Donnerstag, 13.02.2014
Gehalt
Mindestlohn beeinflusst Niedriglohnbereich positiv

Tariflöhne gestiegen

Die Aussicht auf den gesetzlichen Mindestlohn scheint die Entwicklungen im Niedriglohnbereich zu beeinflussen. Immer mehr Arbeitgeber sind verhandlungsbereit.

Die durchschnittlichen tariflichen Löhne und Gehälter sind in den vergangenen Jahren häufig stärker gestiegen als die allgemeinen Bruttoverdienste. Das haben Untersuchungen des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) in der Hans-Böckler-Stiftung ergeben. Das WSI-Tarifarchiv untersuchte rund 4.750 Vergütungsgruppen aus 40 Branchen und Wirtschaftszweigen. Im Dezember 2013 sahen 10 Prozent davon Stundenlöhne von weniger als 8,50 Euro vor. Im Dezember 2012 lag dieser Anteil noch bei 11 Prozent, im September 2011 bei 13 Prozent, im März 2010 bei 16 Prozent.

Tariflöhne steigend: Trend wird sich fortsetzen

„Diese positive Entwicklung zeigt, dass die Gewerkschaften die Situation im Niedriglohnsektor aus eigener Kraft deutlich verbessert haben“, sagt der Leiter des WSI-Tarifarchivs, Dr. Reinhard Bispinck. „Unter anderem hat die Aussicht auf den voraussichtlich am 1. Januar 2015 startenden gesetzlichen Mindestlohn bereits dazu geführt, dass die Arbeitgeber mehr Bereitschaft über Tarifverhandlungen zeigten.“  
Dieser Trend werde sich auch in den nächsten Jahren fortsetzen. „Die Niedriglohngruppen in manchen Branchen z.B. im Friseurgewerbe, in der Fleischwirtschaft oder in der Leiharbeit werden die 8,50 Euro im Laufe der kommenden zwei Jahre erreichen“.

Dienstleistungsbranche: Unter 8,50 Euro

Überdurchschnittlich hoch sind die Löhne in Branchen wie der Metall- und der Chemieindustrie, dem Bankgewerbe, dem Bauhauptgewerbe, der Süßwarenindustrie und der privaten Abfallwirtschaft. Hier gibt es einen Stundensatz von mindestens 10 Euro.
Wie viele Beschäftigte in Tarifgruppen unter 8,50 Euro fallen, lasse sich, laut WSI, nicht sagen, weil es generell keine übergreifenden Daten dazu gebe, wie viele Beschäftigte von ihren Unternehmen wie eingruppiert werden. Überdurchschnittlich niedrig sind tarifliche Löhne jedoch relativ häufig in der Handwerks- und Dienstleistungsbranche. Dort gibt es oft viele kleine Betriebe und bedingterweise wenig organisierte Beschäftigte.

Info

Bereits vereinbarte Verbesserungen in einigen Niedriglohnbereichen:

  • Im Friseurgewerbe steigt der allgemeinverbindliche Mindestlohn von zurzeit 7,50/6,50 Euro (West/Ost) bis August 2015 auf einheitliche 8,50 Euro.

  • In der Leih-/Zeitarbeit wird der aktuelle Mindestlohn von 8,50/7,86 Euro (West/Ost) bis Juni 2016 in zwei Stufen auf 9,00/8,50 Euro angehoben.

  • In der Fleischindustrie sieht der im Januar erstmals vereinbarte Mindestlohntarifvertrag einen Betrag von einheitlich 7,75 Euro ab Juli 2014 vor. Er wird dann in drei Stufen auf 8,00 Euro (Dezember 2014), 8,60 Euro (Oktober 2015) und schließlich auf 8,75 Euro (Dezember 2016) angehoben.

  • In der Landwirtschaft sollen die in einigen Regionen noch bestehenden Tarifverträge für Saisonarbeitskräfte künftig entfallen, stattdessen erfolgt eine Eingruppierung in die regulären Tarifverträge. Bis Dezember 2017 sollen die untersten Stundenlöhne schrittweise auf 8,50 Euro je Stunde ab Dezember 2017 angehoben werden.


Quelle: Hans-Böckler Stiftung // WSI