Mittwoch, 14.05.2014
Bei Finanzierungen braucht der Mittelstand eine genaue Strategie, um langfristig erfolgreich zu sein.

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Bei Finanzierungen braucht der Mittelstand eine genaue Strategie, um langfristig erfolgreich zu sein.

Finanzierung
Initiative UnternehmerPerspektiven

Mittelstand bei Investitionen zurückhaltend

Mittelständische Unternehmen sind bei Investitionen zurückhaltend. Sie setzen auf eine ausgewogene Investitionsstrategie zwischen Substanzerhalt und Wachstum. Ökonomen fordern eine höhere Investitionsbereitschaft.

Die Investitionsstrategie beim gehobenen Mittelstand mit einem Jahresumsatz von 12,5 bis 100 Millionen Euro ist ausgewogen. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „UnternehmerPerspektiven - Vorsicht versus Vision: Investitionsstrategien im Mittelstand“, die die Commerzbank mit durchgeführt und heute im Rahmen eines Pressegespräches in Frankfurt vorgestellt hat.

Der Studie zufolge verfolgen 26 Prozent der befragten Unternehmen eine zurückhaltende Investitionsstrategie und investieren in erster Linie in den Substanzerhalt ihres Unternehmens. Ihnen gegenüber stehen 18 Prozent, die bei Investitionen klar auf das Wachstum setzen. Im Vergleich zu dem Segment der kleinen Unternehmen, die ebenfalls befragt wurden, agiert der gehobene Mittelstand  damit insgesamt etwas wachstumsorientierter.

Aus Sicht der Unternehmen sind die Investitionen für den Unternehmenserfolg und als Zukunftsperspektive ausreichend. Ein Investitionsstau ist für sie aktuell nicht erkennbar. Ökonomen, die im Rahmen der Studie ebenfalls befragt wurden, sehen das kritischer. Sie gehen  von einem nicht ausgeschöpften Investitionspotenzial aus. Der Bedarf an Investitionen, sei es für Wachstum oder den Erhalt der Unternehmenssubstanz, ist noch nicht ausgeschöpft.

Investitionen: Risikobereitschaft steigt weiter

Vorstandsmitglied der Commerzbank Markus Beumer stellte die Studienergebnisse am Mittwochmorgen in Frankfurt vor.

Vorstandsmitglied der Commerzbank Markus Beumer stellte die Studienergebnisse am Mittwochmorgen in Frankfurt vor.

Der Studie zufolge ist die Mehrheit des gehobenen Mittelstands finanziell gut aufgestellt. Weniger als ein Viertel der Unternehmen gaben an, dass eigene wirtschaftliche Probleme die Investitionen erschweren. Grund für die Zurückhaltung sind externe Unsicherheitsfaktoren wie die schwankenden Rohstoffpreise, der Fachkräftemangel sowie die wirtschaftliche Lage in Europa. Trotz dieser anhaltenden Unsicherheiten planen Unternehmen wieder langfristiger und sind auch bereit die damit verbunden Risiken einzugehen. Diese Risikobereitschaft ist seit 2012 deutlich gestiegen. Jeder zweite befragte Geschäftsführer gab an, langfristig zu planen. Hingegen sagten nur noch 35 Prozent nur kurzfristig zu planen und flexibel zu entscheiden.

Mittelstand: Optimierung vor Innovation

Im gehobenen Mittelstand sind Optimierung und Modernisierung häufiger Gründe für Investitionen als Innovationen. Außerdem sind vor allem Kundenerwartungen, Qualitätssicherung, Verbesserung der Effizienz und Kostensenkung Anlässe für Investitionen. Seltener sind die Themen Expansion auf den Binnenmärkten und Internationalisierung ausschlaggebend für Investitionen.

Unter dem Stichwort der Optimierung investiert der Mittelstand meistens in Sachwerte, wie die IT-Infrastruktur oder den Fuhrpark, die den Fortgang der Unternehmensabläufe langfristig sichern. Eine hohe Priorität bei Investitionen wird dem Personalbereich zugemessen. Fast alle befragten Unternehmen investieren in die Aus- und Weiterbildung ihrer Belegschaft sowie in die Rekrutierung neuer Mitarbeiter. Mit solchen Investitionen will der Mittelstand auf die Herausforderungen, die der Fachkräftemangel mit sich bringt, reagieren.

Auf der Investitionsagenda weiter hinten stehen im gehobenen Mittelstand die Expansion auf den Binnenmärkten und die Internationalisierung. Auch die Entwicklung und Einführung neuer Produkte sind im gehobenen Mittelstand selten Anlässe zu investieren. Ebenso kommen langfristige und strategische Investitionen, wie zum Beispiel Unternehmensbeteiligungen in der Investitionsstrategie vor.

Fremdfinanzierungen unbeliebt

Langfristig sieht der Mittelstand das größte wirtschaftliche Potenzial in der Digitalisierung. Mehr beschäftigt sich der Mittelstand allerdings mit den Risiken, die die großen wirtschaftlichen Trends mit sich bringen. Beispielsweise fürchten sie den hohen Investitionsbedarf, den die Energiewende oder der Fachkräftemangel, verursachen. Mittelständler, die eher wachstumsorientiert investieren, erkennen hingegen öfter die Chancen der großen Trends.

Bei der Finanzierung von Innovationen erwartet der gehobene Mittelstand aktuell keine Probleme. Trotz der derzeit guten Finanzierungsmöglichkeiten, sind Fremdfinanzierungen beim Mittelstand unbeliebt. Die Unternehmen versuchen eher, ihre Investitionen möglichst ohne Kredit und aus Bordmitteln zu finanzieren. Die befragt Ökonomen raten hingegen zu einem Finanzierungsmix, der auch aus Fremdkapital bestehen sollte.

Info

Über die Studie

 

Im Rahmen der Initiative wurden insgesamt 4.000 Unternehmen aus dem Mittelstand ab einem Jahresumsatz von 2,5 Millionen Euro befragt. Ein Großteil von ihnen geht davon aus, dass ihre Investitionen ausreichend und zielführend sind. Aus Sicher der Unternehmen gibt es keinen Investitionsstau im deutschen Mittelstand.