Montag, 04.10.2021

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Fürchtet sich nicht vor der Inflation: der Wiener Edelsteinhändler Thomas Schröck

Finanzierung
Macher der Woche

Thomas Schröck setzt auf funkelde Investitionen

Mehr als vier Prozent Inflation? Das bedeutet für den Wiener Edelsteinhändler Thomas Schröck Hochbetrieb. Smaragde, Saphire und Rubine sind als wertstabile Geldanlage gefragter denn je. Sie sind nicht ganz so liquide wie Gold, dafür haben sie aber noch ganz andere Vorteile.

Die Inflation – sie macht den einen Sorgen. 4,1 Prozent: Das gab es seit Jahrzehnten nicht, das enteignet Menschen, die etwas gespart haben, wie mit raffgieriger Hand. Aber natürlich gibt es auch solche, die profitieren. Die genau dieses Szenario seit Monaten und Jahren vorhersagen und vorbereiten. Die dann, wenn die meisten verlieren, zu den wenigen gehören, die gewinnen. So einer ist Thomas Schröck.

Der 50-Jährige sitzt an seinem Schreibtisch in Wien im ersten Bezirk, kurze Haare, modischer Kinnbart. Im Hintergrund funkeln Edelsteine: Rubin, Smaragd, Turmalin. Er bezeichnet sich als Gemmologe, eine Art Edelstein-Wissenschaftler, der im Gegensatz zum Geologen die Herkunft von Steinen nicht mit dem Hammer, sondern mit der Lupe untersucht, weil zerstören doch zu schade wäre. Er war ungefähr zehn Jahre alt, als ihm der Vater von der Jagd einen Bergkristall mitbrachte, und damit sozusagen den Grundstein für eine lebenslange Faszination auslöste. Schröck ging später unter die Edelsteinhändler, lernte auf den Basaren von Surat, der indischen Welthauptstadt des Edelsteinhandels Original von Fälschung zu unterscheiden. Vor vier Jahren gründete er mit einem Team von elf Steinverrückten The Natural Gem, im Grunde ein Vermögensverwalter auf Edelsteingrundlage. "Edelsteine spielen als Vermögensanlage in einer Liga mit Kunst, Oldtimern und Uhren. Ihre Schönheit ist ein Teil der Rendite."

Ein solider Sicherheitsanker

Der andere Teil ist die Wertentwicklung. Schröck beziffert die langfristige Steigerung auf vier bis sechs Prozent im Jahr – wobei: Für Laien ist das nicht nachprüfbar, da es an öffentlich zugänglichen Indizes für Edelsteine mangelt. Der Preis bildet sich durch An- und Verkäufe bei Händlern und in Auktionshäuser. Handel und das Erzielen schneller Liquidität sind also im Vergleich mit Edelmetallen wie Gold oder Silber komplizierter. Für den Preis sind neben der Sorte des Steins Größe, Klarheit, Farbintensität und auch die Herkunft entscheidend. Auskunft darüber geben Zertifikate unabhängiger gemmologischer Labore. Für wertvolle Steine lohnt es sich auch mehrere davon einzuholen. "Edelsteine als Anlageklasse sind nicht spekulativ. Sie sichern aber ab", sagt Schröck. Es braucht vor allem das, was Sammler von Kunst, Uhren oder Oldtimern auch mitbringen: Sie haben Geduld und erfreuen sich an dem, was sie gekauft haben.

Daneben gibt es handfeste Vorteile, die von manchen Kunden und Kundinnen sehr geschätzt werden. "Ich fühle mich nackt, wenn ich nicht eine halbe Millionen Dollar am Finger trage", habe ihm eine Kundin anvertraut, berichtet Schröck. Anderen geht es nicht so sehr um nackte als vielmehr um praktische Tatsachen: Ein Kilo Gold war im vergangenen Jahr etwa 50.000 Euro wert, ein Kilo feiner Rubine circa 150 Millionen. Es lässt sich also deutlich mehr Wert einfacher transportieren, und es gibt auch weniger Nachfragen: Edelsteinkäufe sind im Gegensatz zu größeren Goldkäufen nicht registrierungspflichtig, und ein paar Steine in der Tasche gehen auch an Landesgrenzen niemanden etwas an. Wieder andere Käufer sind fast schon ideologisch motiviert: "Manch einer investiert in Edelsteine aus einem Misstrauen heraus gegenüber dem gedruckten Geld der Zentralbanken", sagt Schröck. Diese letzte Spezies könnte es sein, die sich jetzt durch die Inflation ermuntert sieht, intensiv nach wertstabilen Steinen Ausschau zu halten.

Sie könnten aufs richtige Pferd setzen. Denn Edelsteine sind kleiner, daher schlechter in Minen zu finden als Gold. Erschöpfte Minenvorkommen führen zu einem weltweiten Rückgang der Fundmengen an Edelsteinen, besonders von Rubinen, Saphiren und Farbdiamanten, der Wertzuwachs steigt. Weiterhin steigen die Nachfragen nach hochwertigen Steinen durch Asien und Russland sowie weltweite Online- und Vor-Ort-Auktionen.

Die Herkunft beeinflusst den Wert

Allerdings: Nicht jeder Rubin, Smaragd oder Saphir eignet sich als Anlagestein. Für ein erfolgreiches Investment gilt, dass der Farbedelstein so natürlich wie möglich sein sollte. Behandlungen durch Erhitzung, Bestrahlung oder durch Ölen verringern den Wert. Das Schleifen von Edelsteinen wird nicht als Behandlung gesehen. Zu den naturfarbenen, unbehandelten Edelsteinen zählen nur die, deren Farbe und Reinheit nicht künstlich verändert wurde. Zudem beeinflusst die Herkunft den Wert. Adlige Vorfahren unter den Trägern können die Preise in Auktionshäusern schnell vervielfachen. Er habe einen solchen Rubin ganz kurz im Sortiment gehabt, der auf einem Ölbild zu sehen war, das einen indischen Maharadscha zeigte. Der einmalige Stein musste also einst diesem schillernden Träger gehört haben – und war nach wenigen Tagen von den Wienern verkauft. Schröck hat daraus gelernt. Er bereitet derzeit auch eine eigene Schmucklinie vor. Als Namen hat er sich dafür den einzigen gesichert, der dem Standort seines Büros unweit der Wiener Hofburg angemessen ist: Habsburg soll die neue Linie heißen.

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