Dienstag, 24.06.2014
Bosch hat 100 zusätzliche technisch-gewerbliche Ausbildungsplätze für Jugendliche aus Südeuropa eingerichtet.

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Bosch hat 100 zusätzliche technisch-gewerbliche Ausbildungsplätze für Jugendliche aus Südeuropa eingerichtet.

Personal
Nicht Fachkräftemangel, sondern Verantwortung

100 Ausbildungsplätze für junge Südeuropäer

Der Koch aus dem Baskenland, der nach Norwegen zieht, um dort in einem spanischen Restaurant zu arbeiten, ist längst kein Einzelfall mehr. Die hohe Arbeitslosigkeit in Südeuropa treibt die Jugend ins Ausland, wo sie sich bessere Chancen erhofft – und diese auch bekommt: zum Beispiel mit einer Ausbildung bei Bosch.

Die hohe Jugendarbeitslosigkeit in Spanien kann man in deutschen Großstädten bereits seit längerem hören. Auf Berlins Straßen etwa schnappt man immer wieder spanische Gesprächsfetzen auf – und zwar nicht von Touristengruppen, sondern jungen Erwachsenen, die dort leben und arbeiten. Bei einer Jugendarbeitslosigkeit von über 50 Prozent kehren sie Spanien den Rücken und versuchen ihr Glück anderswo.

Bosch hat das Problem erkannt und 100 zusätzliche technisch-gewerbliche Ausbildungsplätze für Jugendliche aus Südeuropa eingerichtet. 50 junge Spanier können im September ihre Lehre in Deutschland beginnen. Für weitere 50 Auszubildende stehen zusätzliche Plätze in ihren Heimatländern Spanien, Portugal und Italien zur Verfügung. 7,5 Millionen Euro kostet den Konzern das über die nächsten vier Jahre.

50 Spanier werden Azubis in Deutschland

Doch wer denkt, dass Bosch dies tut, weil deutsche Bewerber rar werden, irrt. „Es geht nicht um Fachkräftemangel“, stellt Sven Kahn aus der Presseabteilung von Bosch klar. An Nachwuchs mangelt es Bosch nicht. Für die etwa 1.400-1.500 Ausbildungsplätze im Jahr gehen rund 20.000 Bewerbungen ein. Die Verträge werden in der Regel bereits ein Jahr im Voraus geschlossen. Motiv für die 100 zusätzlichen Ausbildungsplätze für Südeuropäer ist vielmehr die soziale Verantwortung, in der sich das Stiftungsunternehmen sieht. Dr. Volkmar Denner, Vorsitzender der Geschäftsführung der Robert Bosch GmbH, erläutert: „Die Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit in Europa ist eine gemeinsame Aufgabe für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Alle Akteure tragen gleichermaßen Verantwortung, auch Bosch. Wir wollen deshalb unseren Beitrag dazu leisten.“

Normalerweise fährt Bosch eine nationale Anwerbungsstrategie. Das heißt, Auszubildende werden in den Ländern angeworben, in denen ihre Ausbildung stattfindet.Doch da in Spanien die Ausbildungskapazitäten bereits erschöpft waren, hat der Konzern zusätzliche Kapazitäten geschaffen. Und  zwar in Deutschland, wo das duale Ausbildungswesen Standard ist: „Wir wollen unsere langjährige Erfahrung in der Ausbildung junger Menschen einbringen, um einen Beitrag gegen die Jugendarbeitslosigkeit in Südeuropa zu leisten“, betont Christoph Kübel, Geschäftsführer und Arbeitsdirektor der Robert Bosch GmbH.

Zahlreiche Integrationshilfen

Um den 50 jungen Spaniern den Einstieg zu erleichtern, haben sie ihre Ausbildungsbetreuer bereits kennengelernt. Ein Praktikum im Vorfeld des offiziellen Beginns ihrer Ausbildung und Sprachkurse gehören außerdem zum „Eingliederungspaket“. An den 16 Ausbildungsorten in Bayern und Baden-Württemberg werden zudem Bosch-Mitarbeiter Patenschaften für die Spanier übernehmen, um ihnen die Integration zu erleichtern. Bis sie dann in dreieinhalb Jahren nicht nur ihren IHK-Abschluss als Industrie-, Zerspanungs-, Anlagenmechaniker oder Mechatroniker in der Hand halten, sondern auch um Lebenserfahrung reicher sind. Und damit gute Chancen auf dem europäischen Arbeitsmarkt haben.

Info

Fünf Webportale, die bei der Rekrutierung, Anerkennung der Abschlüsse und Integration von Fachkräften helfen:

Anabin: Die Datenbank dokumentiert die Bildungssysteme von etwa 180 Staaten. Hier kann die Wertigkeit einer ausländischen Hochschulqualifikation festgestellt werden, mitsamt genauer Abschlussbezeichnung, Beschreibung des Studiums sowie den Voraussetzungen, die im Heimatland zur Aufnahme des Studiums gelten. Zusätzlich gibt es die Möglichkeit, herauszufinden, wie der betreffende Studienabschluss in das deutsche Bildungssystem eingeordnet werden kann. anabin.kmk.org

BQ Portal: Die Webseite unterstützt Unternehmen bei der Einschätzung im Ausland erworbener Berufsabschlüsse. In einzelnen Rubriken werden die Themen „Internationale Fachkräfte finden“, „Ausländische Qualifikationen einschätzen“, „Internationale Fachkräfte integrieren“ sowie „Vielfalt und Willkommenskultur“ erläutert.
www.bq-portal.de


Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung: Auf dieser Webseite werden Themen rund um die Fachkräfterekrutierung behandelt, Handlungsanleitungen gegeben und Fragen aus dem gesamten Fachkräftespektrum abgedeckt. www.kompetenzzentrum-fachkraeftesicherung.de

Make it in Germany: Dieses Rundumpaket für Fachkräfte ist eine Willkommensseite, auf der sich Fachkräfte bereits vorab und wenn sie dann hier sind umfassend über Themen wie Jobsuche, Visum, Umzug, Einleben und Familie in Deutschland informieren können. Hier findet man Quick Checks, Verweise zu anderen Seiten sowie Aktuelles. www.make-it-in-germany.com

Anerkennung in Deutschland.de: Neben Informationen zum Thema Anerkennung ausländischer Abschlüsse in Deutschland wird man auf einen Beratungsdienst verwiesen. Dort helfen Lotsen, Referenzberufe zu finden, und verweisen auf IQ-Netzwerke (Integration durch Qualifizierung), die sich mit regionalen Gesetzeslagen auskennen. www.anerkennung-in-deutschland.de

Quelle: Markt und Mittelstand

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