Montag, 11.01.2016
Im Jahr 2015 erreichte der Schuldscheinmarkt Rekordniveau: Die Schuldscheine wurden vor allem im Rahmen von M&A-Deals genutzt.

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Im Jahr 2015 erreichte der Schuldscheinmarkt Rekordniveau: Die Schuldscheine wurden vor allem im Rahmen von M&A-Deals genutzt.

Finanzierung
Alternative Finanzierung für den Mittelstand

Schuldscheine beliebter denn je

Der Schuldscheinboom hat 2015 für ein neues Rekordvolumen gesorgt. Auch der Mittelstand nutzt das Finanzierungsinstrument rege. Warum Schuldscheine für familiengeführte Unternehmen so attraktiv sind.

Der Schuldschein wird als Finanzierungsinstrument für den Mittelstand immer wichtiger. Das schlägt sich auch in den Zahlen nieder: Der Schuldscheinmarkt hat im Jahr 2015 um 65 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zugelegt und kommt insgesamt auf ein Volumen von 19 Milliarden Euro. Das geht aus einer Analyse der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) hervor.

Besonders Großemissionen aus dem Automobilsektor trieben das Volumen 2015 nach oben. Der Getriebehersteller ZF Friedrichshafen etwa platzierte Anfang 2015 einen neuen Rekordschuldschein über 2,2 Milliarden Euro zur Finanzierung der Übernahme von TRW Automotive. Zudem emittierte der Automobilzulieferer Mann+Hummel Mitte Oktober einen Schuldschein, der die Milliardengrenze knackte, um damit die Übernahme des Filtergeschäfts von dem US-Konzern Affinia zu finanzieren. Der Autokonzern Daimler platzierte ebenfalls einen Schuldschein über 1,1 Milliarden Euro.

Schuldschein für den Mittelstand interessant

Doch nicht nur für Konzerne ist das Finanzierungsinstrument interessant, sondern der Schuldschein gewinnt auch für kleinere Emittenten immer mehr an Bedeutung. Der Grund: Mehrere Pleiten von Mittelstandsanleihe-Emittenten haben das Vertrauen in den Bond-Markt erschüttert.

Der Schuldschein ist eine elegante Alternative: Das Darlehen ist ähnlich diskret wie das traditionelle Kreditgeschäft, da der Investorenkreis ausgewählt werden kann. Speziell für familiengeführte Unternehmen ist das eine attraktive Eigenschaft, da sie sich nicht dem Kapitalmarkt öffnen müssen. Auch der Dokumentationsaufwand ist bei Schuldscheinen wesentlich schlanker. Nach der Debüt-Emission können Mittelständler ihre Dokumentation als Blaupause für weitere Transaktionen nutzen.

Zwar sind die Zinskosten bei Schuldscheinen oft noch höher als bei Anleihen, die relativ teuren externen Ratings fallen jedoch weg. Zudem besteht keine regelmäßige Publikationsflicht gegenüber dem Kapitalmarkt, wodurch die langfristigen Kosten niedriger sind.

First Sensor und Nabaltec setzen auf Schuldscheine

So nahmen 2015 einige Mittelständler den Schuldschein als Finanzierungsinstrument in Anspruch. Im November emittierte der Messtechnikspezialist First Sensor Umsatz 2014: 123 Millionen Euro) einen Schuldschein über 28 Millionen Euro. Auch Nabaltec (Umsatz 2014: 143 Millionen Euro) refinanzierte im Mai 2015 seinen Schuldschein und stockte das Volumen um 20 auf 70 Millionen Euro auf. 2013 hatte der bayerische Chemiehersteller einen 30 Millionen Euro Corporate Bond mit dem Debüt-Schuldschein abgelöst.