Montag, 05.12.2016
Geeinigt: Knapp 700.000 Beschäftigte im Bauhauptgewerbe bekommen seit 1. Mai mehr Lohn.

Foto: RainerPlendl/Thinkstock/Getty Images

Geeinigt: Knapp 700.000 Beschäftigte im Bauhauptgewerbe bekommen seit 1. Mai mehr Lohn.

Gehalt
Lohnerhöhungen

Tarifrunde 2016: Die Abschlüsse im Überblick

Die Tarifrunde 2016 ist weitgehend vorbei. Doch wie sehen die Einigungen aus? Ein Überblick über für den Mittelstand relevante Tarifabschlüsse.

In zahlreichen Branchen standen auch im zu Ende gehenden Jahr Tarifverhandlungen an. Die meisten davon sind laut der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung abgeschlossen, bald beginnt die Tarifrunde 2017.

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Für den Mittelstand relevante Tarifabschlüsse 2016

Schon am 19. Januar gab es in der ostdeutschen Süßwarenindustrie einen Abschluss für 9.900 Arbeitnehmer. Sie erhalten mit Wirkung vom 1. Januar 2016 2,7 Prozent mehr Gehalt, ab 1. Januar 2017 noch einmal 2,4 Prozent. Der mit der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) ausgehandelte Tarifvertrag gilt bis 31. Dezember 2017.

In der Holz und Kunststoff verarbeitenden Industrie in Baden-Württemberg erhalten 34.300 Mitarbeiter seit dem 1. Mai 2016 2,0 Prozent mehr Lohn, ab Juli 2017 gibt es noch einmal 1,7 Prozent mehr. Dazu wurde noch ein Tarifvertrag Demografie abgeschlossen, in dem unter anderem ein Demografiebetrag des Arbeitgebers in Höhe von jährlich 300 Euro pro Arbeitnehmer für die Gesundheitsförderung auf betrieblicher Ebene vereinbart wurde. Der am 23. Februar mit der IG Metall vereinbarte Vertrag gilt bis Ende Dezember 2017, der Tarifvertrag Demografie bis 2020.

Die 675.300 Beschäftigten im Bauhauptgewerbe (ohne Bayern) bekommen seit 1. Mai 2,4 (West, Berlin) bzw. 2,9 Prozent mehr Lohn, ab 1. Mai 2017 2,2 bzw. 2,4 Prozent. Dazu kommt unter anderem die verpflichtende Bereitstellung der Unterkunft bei Tätigkeiten ohne tägliche Heimfahrt ab 2017 durch den Arbeitgeber sowie die Zahlung eines Verpflegungsgeldes von 24 Euro pro Tag bei Wegfall der bisherigen Auslösung. Der Vertrag läuft bis zum 28. Februar 2018. Die Einigung zwischen Arbeitgebern und IG Bau erfolgte Mitte Mai 2016.

Einen der größten Tarifverträge des Jahres schloss die IG Metall im Mai mit den Arbeitgebern in der Metall- und Elektroindustrie. Für die gut 3,5 Millionen betroffenen Beschäftigten wurde unter anderem eine Gesamtpauschale von 150 Euro für die Monate April bis Juni vereinbart, zusätzlich 2,8 Prozent seit 1. Juli 2016. Ab 1. April 2017 kommen noch einmal 2 Prozent dazu. Tarifgebundene Unternehmen mit unterdurchschnittlicher, schlechter Ertragslage konnten unter bestimmten Voraussetzungen die Pauschalzahlung und die Stufenerhöhung verschieben bzw. erstere sogar ganz aussetzen. Dafür wurde unter anderem der Tarifvertrag Anspruchsvoraussetzungen zur Finanzierung der Altersteilzeit wieder in Kraft gesetzt. Die Einigung gilt bis zum 31. Dezember 2017.

In der Druckindustrie einigten sich die Tarifparteien Mitte Juni auf 2 Prozent mehr Lohn ab 1. Juli 2016, im August 2017 kommen noch einmal 1,8 Prozent dazu. Der Tarifvertrag für die 142.200 von Verdi vertretenen Beschäftigten läuft bis zum 31. August 2018.

In der chemischen Industrie bekommen - je nach Region – seit August, September oder Oktober die 549.800 Beschäftigten 3 Prozent mehr Lohn, im kommenden Jahr kommen noch einmal 2,3 Prozent dazu. Betriebe mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten können die Erhöhungen um bis zu zwei Monate verschieben. Darauf einigten sich die Arbeitgeber und die IG BCE. Der Vertrag läuft bis 31. Juli, 31. August bzw. 30. September 2018.

Bisher nur eine vorläufige Einigung legten Ende November die Tarifparteien bei der Zeitarbeit vor. 920.000 betroffene Arbeitnehmer sollen demnach nach zwei Nullmonaten ab 1. März 2017 2,5 Prozent (Westdeutschland) bzw. 4 bis 4,82 Prozent (Ostdeutschland) mehr Lohn erhalten, zum 1. April 2018, 1. April 2019 sowie 1. Oktober 2019 sind weitere Erhöhungen angesetzt. Zudem sollen bis April 2021 die Ost- und Westlöhne angeglichen werden. Der mit den DGB-Gewerkschaften vereinbarte, aber noch unter Vorbehalt stehende, Vertrag soll bis zum 31. Dezember 2019 gelten.