Donnerstag, 09.04.2015
Mittelständische Untrernehmen wollen mehr in die Fertigung investieren.

Foto: Kuka

Mittelständische Untrernehmen wollen mehr in die Fertigung investieren.

Finanzierung
Was mittelständische Unternehmen planen

Wie investieren Sie?

Mittelständische Unternehmen wollen für ihre Betriebe mehr ausgeben. Trotz Skepsis gegegnüber der wirtschaftlichen Entwicklung im vergangenen Jahr, stehen im Frühjahr die Zeichen wieder auf Optimismus.

Für Investitionen sind die deutschen Unternehmen 2015 nach Angaben des Ifo-Instituts bereit fünf Prozent mehr auszugeben als im Vorjahr. 555 Milliarden Euro hat das verarbeitende Gewerbe 2014 ausgegeben.

Besonders mittelständische Unternehmen wollen ihre Ausgaben für neue Bauten und Ausrüstung erhöhen. "Es gibt hoffnungsvolle Signale, dass die Investitionsschwäche überwunden werden kann", sagt der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV), Georg Fahrenschon.
Ein Anzeichen ist in den steigenden Anlageinvestitionen zu erkennen. Von 100 eingenommenen Euro werden zehn Euro, und damit ein Euro mehr als 2013, für Investitionsprojekte verwendet.

Die Rolle des Vorreiters übernehmen kleine Unternehmen mit einem Jahresumsatz bis zu 500.000 Euro. Sie investieren mehr als ein Fünftel ihrer Einnahmen, doppelt so viel wie der Durchschnitt der Unternehmen. 

Mittelständische Unternehmen warten noch ab

„Wir müssen abwarten, ob sich der Investitionsaufschwung stabilisiert,“ sagt Fahrenschon. Die Zweifel sind angebracht. Denn der industrielle Mittelstand hatte noch im Dezember vergangenen Jahres die Lage kritischer betrachtet.
Nach einer Konjunktur-Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) „ist die hohe Investitionsbereitschaft vom Frühsommer verflogen“, sagt Martin Wansleben, Hauptgeschäftsführer des DIHK.

So verursache „die heimische Wirtschaftspolitik Bremsspuren im Mittelstand“. Sie stelle aus Sicht der größeren Unternehmen mit bis zu 1.000 Beschäftigten inzwischen das Geschäftsrisiko Nummer eins dar. „Zu den bereits beschlossenen Belastungen aus dem Koalitionsvertrag wie gesetzlicher Mindestlohn und Rentenpaket kommt die Sorge um eine Verschärfung der Erbschaftsteuer.“

Zudem wirken sich die Exporteinbußen im Russlandgeschäft mit bis zu 20 Prozent gegenüber 2013 negativ aus. „Russland ist für den deutschen Maschinenbau – eine industrielle Schlüsselbranche – der viertwichtigste Absatzmarkt“, sagt Wansleben.

