Dienstag, 16.02.2021

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Thomas Becer: "Ein langfristiger Trend zu schwierigeren Finanzierungsbedingungen hat eingesetzt."

Finanzierung
Gastbeitrag

Vorsicht vor der Zukunft: Warum langfristige Finanzierung für Mittelständler ein Problem wird

Auch Mittelständler, die kurzfristig eine gute Liquidität haben, unterschätzen die langfristigen Auswirkungen der derzeitigen Krise.

Es gehört zu den gut erforschten menschlichen Verhaltensweisen, dass kurzfristige Entwicklungen überbewertet, langfristige Trends aber stark unterschätzt werden. Bezogen auf die Finanzierungsanfragen mittelständischer Unternehmen können wir zumindest im Ansätzen auch ein solches Muster erkennen. Denn kurzfristig scheint die Finanzierungssituation noch kommod. Dank großzügiger Unterstützung von Gesetzgeber und Fiskalpolitik – großzügige Kurzarbeit-Regelungen, Insolvenzverbot und günstige KfW-Kredite, um nur drei Beispiele zu nennen – sehen sich viele Unternehmer bezüglich ihrer Liquidität aktuell gut aufgestellt.

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Allerdings hat ein langfristiger Trend zu schwierigeren Finanzierungsbedingungen eingesetzt, der sich noch deutlich verschärfen wird. Mittelständler sollten sich auf folgende Entwicklungen einstellen:

Höhere Finanzierungskosten: Für einen typischen Investitionskredit mit fünf Jahren Laufzeit für ein Unternehmen mit mittlerer Bonität sind die Kreditzinsen in den vergangenen drei Jahren um rund 100 Basispunkte gestiegen. Langfristig sind das noch keine überdurchschnittlichen Konditionen, aber wir gehen von weiteren Steigerungen aus, wegen der Auswirkungen von Trend Nummer zwei.

Strengere Regulierung: Die Bankenregulierung "Basel IV" wird Anfang 2022 aktiviert. Die Mindesthöhe der risikogewichteten Aktiva (RWA) wird unter der Verwendung interner Modelle (Output Floor) überarbeitet. Vorgesehen ist vor allem eine höhere Risikosensitivität der Standardansätze, insbesondere für Kreditrisiken. Das heißt, Banken beginnen jetzt schon, ihre Risiken zu reduzieren beziehungsweise Risiken neu zu bepreisen.

Rating-Abstufungen: Die extrem niedrigen Ausfallraten bei Unternehmenskrediten in Europa in den vergangenen Jahren sollten nicht als der Normalfall angesehen werden. Spätestens im Frühsommer 2021 werden die Ratings für viele Unternehmen schlechter werden (Downgrade). Wie in der Vergangenheit auch, werden die großen Rating-Agenturen wieder spätzyklisch handeln. Wie ernst die Situation ist, wird somit erst relativ spät klar werden. Damit wird die Finanzierungssituation auch für Unternehmer schwieriger, die aktuell auf eine solide Bonität verweisen können. Im Verhältnis zum Gesamtmarkt müssen alle Unternehmer mit höheren Anforderungen/Finanzierungskosten rechnen.

Dagegen helfen diese drei Punkte:

Breite des Marktes nutzen: Noch sind Finanzierungsangebote am Markt vorhanden, es muss aber nicht mehr die Hausbank sein. Gerade der bisherige Finanzierungspartner kann durch erreichte Limits oder strengere Regulierung eingeschränkt sein, das gilt aber nicht für andere Banken. Der Vergleich von Finanzierungsangeboten mehrerer Banken ist 2021 dringend zu empfehlen.

Kreditunterlagen anpassen: Oft genügen schon formale Anpassungen, um den Kreditantrag qualitativ zu verbessern. Dabei geht es keinesfalls um "Window dressing", sondern um die Aufbereitung der Unterlagen, um dem Bankpartner die Abwicklung und Entscheidung zu erleichtern. Dies kann oft der entscheidende Unterschied sein, um die Kreditzusage zu erreichen.

Zeitfaktor nutzen: Der Trend zu einem langfristig schwierigeren Finanzierungsklima scheint absehbar, hat sich aber noch nicht im Markt vollständig durchgesetzt. Eine zeitnahe Finanzierungsanfrage könnte den nötigen Spielraum bringen, um als Unternehmer mit einer starken Verhandlungsposition aufzutreten. Langfristig könnten sich die Machtverhältnisse am Kreditmarkt nämlich ändern.

Thomas Becer ist Chief Operating Officer (COO) von Finmatch, einer Plattform für Unternehmensfinanzierung.

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