Mittwoch, 24.10.2012
Gehalt
Personalkosten

Zeitarbeit wird teurer

Am ersten November treten die Branchenzuschläge für Zeitarbeitnehmer in der Metall- und Elektro-Industriein Kraft. Den Entleihfirmen drohen durch die Neuregelung enorme Mehrkosten, die sogar über den Lohnzuschlägen liegen können.

Im Mai 2012 hatten die Arbeitgeberverbände der Zeitarbeit und die IG Metall vereinbart, dass Zeitarbeitnehmer, die in der M+E-Industrie im Einsatz sind, ab dem ersten November Branchenzuschläge auf ihren Lohn erhalten sollen. Diese Zuschläge bewegen sich je nach Einsatzzeit zwischen 15 Prozent bis 50 Prozent des bisherigen Zeitarbeitnehmergrundlohns. Fällig werden die Zuschläge bei Zeitarbeitern, die länger als sechs Wochen in einem Betrieb sind. Da diese Bedingung von zahlreichen Zeitarbeitern in der Industrie erfüllt wird, betrifft die Gehaltssteigerung eine große Zahl von Mitarbeitern. Insgesamt gibt es derzeit bundesweit rund 850.000 Zeitarbeiter, davon arbeiten alleinrund 230.000 in der Metall- und Elektroindustrie und die meisten haben nach Angaben der IG-Metall Anspruch auf den Zuschlag.

„Wir hoffen, dass die M+E-Branchenzuschläge bei der Zeitarbeit zur endgültigen Befriedung der Zeitarbeit führen“, sagt Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer beim Verband der Bayerischen Metall- und Elektroindustrie, „Zusammen mit den strukturellen Regelungen innerhalb der Metall-Tarifverträge ist die Basis geschaffen, Zeitarbeit dauerhaft als Flexibilisierungsinstrument zu verankern. Den Tarifparteien muss allerdings klar sein, dass dadurch die Kostenbelastung von Metall- und Elektrobetrieben ausgerechnet in einer Zeit steigt, in der sich die Konjunktur deutlich abkühlt. Hinzu kommt, dass der diesjährige Tarifabschluss für die M+E-Beschäftigten mit 4,3 Prozent Entgelterhöhung mehr als ordentlich ausgefallen ist. Wenn die Metall- und Elektroindustrie ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit erhalten will, dürfen jetzt nicht an anderer Stelle neue Belastungen auf sie zukommen.“

Enorme Kosten für Entleihfirmen

Für die Entleihfirmen bedeutet die Neuregelung enorme Mehrkosten, denn die Zeitarbeitsfirmen haben bereits angekündigt, dass sie die Mehrkosten an ihre Kunden weitergeben und außerdem noch einen weiteren Zuschlag nehmen werden. Allein für eine kostendeckende Kalkulation müssten die Lohnzuschläge demnach„mindestens mit dem Faktor 1,5 an den Kunden weitergegeben werden. Schließlich müssen wir als vollwertige Arbeitgeber Sozialabgaben leisten, Kosten für Urlaub und Krankheit einkalkulieren und die Mitarbeiter in einsatzfreien Zeiten weiter bezahlen“,erklärte Thomas Bäumer, Vizepräsident des Arbeitgeberverbandes der Zeitarbeit (BAP) gegenüber der Financial Times Deutschland.

Ungleichheit bleibt

Weitere Kritik an der Neuregelung richtet sich gegen die Tatsache, dass sie derzeit nur auf eine Branche begrenzt ist. Zeitarbeitsexperte und Rechtsanwalt Jörg Hennig erklärte dazu: „So paradox sich das anhört, aber durch die Branchentarifverträge wird das Lohngefälle innerhalb der Zeitarbeitsbelegschaft sogar deutlich stärker.“ So erhält ein Zeitarbeiter in der Metallbranche künftig nach dem neunten Monat einen Lohnzuschlag von 50 Prozent, während ein Zeitarbeiter in der Lebensmittelbranche leer ausgeht – unabhängig von der Qualifizierung der Arbeiter.„Der Lohn hängt also häufig vom Zufall ab, in welcher Branche man eingesetzt wird“, so Hennig.„Eine einheitliche Equal-pay-Regelung auf Bundesebene wäre sinnvoller.“