Freitag, 06.07.2012
Finanzierung
Devisenkurse

Währungsszenario

Der Druck auf den Euro bleibt langfristig hoch. Unternehmer sollten ihre Risiken kennen.

„Es geht nur um eins: Vorbereitung auf den Irrtum“, warnt Osman Bayro Unternehmer vor den Entwicklungen an den Devisenmärkten. Der Währungsanalyst des Bankhauses Hauck & Aufhäuser sieht die Unternehmen in der Pflicht, sich auf den Fall vorzubereiten, wenn die eigene Marktmeinung nicht zum Zuge kommt. Wechselkurs- und Zinsänderungen sind aktuell in jede Richtung möglich. Da sie in der gegenwärtigen Lage schwer vorherzusagen sind, gilt es, die Auswirkungen auf das Unternehmensergebnis jeder Richtungsänderung vorher zu bedenken und abzusichern.
Die Unternehmer sollten Art und Umfang der Risiken aus Finanzgeschäften genau kennen. Wichtig sind die Auswirkungen von Wechselkursänderungen auf die G&V sowie auf die Bilanz. Andere Währungsanalysten gehen noch einen Schritt weiter und raten zu einer vollumfänglichen Absicherung der Portfolien. Und nicht jeder Analyst möchte sich überhaupt zu diesem Thema äußern. Die Fondsgesellschaft Carmignac, sonst um kein öffentliches Statement zu ökonomischen Fragestellungen verlegen und gerade erst mit einem offenen Brief an den französischen Präsidenten Hollande an die Öffentlichkeit getreten, bedauert, zu dieser Fragestellung keine Statements abgeben zu können. Auch die Analysten von Siemens Financial Services wollen sich nicht darauf einlassen, Devisenkurseinschätzungen und Szenarien kundzutun.

Weg in die Transferunion unvermeidlich

Die entscheidende Frage ist jedoch, ob es zu einem Auseinanderbrechen der Eurozone kommt oder nicht. Werden Eurobonds eingeführt, dann werden Investoren ihre Gelder aus der Eurozone abziehen. Damit steigt der Druck  auf den Euro massiv und eine Abwertungsspirale beginnt. Als sichere Häfen für Investorengelder gelten vor allem noch US-amerikanische Staatsanleihen und japanische Anleihen. Bislang stützt die starke Nachfrage nach deutschen Bundesanleihen von Seiten der Investoren noch den Eurokurs.
Einen ersten Schritt hin zu der Vergesellschaftung von Schulden in der Eurozone ist die Refinanzierung von Banken über Geld aus dem Euro-Rettungsschirm ESM. Darauf haben sich die Spitzenpolitiker in Brüssel jüngst verständigt. Einige Analysten meinen lapidar: „Der Weg in die Transfer- und Haftungsunion ist unvermeidlich“. Der gute Rat von Deutsche-Bank-Europaanalyst Nicolaus Heinen an die EZB: sich endlich von ihrem Samariterkomplex zu befreien. Gewinner des europäischen Dilemmas wird der US-Dollar sein. Ungeachtet aller eigenen Sorgen wie einer nachlassenden Konjunktur dürfte der US-Dollar weiter aufwerten aufgrund der steigenden Risikoaversion am Markt. Dies könnte bis zur Parität gehen. Vor allem, wenn das US-amerikanische Wirtschaftswachstum wieder anspringen sollte.

Die Großbanken schätzen die zukünftigen Kursentwicklungen sehr unterschiedlich ein (siehe Graphiken). Die Bandbreite der Abweichungen ist ungewöhnlich – ein Spiegelbild der großen Unsicherheit am Markt.

Info
Risikoanalyse von Währungsentwicklungen

Wechselkursveränderungen können Umsatz und Gewinn eines Unternehmens massiv beeinträchtigen. Wie eine Bank eine Risikoanalyse aufstellt.

Risikoerfassung: Währungs- und wirtschaftliche Risiken des Unternehmens werden erfasst.
Risikoprofil: Risiken, denen das Unternehmen ausgesetzt ist, werden passgenau aufgeschlüsselt
Risikomessung: entsprechend dem Risikoprofil wird das Währungsrisiko monetär erfasst. In jede Richtung wird eine Grenze gezogen (worst case und best case limits): Welche Kurse dürfen nicht unter- oder überschritten werden? Dazu dienen Berechnungen mit Wechselkursänderungsszenarien.
Risikosteuerung: Implementierung von Absicherungsinstrumenten (bspw. Devisentermingeschäfte, Devisenoptionsgeschäfte oder je nach Bedarf eine Kombination von verschiedenen Instrumenten) Im Nachgang wird ein Risikocontrolling innerhalb des Unternehmens implementiert. Hierbei wird regelmäßig überprüft, ob Anpassungen erforderlich sind. Sobald sich die makroökonomischen Rahmenbedingungen ändern, wird das Modell angepasst. Quelle: Hauck & Aufhäuser, Markt und Mittelstand