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Recht und Steuern > Gastbeitrag

Family Office: So navigieren Unternehmerfamilien durch Nachfolge und Konflikte

| Thomas A. Zenner

Nachfolge, Konflikte, Vertrauen: Wie Family Offices Familienunternehmen durch stürmische Zeiten sicher steuern.

Holz-Steuerrad und Bedienelemente an einem Schiffsteuerstand; Hand am Gashebel, Wasser im Hintergrund.
Foto: kevs/Unsplash

24.9.2025: von Gastautor Thomas A. Zenner für Markt und Mittelstand

Ein Familienunternehmen gleicht einem Segelboot auf offener See: Die Crew ist eng verbunden, generationsübergreifend erfahren und voller Eigenverantwortung. Doch sobald der Wind sich dreht – durch Digitalisierung, Marktveränderungen oder einen anstehenden Generationenwechsel – geraten selbst bewährte Schiffe ins Schwanken. Wer übernimmt das Steuer? Wer kennt die neue Route? Und was, wenn einzelne Crewmitglieder ganz unterschiedliche Vorstellungen vom Zielhafen haben? 

In solchen Momenten zeigt sich: Es braucht mehr als technisches Können. Es braucht Orientierung, Vertrauen und eine neutrale Instanz, die hilft, Kurs und Kommunikation in Einklang zu bringen. Moderne Family Offices nehmen genau diese Rolle ein. Sie sind nicht bloß Verwalter von Vermögen, sondern agieren als Kompass, Kartenleser und Brückenbauer – sie begleiten Unternehmerfamilien durch komplexe Übergänge, emotionale Prozesse und strategische Entscheidungen. Als Mediator, Coach und Berater in einem. Thomas A. Zenner von Family Office 360grad öffnet in diesem Gastbeitrag einen Blick hinter die Kulissen und erklärt, wie ein modernes Family Office arbeitet. 

Was ist ein Family Office – und wer braucht es?

Traditionell entstand das Konzept des Family Office, um große Vermögen über Generationen hinweg zu strukturieren, zu sichern und unabhängig zu verwalten. Heute jedoch geht es um weit mehr. Ein Family Office sollte daher ein langfristiger, vertrauensvoller Partner sein, der Familienunternehmen in sämtlichen unternehmerischen und familiären Belangen begleitet – von steuerlicher und rechtlicher Strukturierung bis hin zu sensiblen Familienprozessen. 

Besonders Unternehmerfamilien mit komplexen Strukturen, mehreren Gesellschaftern oder anstehenden Nachfolgeregelungen profitieren davon. Denn wo Eigentum, Familie und Unternehmensführung eng miteinander verflochten sind, entstehen auch Spannungsfelder. Ein gutes Family Office schafft hier Klarheit, entschärft Konflikte und entwickelt gemeinsam mit der Familie langfristige Lösungen. 

Der ganzheitliche Blick: Mehr als nur Zahlen

In meiner Arbeit begegnen mir immer wieder Situationen, in denen der eigentliche Konflikt nicht auf dem Papier steht, sondern im Raum liegt. Da ist die Tochter, die mit neuen Ideen für Digitalisierung und Nachhaltigkeit ins Unternehmen einsteigen möchte und ein älterer Bruder, der lieber Bewährtes weiterführen will. Oder ein Vater, der nicht loslassen kann, obwohl die nächste Generation längst bereitsteht. In solchen Fällen geht es nicht um Bilanzen – es geht um Vertrauen, Rollen, Erwartungen. 

Ein modernes Family Office bietet genau dafür den nötigen Rahmen: moderierte Gespräche, etablierte Kommunikationsstrukturen und die Möglichkeit, auch unangenehme Themen in einem geschützten Raum anzusprechen. Wir agieren nicht als Richter oder Entscheider, sondern als strukturierte, neutrale Begleiter, die dabei helfen, aus persönlichen Perspektiven gemeinsame Strategien zu entwickeln. 

 

Praxisbeispiel: Wenn Zuhören zum Wendepunkt wird

Ein konkretes Beispiel: Eine Unternehmerfamilie stand vor der Frage, wie das operative Geschäft künftig geführt werden soll. Die Mutter war Hauptgesellschafterin, die beiden Kinder verfolgten unterschiedliche Lebenswege – die eine im Unternehmen engagiert, der andere als Investor aktiv. Die Gespräche kreisten zunächst um rechtliche und steuerliche Optionen. Doch schnell wurde klar: Es ging eigentlich um Sichtbarkeit, Anerkennung und die Sorge, den „Familienfrieden“ zu verlieren. Durch eine Reihe moderierter Sitzungen konnten wir einen Raum schaffen, in dem alle Beteiligten offen sprechen konnten, auch über ihre Ängste und Erwartungen. Am Ende stand nicht nur eine tragfähige Beteiligungslösung, sondern auch eine neue Form der Kommunikation in der Familie. Die Zahlen waren nie das Problem – die Emotionen dahinter aber durchaus. 

