Freitag, 26.07.2013
Gehalt
Personal

Jeder Vierte ist Geringverdiener

Ein Viertel der Beschäftigten in Deutschland ist im Niedriglohnsektor angestellt. Damit hat Deutschland den zweithöchsten Anteil an Geringverdienern im europäischen Vergleich.

Im Jahr 2010 verdienten 24 Prozent der Beschäftigten in Deutschland weniger als 9,54 Euro pro Stunde und zählen damit zum Niedriglohnsektor. Eine internationale Vergleichsstudie des IAB bestätigt, dass diese Quote deutlich über der anderer westlichen EU-Ländern liegt. Spitzenreiter beim Niedriglohn ist Litauen mit einem Anteil von 27,5 Prozent. Bei ausschließlicher Betrachtung der Vollzeitbeschäftigten reduziert sich die Zahl der Geringverdiener zwar auf ein Fünftel, ist im internationalen Vergleich jedoch immer noch hoch.
Die Forscher machen die in Deutschland schwindende Tarifbindung für eine derartige Entwicklung mitverantwortlich, denn individuelle Vergütungsvereinbarungen führen meist zu niedrigeren Stundenlöhnen.
Frauen und Teilzeitbeschäftigte im deutschen Niedriglohnsektor
Allen Ländern gemein ist, dass vor allem Frauen, Ausländer, befristet Beschäftigte und Arbeitnehmer in Kleinbetrieben von niedrigen Löhnen betroffen sind. In Deutschland sind vor allem Frauen und Teilzeitbeschäftigte in Niedriglohnsektor überrepräsentiert.

Fast ein Drittel aller weiblichen Angestellten verdient laut Studie hierzulande weniger als 9,54 Euro pro Stunde. Der Faktor Qualifizierung ist hingegen nicht entscheidend für die Lohnfrage: Mehr als 80 Prozent der Geringverdiener in Deutschland haben eine abgeschlossene Berufsausbildung. Ob die Beschäftigten allerdings in einer ihrem Abschluss angemessenen Position arbeiten, geht aus den Zahlen nicht hervor.
Angesichts der immer stärkeren Polarisierung der Einkommensverhältnisse seien die Zahlen Problematisch, IAB-Forscher Thomas Rhein. Die Studie belegt auch, dass im Ländervergleich ein höherer Anteil von Geringverdienern nicht zwangsläufig mit einem höheren Beschäftigungsverhältnis in einem Land einhergeht.

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