Dienstag, 21.02.2017
Positiver Nebeneffekt: Die Mitgliedschaft bei Rotary und dem Lions Club kann dabei helfen, leichter an Bankkredite zu kommen.

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Positiver Nebeneffekt: Die Mitgliedschaft bei Rotary und dem Lions Club kann dabei helfen, leichter an Bankkredite zu kommen.

Finanzierung
Mehr Geschäft dank Vitamin B

Wie sich die Mitgliedschaft bei Rotary und Co. auszahlt

Die Mitgliedschaft in „Elite-Service-Clubs“ ist nicht immer selbstlos. Die gewonnenen Kontakte lassen sich auch geschäftlich nutzen. Wirtschaftswissenschaftler haben sogar eine „Kreditvergabe auf Freundschaftsbasis“ festgestellt.

Wenn sich Manager und Kaufleute in sogenannten Elite-Service-Clubs wie den Lions oder den Rotariern engagieren, verfolgen sie damit nicht ausschließlich wohltätige oder soziale Ziele. Ein positiver Nebeneffekt dieser häufig ebenso prominent besetzten wie verschwiegen agierenden Netzwerke besteht darin, durch das Kennenlernen von Gleichgesinnten geschäftlich nutzbare Kontakte knüpfen zu können.

Wie der Frankfurter Wirtschaftswissenschaftler Rainer Haselmann in einer wissenschaftlichen Untersuchung – zusammen mit Kollegen von der Princeton University und der London Business School – herausgefunden hat, kann die Mitgliedschaft insbesondere mittelständischen Unternehmern dabei helfen, leichter an Bankkredite zu kommen: „Nach unseren Daten wächst der Umfang der Kredite eines Unternehmens bei einer Bank, nachdem deren Chefs in denselben Club eingetreten sind.“

Gelder für „Club-Brüder“

Rainer Haselmann ist SAFE Professor of Finance, Accounting and Taxation an der Goethe-Universität in Frankfurt

Foto: SAFE

Rainer Haselmann ist SAFE Professor of Finance, Accounting and Taxation an der Goethe-Universität in Frankfurt

Um diesen Befund empirisch sauber belegen zu können, hat Haselmann acht Jahre lang Mitgliederverzeichnisse von Clubs mit dem EU-Kreditregister abgeglichen. Das durchschnittliche Kreditvolumen lag bei 9 Millionen Euro, die durchschnittliche Größe des kreditnehmenden Unternehmens bei 200 Millionen Euro.

Das Bedenkliche an der „Kreditvergabe auf Freundschaftsbasis“ (O-Ton Haselmann): Die Bank macht mit solchen Netzwerk-Krediten durchschnittlich 4,4 Prozentpunkte weniger Gewinn als mit ihren anderen Krediten. Auch die Ausfallquote ist deutlich höher. Besonders auffällig verhalten sich die öffentlich-rechtlichen Sparkassen. Deren Vorstände vergeben häufiger und leichtfertiger Gelder an „Club-Brüder“ als private Finanzinstitute. 

Besondere Verpflichtung

Die aus Sicht der Banken schlechte Performance von Krediten, die offensichtlich auf Club-Kontakte zurückgehen, liegt laut Haselmann daran, dass die Banken beim Risikomanagement beide Augen zudrücken, wenn die jeweils Verantwortlichen Club-Mitglieder sind. „Die Bank stellt dem Unternehmen auch dann noch Mittel zur Verfügung, wenn es sich erkennbar auf eine Pleite zubewegt und andere Banken längst ausgestiegen sind“, moniert Haselmann: „Offenbar fühlen sich die Bankmanager dem Club-Kollegen besonders verpflichtet und blenden die betriebswirtschaftlichen Fakten zu lange aus.“

Hinzu kommt: Wie die Studie zeigt, nutzen die Firmenchefs die Kredite meist nicht für Investitionen in den Betrieb, sondern reduzieren damit ihre Eigenkapitalquote und zahlen die frei gewordenen Gelder an sich selbst aus. Für mittelständische Unternehmer stellt sich die Mitgliedschaft in einem Elite-Clubs daher als doppelt attraktiv dar: „Ich würde es empfehlen“, resümiert Haselmann ironisch.