Freitag, 22.11.2013
Finanzierung
Basel III und seine Auswirkungen

Mittelstand sucht Alternativen zum Kredit

Basel III wirft seine Schatten voraus und der Mittelstand sucht trotz niedriger Zinsen nach Alternativen zum Bankkredit. Gerade kleine Mittelständler haben dabei mit Schwierigkeiten zu kämpfen.

Die neuen Richtlinien durch Basel III zeigen auch beim deutschen Mittelstand zunehmend Wirkung. Obwohl das Regelwerk erst zu Beginn des kommenden Jahres in Kraft treten wird, sondieren immer mehr Mittelständler den Fremdkapitalmarkt nach Alternativen zum Bankkredit – und bei vielen ist dieser Schritt dringend notwendig.

Der Kreditmarkt wird derzeit von zwei gegenläufigen Trends gekennzeichnet, die massive Auswirkungen auf die Vergabe von Unternehmenskrediten haben. Zum einen liegen die Zinssätze auf einem historischen Tiefststand, was Kredite gerade für Unternehmen mit guter Bonität und gutem Fremdkapitalzugang enorm attraktiv macht. Sie haben nun Gelegenheit langfristige Investitionen – beispielsweise in Immobilien oder neue Maschinen – mit günstigen Krediten zu finanzieren.

Auf der anderen Seite zwingt das Herannahen von Basel III die Banken dazu ein Eigenkapitalpolster aufzubauen, was ihre Fähigkeit zur Kreditvergabe einschränkt. Trotz des günstigen Zinsumfelds können deshalb gerade Unternehmen aus Problembranchen oder solche ohne Top-Bonität häufig nicht von den niedrigen Zinssätzen profitieren und müssen sich nach Alternativen umschauen.

„Besonders Unternehmen aus dem Bereich der erneuerbaren Energien haben es aktuell sehr schwer. Auch die Automobilzuliefererindustrie ist traditionell eine Branche, die von den Banken eine hohe Risikoeinstufung erhält“, so Joerg Schoberth, Partner Transaction Services und Corporate Finance bei der Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft RSM Germany.

Alternative Finanzierung für den Mittelstand

Als Reaktion auf das veränderte Finanzierungsumfeld und die restriktivere Kreditvergabe der Banken gehen immer mehr Mittelständler neue Wege. „Mittelständische Unternehmen setzen sich momentan intensiv mit alternativen Finanzierungsmöglichkeiten auseinander“, erklärt Joerg Schoberth. Neben Mittelstandsanleihen spielen dabei auch Factoring, Forfaitierung, Leasing oder speziell aufgelegte Mittelstandsfonds eine wichtige Rolle. So hat beispielsweise der Europäische Investitionsfonds kürzlich aus EU-, Bundes- und Landesmitteln öffentliche Gelder im Rahmen von 200 Millionen Euro zugesagt. Diese sollen in Mezzanine-Dachfonds fließen.

Die große Auswahl an alternativen Finanzierungsinstrumenten steht allerdings nicht allen mittelständischen Unternehmen gleichermaßen zur Verfügung: „Mittelstandsanleihen sind in der Regel erst für Unternehmen mit einem Jahresumsatz von 100 Millionen Euro attraktiv, da ihre Emission recht aufwendig und kostenintensiv ist. Mittelstandsfonds richten sich schon eher an mittelgroße Unternehmen mit einem Umsatz ab etwa 30 bis 40 Millionen Euro“, so RSM-Experte Schoberth.

Kleine Mittelständler müssen aufpassen

Mittelständische Unternehmen mit einem jährlichen Umsatz von weniger als 30 Millionen Euro haben nach Einschätzung von Joerg Schoberth derzeit gleich zwei Probleme: Zum einen stehen ihnen nicht alle Alternativen zur klassischen Bankfinanzierung zur Verfügung und zum anderen sind sie häufig Nischenanbieter mit einem limitierten Kundenkreis, was sie besonders anfällig für konjunkturelle Schwankungen macht – ein Malus, der bei Verhandlungen mit Banken zum Problem werden kann. „Gerade kleinere Mittelständler sollten versuchen, das Beste aus der aktuell guten Konjunkturlage zu machen und alle Möglichkeiten auszuschöpfen, die ihnen offen stehen. Durch beispielsweise Leasing und Factoring können auch sie Maßnahmen zur Diversifizierung ihrer Finanzierung ergreifen“, rät Schoberth. Er weist gleichzeitig darauf hin, dass viele Banken im aktuellen Umfeld den Mittelstand einmal mehr als wichtige Zielgruppe entdecken, was neue Türen öffnen kann. Generell gelte deshalb: Die Unternehmen sollten möglichst noch in diesem Jahr Gespräche mit ihren Banken suchen und sich über ihre künftige Finanzierungssituation informieren. Nur so könnten sie mögliche Risiken frühzeitig abschätzen und nach möglichen Alternativen suchen.

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