Mittwoch, 11.03.2015
Euro-Kurs:In diesem Saal in der Frankfurter Zentrale der EZB wird über die Geldpolitik entschieden.

Foto: European Central Bank/Robert Metsch

Euro-Kurs:In diesem Saal in der Frankfurter Zentrale der EZB wird über die Geldpolitik entschieden.

Finanzierung
Auswirkungen der Währungsschwankungen

"Sorgt Sie der schwache Euro-Kurs?"

Der Euro verliert gegenüber dem US-Dollar an Wert. Was bedeutet das für deutsche Mittelständler? Wie handeln exportorientierte Unternehmen? Eine Umfrage zeigt, wie mittelständische Unternehmer vorgehen.
Gerald Aquila, Gründer und Geschäftsführer, Onepoint Projects, Raaba (Österreich)"Der schwache Eurokurs bringt für ein Unternehmen wie Onepoint sowohl Vor- als auch Nachteile. Einerseits steigen die Kosten für Marketing in den USA oder Kanada. Andererseits sind Umsätze in US-Dollar damit vom Euro aus betrachtet wertvoller. Hier hilft uns, dass wir für unsere Projektmanagement-Software außerhalb der Eurozone eine US-Dollar-Preisliste führen. So arbeiten wir gerade an ein paar größeren Aufträgen mit unserem strategischen Partner in den Staaten, die für uns im Augenblick sehr lukrativ sind."Axel Janßen, Director of Sales, Infocus International B.V., München"Die IT-Industrie ist seit jeher an den Wechselkurs von ehemals DM – nunmehr Euro und Dollar gebunden. Insofern sind Preiserhöhungen, wie sie derzeit aufgrund des niedrigen Euros überall zu sehen sind, ebenso Teil unseres täglichen Geschäfts wie Preissenkungen bei fallendem Dollar.Und da auch das konservativste Dollar-Hedging irgendwann einmal ausläuft, werden wir uns bei der anhaltenden Euro-Schwäche weiter auf steigende Preise im IT-Bereich einstellen müssen."Axel Jahn, Geschäftsführer, Netpioneer GmbH, Karlsruhe"Unsere Kunden erwirtschaften heute schon einen beachtlichen Teil ihres Umsatzes in Nicht-Euro-Ländern und der schwache Euro verstärkt das Wachstum in diesen Regionen zusätzlich. Das führt dazu, dass unsere Lösungen und Dienstleistungen zunehmend gefragt sind. Insofern profitieren wir von der Euro-Schwäche und hoffen daher, dass sich die Lage nicht so schnell ändert."Carl Schuster, CEO, MD Digital Mobility GmbH & Co. KG, Berlin"Wir profitieren vom schwachen Euro, denn er beschert uns eine starke Nachfrage. Unser Chauffeur-Service wird immer mehr auch von ausländischen Touristen und Geschäftsreisenden genutzt. Die größten drei Zielgruppen sind dabei Amerikaner, Engländer und Schweizer. Sie nutzen ihre gestiegene Kaufkraft, um hochwertige Mobilitätslösungen wie unsere Fahrservices zu buchen. Buchungsanlässe sind vor allem Flughafentransfers, vermehrt aber auch Shopping und Sightseeing."Christian Schild, Mitglied der Geschäftsleitung, Tillmann Verpackungen Schmalkalden GmbH, Herges-Hallenberg"Wir liefern Verpackungslösungen für Zulieferer der Automobilindustrie. Gibt es eine hohe Nachfrage im Automotive-Sektor, geht es auch unserem Unternehmen gut. Starker Dollar und schwacher Rubel halten sich für uns gerade die Waage. Bisher haben wir immer auf deutsche Maschinen gesetzt. Jetzt haben wir erstmals eine amerikanische Stehsatzfertigungsstraße gekauft, weil es keine vergleichbare auf dem deutschen Markt gab. Wegen des schwachen Euros kostete sie 20 Prozent mehr als bei der Bestellung."Christian Wendler, Vorstandsvorsitzender, Lenze SE, Hameln"Gerade der exportorientierte deutsche Maschinenbau profitiert derzeit vom schwachen Euro. Kurzfristig sehen wir also einen positiven Effekt, der sich allerdings im Jahresverlauf schon durch eine importierte Inflation wieder ausgleichen dürfte. Der schwache Euro birgt auch eine große Gefahr: Immer wenn eine Währung abwertet, lassen sich Defizite der Leistungen der Unternehmen über einen günstigeren Preis im Ausland kaschieren. Bis zu dem Punkt, an dem die Innovationskraft und die Kraft für eigenständige Unternehmensentwicklungen deutlich zurückfallen."Detlev-Sven Neumann, Geschäftsführer, MHMedical Tec GmbH, Großostheim"Der schwache Euro ist für uns als Lieferant von Vorteil. Aktuell kaufen Schweizer Kunden günstig bei uns ein. Insgesamt betreffen uns Kursschwankungen aber wenig. Mit individuellen Einmalprodukten für die Medizintechnik erfüllen wir die regulatorischen CE-Anforderungen. Als Manufaktur fertigen wir in Deutschland Nischenprodukte und Kleinserien für den EU-Raum. Dies macht uns zum Teil der Lösung, damit konkurrenzfähig und währungsunabhängig."Nelly Kostadinova, Geschäftsführerin, Lingua-World, Köln"Der schwache Euro-Kurs trifft unser Geschäft nur wenig. Das liegt vor allem daran, dass wir mit unseren Niederlassungen in Johannesburg und London weltweit agieren und viele Aufträge in anderen Währungen abwickeln. Unser Unternehmen hat aus der Eurokrise 2009 gelernt, als wir einen deutlichen Umsatzeinbruch hatte. Seitdem stellen wir uns verstärkt international auf. Von unseren neu erschlossenen Märkten in Großbritannien und Südafrika profitieren wir heute."Thorsten Wulff, Geschäftsführer, Pieper GmbH, Schwerte"Ein schwacher Euro kann unserem Unternehmen höhere Auslandsumsätze aus Exportgeschäften mit Ländern außerhalb der Euro-Zone bescheren, etwa mit den USA und Asien. Da unser Unternehmen schwerpunktmäßig den Industriemarkt weltweit beliefert, liegt unser Geschäftsanteil zum größten Teil außerhalb der EU. Unternehmen mit einem hohen Geschäftsanteil im Dollar-Raum können die hier in Deutschland gefertigten Produkte im Ausland günstiger anbieten und sind somit gegenüber dem lokalen Mittbewerb wettbewerbsfähiger."

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