Dienstag, 12.02.2019

Foto: Allsafe

All right bei Allsafe: Bei dem Mittelständler gibt es beim Gehalt eine große Transparenz.

Gehalt
Gehaltspolitik bei Allsafe

Weshalb ein Mittelständler Boni wie Porsche bezahlt

Beim Mittelständler Allsafe weiß jeder, wie viel der Chef verdient. Steigt das Gehaltsniveau in einer Berufsgruppe an, bekommen alle anderen Mitarbeiter auch mehr Geld – ungefragt. Für das Unternehmen ist die Höhe des Gehalts eine Frage der Fairness.

Allsafe aus Engen am Bodensee macht vieles anders und ist damit sehr erfolgreich. Seinen eigenen Weg geht das mittelständische Unternehmen auch bei der Gehaltspolitik. Während die Löhne in den meisten Unternehmen ein gut gehütetes Geheimnis sind, um eine Neiddebatte zu vermeiden, ist der Hersteller von Systemen für die Ladungssicherung in Lkw und Flugzeugen hier äußerst transparent.

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Die 270 Mitarbeiter wissen, wie viel die Kollegen verdienen, weil es keine Gehaltsverhandlungen hinter verschlossener Tür gibt. Vielmehr wird das Thema von Anfang an offen thematisiert. Bereits im Bewerbungsgespräch, dem die Mitarbeiter bei Interesse beiwohnen können, nennen neue Mitarbeiter ihre Vorstellungen. Eine zu hohe Gehaltsforderung gibt es dabei nicht, zumindest theoretisch. „Was wir bezahlen richtet sich nach dem Markt“, sagt Allsafe-Geschäftsführer und Mitgesellschafter Detlef Lohmann. Es gebe einen Preis und den sei das Unternehmen grundsätzlich auch bereit zu zahlen, wenn er gerechtfertigt sei. Als Korrektiv dienen bei Allsafe die Kollegen und die Arbeitsleistung. „Wer nach vier bis sechs Wochen die Erwartungen erfüllt, bekommt im Idealfall sogar sein Wunschgehalt“, erklärt Lohmann.

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Detlef Lohmann von Allsafe

Diese Gehaltstransparenz endet auch nicht beim Chef. Wie hoch das Salär ist, kann jeder in der Bilanz nachlesen. „Die bespreche ich einmal im Jahr mit den Mitarbeitern, dazu gehört auch mein Gehalt“ sagt Lohmann, als wäre es selbstverständlich. Bisher habe sich noch niemand beschwert. Das dürfte auch daran liegen, dass Lohmann sein Gehalt 18 Jahre lang nicht erhöht hat, während sich seine Mitarbeiter gleichzeitig nicht über Knausrigkeit beschweren können.

Durch die Vorstellungsgespräche gibt es ein regelmäßiges Update, was monetär am Markt üblich ist. Darüber hinaus werden turnusmäßig alle sechs Monate die Gehälter mit dem Markt abgeglichen. Dass die Löhne über die Jahre steigen, kommt aufgrund des Fachkräftemangels im Allgemeinen und einer Vollbeschäftigung in Süddeutschland im Speziellen, regelmäßig vor. Beispiel Vertriebsinnendienstler: die hätten bei Allsafe lange 3.500 Euro brutto verdient. Bei den vergangenen Einstellungen lag das Niveau aber bei mehr als 4.000 Euro. „Nachdem wir zwei Vertriebsmitarbeiter mit 4.200 Euro brutto eingestellt hatten, haben wir auch alle anderen Vertriebsmitarbeiter im Innendienst nach oben gezogen“, sagt Detlef Lohmann.

Kein „Schmerzensgeld“ um Frust auszugleichen

Für den Unternehmer ist das nur logisch: „Wenn wir unter Wert bezahlen, schneiden wir uns doch ins eigene Fleisch. Und wir bekommen nicht das, was jemand willens und bereit ist zu leisten.“ Dieses „Gebot der Fairness“, wie es der 60-Jährige nennt, gilt gleichermaßen für Männer und Frauen. Einen Gender-Gap, also einen Unterschied zwischen dem Gehalt für Männer und Frauen in derselben Position, gibt es bei Allsafe nicht. „Frauen sind oft bescheidener und fragen seltener nach einer Gehaltserhöhung, als Männer. Um ein daraus entstehendes Ungleichgewicht zu vermeiden, muss bei uns keiner mehr nach einer Gehaltserhöhung fragen“, so der Unternehmer weiter.

Das badische Unternehmen zahlt teilweise über Tarif, um seine offenen Stellen besetzen zu können. Eine Ausnahme bildet das mittlere und obere Management. Für dieses scheinbare Paradoxon hat Unternehmer Lohmann eine einfache Erklärung: „Wir müssen kein Schmerzensgeld bezahlen, das Führungskräfte oft als Kompensation bekommen, wenn der Job viel Frust verursacht. Wir legen großen Wert darauf, dass sich unsere Mitarbeiter wohlfühlen.“

Damit kein Ungleichgewicht zwischen besser- und schlechter bezahlten Mitarbeitern entsteht, gibt es keine individuellen Boni und Leistungsvereinbarungen. Die Mitarbeiter sind dennoch motiviert, denn am Jahresende bekommen alle ein 13. Monatsgehalt ausbezahlt. Insgesamt ein Viertel des Gewinns vor Steuern steht dafür bereit. Im vergangenen Jahr hat jeder Allsafe-Angestellte 4.500 Euro extra bekommen, im Jahr davor sogar 8.000 Euro. „Dieser Bonus kann sogar mit Porsche mithalten“, weiß Detlef Lohmann.

Um die Unternehmenskultur bei Allsafe geht es auch in der Titelgeschichte unserer Printausgabe 2/2019. Hier können Sie das Heft bestellen und abonnieren.