 

 

Die Rolle als Mediator und Coach

Die Vermittlung zwischen verschiedenen Interessen, Generationen und Lebensentwürfen ist eine der zentralen Aufgaben moderner Family Offices. Dabei geht es nicht nur um Konfliktlösung im klassischen Sinn, sondern um präventive Strukturarbeit: Rollen klären, Nachfolgen vorbereiten, Entscheidungswege transparent machen. Gerade bei Übergaben innerhalb der Familie oder beim Einstieg der nächsten Generation braucht es eine sensible Begleitung. Oft entstehen Spannungen nicht aus bösem Willen, sondern aus unausgesprochenen Erwartungen und Unsicherheiten. Ein Family Office kann hier nicht nur moderieren, sondern auch coachen – etwa durch individuelle Entwicklungsgespräche, Mentoring-Einheiten oder unternehmerische Bildungsprogramme.

 

Vertrauen braucht Struktur – und Unabhängigkeit

Damit eine Familie einem externen Partner so weitreichende Themen anvertraut, braucht es vor allem eines: Vertrauen. Dieses entsteht nicht durch schöne Präsentationen, sondern durch Transparenz, Unabhängigkeit und Verlässlichkeit. Wir bei Family Office 360grad arbeiten bewusst bankunabhängig, produktneutral und mit einem klar strukturierten Beratungsprozess. Unsere Kunden wissen: Wir vertreten keine Interessen Dritter, sondern allein die der Familie. Dabei setzen wir auf langfristige Beziehungen, nicht auf kurzfristige Projekte. Denn nur über die Zeit hinweg können wir die Dynamiken wirklich verstehen, die zwischen den Zeilen liegen – und mit Fingerspitzengefühl begleiten, wenn Wind aufkommt. 

Fazit: Navigationshilfe für Generationen

Ein Familienunternehmen ist ein wertvolles Erbe, aber auch eine stetige Aufgabe. Die Herausforderungen liegen längst nicht mehr nur in Märkten oder Geschäftsmodellen, sondern zunehmend im Miteinander der Menschen dahinter. Moderne Family Offices verstehen sich als ganzheitliche Wegbegleiter, die Struktur und Sicherheit bieten, wo Komplexität herrscht, und als vereinende Kraft, wenn Familie und Unternehmen gemeinsam weiterdenken wollen. Denn wer den Kurs halten will, muss nicht alles allein entscheiden – aber wissen, wem er das Steuer in schwierigen Phasen anvertrauen kann. 

Der Autor

Thomas A. Zenner ist ein erfahrener Family Office-Experte, der seit über 20 Jahren in der Beratung von Familienunternehmen tätig ist. Nach verschiedenen Positionen bei Banken übernahm er ab 2001 den Aufbau und die Leitung von mehreren Family Offices in Deutschland und der Schweiz. Seit Oktober 2016 ist er geschäftsführender Gesellschafter der Family Office 360grad AG in Stans/Nidwalden, die umfassende und maßgeschneiderte Lösungen für Unternehmerfamilien anbietet. 

 

Über Family Office 360grad

Family Office 360grad bietet Lösungen für Familienbetriebe, um die Nachfolgeplanung in rechtlicher, steuerlicher und psychologischer Hinsicht vorzubereiten. Die Firma mit Sitz in der Schweiz wurde 2016 von Unternehmern für Unternehmer gegründet und versteht somit die Bedürfnisse und Herausforderungen von Entrepreneuren aus eigener Erfahrung. Mit ihrem Team von Fachleuten, die bereits langjährige Expertise in Family Offices mitbringen, betreuen sie Familienbetriebe individuell und beraten sie unabhängig von Banken in den Bereichen Recht, Steuern, Immobilien, Nahfolgeplanung, Familienstrategie und Ausbildung der neuen Generation. So stellen sie sicher, dass die Kunden Familienfrieden erreichen und ihr Vermögen sowie der unternehmerische Erfolg geregelt an die nächste Generation übergeht. 

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