Reinhold Walz, Geschäftsführer, Gewatec Systemlösungen GmbH, Wehingen„Für das Business von ERP/MES-Lösungen für die mittelständische Fertigungsindustrie ist im Moment wichtig, sämtliche Produkte so zu erweitern, dass Sie den Anforderungen von Industrie 4.0 entsprechen. Dies bedeutet eine Vergrößerung der Entwicklungsmannschaft.Hand in Hand mit neuen Konzepten und Produkten werden Bausteine für die Automatisierung von Software-Tests implementiert. Im Bereich Support und Projektmanagement wird in zusätzliche Software-Tools investiert. Alle diese Ziele sind nur mit neuen Mitarbeitern zu erreichen. Für die Schaffung neuer Arbeitsplätze ist der Erwerb eines weiteren Gebäudes geplant.“Christian Dietl, Geschäftsführer, Abel GmbH & Co. KG, Büchen„Für dieses Jahr haben wir keine großen Ausgaben geplant. Wir geben allenfalls Geld aus für Ersatzinvestitionen. Vielleicht greifen wir auch mal bezogen auf Aufträge oder Projekte in die Tasche, aber große finanzielle Aktivitäten stehen nicht an. Wir wachsen sukzessive, daher haben wir auch an personeller Aufstockung derzeit keinen Bedarf. Also, für uns wird das ein ruhiges Jahr, was Ausgaben anbelangt.“Christian Klemenz, Gründer und Geschäftsführer, St. Erhard GmbH, Bamberg„Craftbier ist der große Trend im Bierbereich und wir wollen mit der Bierothek, dem Ladengeschäft für Bierspezialitäten, das neue Handelssegment dafür schaffen. Daher investieren wir gerne sowohl in Eigenregie als auch über unser Franchise-Modell in neue Standorte. Der stationäre Handel und unser Online Shop gehen dabei Hand in Hand, da wir den Multi-Channel-Ansatz als klaren Mehrwert für die Kunden sehen.“Erich Obermeier, Geschäftsführer SchahlLED Lighting GmbH, Unterschleißheim bei München„Wir investieren in die Entwicklung und Fertigung von intelligenten LED-Leuchtensystemen. Damit einher geht die Investition in qualifiziertes Personal. Für die Fertigung unserer LED-Leuchten „Made in Germany“ kaufen wir das Material bewusst bei europäischen Zulieferern und profitieren von der Qualität und kurzen Lieferzeiten. Vermeintliche Preisvorteile durch den Materialeinkauf in Fernost haben sich unserer Ansicht nach relativiert – und relativieren sich vor allem dann, wenn man monatelang auf Komponenten wartet, die am Ende in beschädigtem Zustand oder nicht konsistenter Qualitäteintreffen."Klaus Junghans, Geschäftsführer Junghans GmbH, Hessisch-Lichtenau„Zum einen investieren wir mit in ein Forschungsprojekt zur zukünftigen Reduktion des Energiebedarfs bis zu 50 Prozent. Ein weiterer nicht unerheblicher Teil des Investitionsvolumens fließt in die Personalentwicklung. So werden unsere Führungskräfte durch externe Business-Coaches auf die immer komplexeren Anforderungen vorbereitet. Zudem fördern wir gering qualifizierte Mitarbeiter durch altersunabhängige Weiterbildungsprogramme und verhelfen ihnen damit zu einem anerkannten Berufsabschluss.“Lars Göbel, Leiter Vertrieb und IT Services, DARZ GmbH, Darmstadt„Durch unsere Investition in Höhe von 35 Millionen Euro ist das Darmstädter Rechenzentrum (DARZ) nicht nur ein Hochsicherheitsrechenzentrum, sondern auch ein preisgekröntes architektonisches Juwel geworden. Unser Investitionskonzept hatte zum Ziel, das ehemalige Tresorgebäude der Hessischen Landesbank zum ersten Green-IT Data-Hotel Deutschlands umzugestalten. Im Jahr 2015 werden wir weiter investieren, vor allem, um unser Portfolio um zukunftsorientierte Technologien und Services zu erweitern.“Matthias Kunisch, Geschäftsführer, Forcont Business Technology GmbH, Leipzig„Unser Unternehmen wird im Mai 25 Jahre alt. Um für die Zukunft gerüstet zu sein, investieren wir verstärkt in die Entwicklung und Vermarktung webbasierter Lösungen für das Dokumentenmanagement. Als mittelständischer deutscher Softwareanbieter sehen wir hier eine Chance, spezifische Angebote für die steigende Nachfrage nach Cloud-Geschäftslösungen datenschutzkonform und sicher am Markt zu platzieren und somit Kunden von Routinearbeiten zu befreien und ihnen Zeit für die Entwicklung ihres Kerngeschäfts zu geben.“John May, CEO, Gateprotect GmbH, Hamburg„Als Hersteller von Sicherheitslösungen im Bereich Netzwerksicherheit haben wegen der steigenden Anforderungen an die Sicherheit von Energienetzwerken in die Entwicklung unserer neuen Produkte investiert. Wir werden auch 2015 verstärkt in Forschung und Entwicklung investieren, um die steigenden Bedürfnisse des Energiemarkts zum Schutze von kritischen Infrastrukturen zu bedienen.“Sebastian Groesslhuber, Geschäftsführer, Kinnarps GmbH, Worms„Als größter europäischen Büromöbelherstellers binden wir unsere Produkte heute mehr denn je in Konzepte ein, die es Unternehmen erlauben, ihre Arbeitswelt produktiv zu gestalten und zugleich die Bedürfnisse einer vielfältigen Belegschaft zu erfüllen. Aus diesem Grund stehen Entwicklung und Beratung immer stärker im Fokus unserer Unternehmensstrategie. Wir investieren heute in Kundenbeziehungen und in das Know-how unser Mitarbeiter, um unsere Kunden dabei zu unterstützen, den veränderten Anforderungen des Arbeits- und Lebensraums
von Morgen gerecht zu werden.“
Thomas Köhl, Geschäftsführer, Köhl GmbH, Rödermark„Da unser Fokus seit jeher auf rückengerechtem und gesundem Sitzen liegt, bündeln wir unsere Investitionen auch in diesem Jahr wieder verstärkt in die Weiterentwicklung ergonomischer Sitzlösungen. Darüber hinaus investieren wir in die Weiterbildung unserer Mitarbeiter und Fachhandelspartner zu Ergonomie-Coaches. Somit sind sie in der Lage, die Sitzgewohnheiten jedes Einzelnen am Arbeitsplatz zu analysieren und zu korrigieren.“