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Ausbildungsmarkt 2025: Bayerns Metall- und Elektroindustrie kämpft mit Bewerbermangel

| Bertram Brossardt

Bayerns Metall- und Elektroindustrie verzeichnet 2025 weniger Ausbildungsverträge – trotz hoher Übernahmequote und attraktiver Vergütung.

Geschickter Meister erklärt ein Werkstück seinem Lehrling oder Praktikanten
Meister und Lehrling im Gespräch: Trotz attraktiver Konditionen finden Bayerns Metall- und Elektro-Betriebe zu wenige Auszubildende. (Foto: shutterstock)

07.09.2025 Markt und Mittelstand  - von Bertram Brossardt 

Die aktuelle Konjunktur- und Strukturkrise wirkt sich dämpfend auf den Ausbildungsmarkt aus. Zugleich haben Unternehmen Schwierigkeiten, ausreichend passende Bewerber für offene Ausbildungsstellen zu finden. Das sind die zentralen Ergebnisse unserer aktuellen Umfrage unter den Bayme VBM Mitgliedsunternehmen. 

Die Chancen für junge Menschen, einen Ausbildungsplatz zu finden, waren selten so gut wie heute. So stehen jedem Suchenden in Bayern 1,5 offene Ausbildungsstellen gegenüber. Für die Unternehmen gestaltet sich die Besetzung ihrer Ausbildungsstellen jedoch immer schwieriger. Häufig mangelt es nicht nur an der Anzahl der Bewerber, sondern auch an passender Qualifikation. Es besteht ein Mismatch – es fehlt an geeigneten Bewerbern für den jeweiligen Ausbildungsplatz. Dies beklagen fast 60 Prozent der befragten Unternehmen. 

2025 verzeichnet die bayerische Metall- und Elektroindustrie bei der Zahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge den zweiten Rückgang in Folge: Nach einem Minus von zwei Prozent im vergangenen Jahr sank die Zahl der Ausbildungsverträge um 3,8 Prozent auf knapp 14.500. 

Neben dem Bewerbermangel belastet auch die aktuelle wirtschaftliche Lage den Ausbildungsmarkt. Ein knappes Drittel der Betriebe nennt die konjunkturelle Unsicherheit als Hauptgrund für die Zurückhaltung bei den Ausbildungsplätzen. Alarmierend ist: Dieser Wert hat sich seit dem vergangenen Jahr vervierfacht. 

Jetzt darf man nicht nachlassen

Die neue schwarz-rote Bundesregierung hat gezeigt, dass sie es ernst meint mit der Wirtschaftswende. Jetzt darf sie nicht nachlassen. Dann wird sich die bessere Stimmung auch in den Zahlen auf dem Ausbildungsmarkt niederschlagen. 

Dessen ungeachtet bemühen sich die Unternehmen der bayerischen Metall- und Elektroindustrie intensiv um Nachwuchs. Für sie bleibt es herausfordernd, dass den Jugendlichen auch andere Wege offenstehen, beispielsweise ein Studium. Das Ausbildungsniveau bleibt dennoch hoch und rund drei Viertel der Unternehmen bilden weiter nach Bedarf aus. Das zeigt: Die bayerische Metall- und Elektroindustrie bietet jungen Menschen unabhängig von der aktuell angespannten Lage starke und stabile Perspektiven – so auch mit einer attraktiven tariflichen Ausbildungsvergütung von durchschnittlich 1347 Euro über die Ausbildungszeit hinweg. Die gute Perspektive offenbart auch die konstant hohe Übernahmequote: Mehr als 90 Prozent der Auszubildenden werden befristet oder unbefristet übernommen. 

Der hohe Übernahmewille zeigt das große Interesse der Unternehmen, ihre Auszubildenden an sich zu binden. Denn die Nachwuchsgewinnung bleibt für die Unternehmen mittel- und langfristig eine der größten Herausforderungen. Wir als Verbände unterstützen die Unternehmen mit zahlreichen Projekten zur Berufs- und Studienorientierung. Wir wollen die Jugendlichen früh auf ihre vielfältigen beruflichen Möglichkeiten aufmerksam machen und ein Matching zwischen Betrieb und Auszubildendem erleichtern. 

Klar ist: Die berufliche Bildung leistet einen ­elementaren Beitrag zum Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit der bayerischen Wirtschaft. Die duale Ausbildung bleibt für Jugendliche ein bewährter Weg in eine gute Zukunft mit hervorragenden Perspektiven.

 

Der Artikel erschien in der Print-Ausgabe Nr. 7 (September 2025) von Markt und Mittelstand.

Der Autor

Bertram Brossardt ist Hauptgeschäftsführer der bayerischen Metall- und Elektroarbeitgeberverbände Bayme VBM sowie der VBW – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V. 

zu baym vbm

Ausbildungsmarkt Bayern 2025 – Fakten für den Mittelstand

  • Offene Stellen vs. Bewerber: Auf jeden Bewerber kommen 1,5 Ausbildungsplätze – dennoch fehlen passende Kandidaten.

  • Rückgang der Verträge: 2025 minus 3,8 % – nur noch rund 14.500 neue Ausbildungsverträge in der Metall- und Elektroindustrie.

  • Gründe für Rückgang:

    • 60 % der Unternehmen klagen über Mismatch bei Qualifikation

    • 30 % nennen konjunkturelle Unsicherheit als Haupthemmnis (viermal mehr als 2024).

  • Attraktive Bedingungen: Durchschnittliche tarifliche Ausbildungsvergütung 1.347 € pro Monat über die gesamte Ausbildungszeit.

  • Übernahmequote: Mehr als 90 % der Auszubildenden werden in den Betrieben weiterbeschäftigt.

  • Perspektive: Duales System bleibt zentrales Fundament für Wettbewerbsfähigkeit und Fachkräftesicherung.

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