Dienstag, 26.02.2019
Zusammenarbeit mit Investor: Seit März 2015 gehört die Eisengießereigruppe Gienanth zum Portfolio der Private-Equity-Gesellschaft Deutsche Beteiligungs AG.

Foto: Gienanth GmbH

Zusammenarbeit mit Investor: Seit März 2015 gehört die Eisengießereigruppe Gienanth zum Portfolio der Private-Equity-Gesellschaft Deutsche Beteiligungs AG.

Finanzierung
Private Equity im Mittelstand

Wie ein PE-Investor einen Mittelständler bei Investitionen unterstützt

Seit 2015 gehört die Eisengießerei Gienanth mehrheitlich einem von der Deutschen Beteiligungs AG beratenen Fonds. In dieser Zeit ist das Unternehmen stark gewachsen, auch dank der Kontakte seiner Investoren.

Die Eisengießereigruppe Gienanth blickt auf eine lange Tradition zurück. Bereits 1735 wurde die Gießerei im pfälzischen Eisenberg geründet und einige Jahre später von Jakob Gienanth übernommen. Bis heute ist dieses Werk eines der beiden deutschen Produktionsstandorte der Gießerei. Nach der Bankenkrise vor zehn Jahren hätte diese lange Tradition allerdings beinahe ein jähes Ende gefunden. „Das Unternehmen steckte tief in einer finanziell angespannten Situation“, sagt Hans-Jürgen Brenninger, Geschäftsführer des mittelständischen Unternehmens.

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Ein Treuhänder hatte die Gießereigruppe in Folge der Finanzkrise und einer zu hohen Verschuldung übernommen. Doch zur einer Insolvenz kam es nicht. Die Deutsche Beteiligungs AG (DBAG), eine Private-Equity-Gesellschaft, die sich auf Investments im Mittelstand spezialisiert hat, erkannte das Potential der Firma. Anfang 2015 kaufte ein von ihr beratener Private-Equity-Fonds die Mehrheit der Anteile an der Gießereigruppe. Mit dem Kaufpreis zahlte Gienanth zunächst seine Verbindlichkeiten zurück und stockte mit dem Rest sein Eigenkapital auf. Dieses Geld bildete die Grundlage für die Umstrukturierung der beiden Standorte. Mit Erfolg: Laut eigener Aussage kann der Mittelständler auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr 2018 zurückblicken. 

Was Sie über PE wissen müssen, erfahren Sie in unserem Themenschwerpunkt „Private Equity“.

Um den Weg zurück zu einem angemessenen Ertragsniveau zu finden, hat Gienanth nicht nur interne Produktionsprozesse optimiert, sondern auch sein Produktportfolio durch eigene Investments ausgebaut. In den vergangenen Jahren wurden dafür rund 50 Millionen Euro investiert, die Gienanth aus eigenen Mitteln aufgebracht hat. Die Gießerei ist einer der Weltmarktführer für Zylinderkurbelgehäuse für Großmotoren. Außerdem produziert das Unternehmen Kupplungs- und Bremsteile für die Automobil- und Nutzfahrzeugindustrie und erreicht dabei einen weltweiten Marktanteil von mehr als einem Viertel.

Auf Wachstumskurs

Mit Zukäufen erweitert der Mittelständler sein Produktportfolio. Im vergangenen Jahr übernahm das Unternehmen drei Produktionsstätten in Österreich und Tschechien. „Unsere neue Gießerei in Österreich hat keine Kunden aus dem Automobilsektor, sondern beliefert unter anderem die Bahn- und die Agrarindustrie“, sagt Brenninger. Ziel der Zukäufe war es, neue Kundengruppen für sich zu gewinnen und damit weiter zu wachsen.

Hans-Jürgen Brenninger ist Vorstandsvorsitzender der Eisengießereigruppe Gienanth.

Hans-Jürgen Brenninger ist Vorstandsvorsitzender der Eisengießereigruppe Gienanth.

Bei der Investition stand die DBAG beratend mit ihrer Erfahrung zur Seite, das Geld für das Investment nahm aber der Mittelständler selbst in die Hand. Möglicherweise werden die jüngsten Unternehmenszukäufe nicht die letzten gewesen sein: „Wir erhalten über die DBAG viele Angebote von zum Verkauf stehenden Firmen“, sagt der Geschäftsführer. „Wir schauen uns dann an, ob etwas Passendes für uns dabei ist.“

 

Nicht nur bei den Zukäufen helfen die Kontakte des Investors. Im Aufsichtsrat des Mittelständlers sitzen einige Branchenexperten, die Gienanth über die DBAG kennengelernt haben. So ist etwa Wolfram Mörsdorf Aufsichtsratsvorsitzender der Gießereigruppe. Er blickt unter anderem durch seine Zeit bei Thyssenkrupp auf eine jahrzehntelange Erfahrung in der Metallbranche zurück. 

 

Über das Netzwerk der DBAG hat Brenninger außerdem den für Polen zuständigen Geschäftsführer eines großen Maschinenbauers kennengelernt. Dadurch konnte der Mittelständler auch in Polen Fuß fassen. In anderen Ländern Osteuropas ist das Unternehmen dagegen schon länger tätig. Dank eines zweiten Investors, des russischen Beteiligungsunternehmens Sistema, hat Gienanth sein Netzwerk in Osteuropa erweitert und seine Geschäftsmöglichkeiten dort gestärkt. Die Minderheitsbeteiligung ist 2017 auf Initiative der DBAG entstanden.

Von dem großen Netzwerk seiner Gesellschafter hat die Eisengießereigruppe damit in den vergangenen Jahren profitiert. Darum ist der Mittelständler auch mit der Zusammenarbeit zufrieden. „Wir wissen, was wir an unseren Finanzinvestoren haben“, sagt Brenninger. Doch die Zusammenarbeit ist nicht für die Ewigkeit. Die DBAG hält ihre Beteiligungen in der Regel fünf bis sieben Jahre. Daher ist der Ausstieg in einem der kommenden Jahre sehr wahrscheinlich. Dann wird sich Gienanth gemeinsam mit der DBAG auf die Suche nach einem neuen Eigentümer machen. „Wir möchten auch in Zukunft einen Investor an Bord haben, der Wert auf eine langfristige Wachstumsstrategie für Gienanth legt“, sagt Brenninger. „Mit ihm werden wir dann gemeinsam an einer erfolgreichen Zukunft arbeiten.“