht dadurch den Spielraum für weitere Finanzierungen. „Gerade bei Investitionen in moderne Technologien mit Einsparpotential beim Energieverbrauch ist es für Unternehmen attraktiv, ratierlich zu bezahlen“, sagt Landwehr. „Weil die Anfangsinvestition entfällt und die Raten sich teilweise aus den erzielten Einsparungen speisen, reduzieren sich die tatsächlichen Kosten auf ein Minimum.“

Energieeffizienz im Mittelstand: Leasing und Fördermittel

Es gibt jedoch auch Nachteile: So können Fördermittel aus einem der unzähligen Energieeffizienz-Programme in der Regel nicht auf Leasing-Verträge angewandt werden. Wer in Raten zahlen möchte, ohne dabei auf Fördergelder zu verzichten, muss bei vielen Programmen zum Mietkauf greifen. Bei dieser Variante geht das Eigentum am Leasing-Objekt am Ende automatisch auf den Leasing-Nehmer über. Doch für bankenunabhängige Anbieter wie Comco bleibt ein Problem: „Es gibt eine Riesenzahl an Förderprogrammen, mit denen wir nichts anfangen können, weil sie die Kreditfinanzierung über die Hausbank voraussetzen“, ärgert sich Meckel, der den Zinsvorteil der Fördermittel gern an seine Kunden weitergeben würde. Derzeit liegt die Effektivverzinsung beim Energie-Leasing zwischen 5 und 6 Prozent.

Mittelstandsfinanzierung: Leasing & Co. im Vergleich

Energieeffizienz im Mittelstand: Hier funktioniert Leasing

Leasing ist jedoch nicht bei allen Energieeffizienz-Investitionen möglich. „Aber es funktioniert in mehr Bereichen, als man denkt“, sagt Meckel. Ganz oben auf der Hitliste stehen Blockheizkraftwerke, Maschinen zur Kälte- und Druckluftversorgung sowie Beleuchtungstechnik. Auch Kraftwerke oder Versorgungsleitungen sind leasingtechnisch Mobilien. „Soft Costs wie Planungs- und Genehmigungsaufwand können ebenfalls in die Finanzierung integriert werden, sofern sie marktübliche Preise nicht überschreiten“, erklärt Meckel. Schwieriger wird es bei umhüllten Maschinen und Bauwerken. So konnte Werner & Merz die Windkraft- und Photovoltaikanlagen nicht leasen, weil sie rechtlich keine Gebäudeelemente darstellen. Anders die Geothermieanlage. Nach Ablauf des Leasing-Vertrags will das Unternehmen die Anlage kaufen. „Ein typisches Ende im Energiesektor“, erzählt Meckel. „Üblicherweise laufen Energieanlagen so lange, bis sie ihr Leben aushauchen.“