Mittwoch, 14.04.2021

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Auszubildende sind hin und her gerissen: Sie wünschen sich einen sicheren Arbeitsplatz, sind in ihrem Ausbildungsbetrieb aber häufig nicht zufrieden.

Personal
Ausbildungsreport

Auszubildende werden immer unzufriedener

Ein neuer Report zeigt, dass immer weniger Unternehmen ihre Azubis nach der Ausbildung im Unternehmen halten können - obwohl denen ein sicherer Arbeitsplatz immer wichtiger wird. Wie geht es besser?

Das sind traurige Nachrichten für Ausbildungsbetriebe: Für 69 Prozent der Azubis ist ein sicherer Arbeitsplatz der größte Wunsch für die Zukunft. Aber nur elf Prozent von ihnen wollen nach dem Abschluss im Betrieb bleiben. Ihre Zufriedenheit sinkt mit jedem Ausbildungsjahr. Besorgniserregend könnte man auch die fehlende Bindung der Azubis an ihre Arbeitgeber nennen. Die Weiterempfehlungswahrscheinlichkeit sinkt von 76 Prozent im ersten Ausbildungsjahr auf 47 Prozent im vierten Jahr.

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Zugleich sehen wegen der Corona-Krise viele übernahmefreudige junge Leute diese Chance in Gefahr. So schätzen 20 Prozent von ihnen im dritten Ausbildungsjahr und 29 Prozent im vierten Ausbildungsjahr ihre Übernahmechancen als schlechter als zuvor ein.

Felix von Zittwitz, Herausgeber des azubi.reports, warnt aber vor falschen Rückschlüssen: "Wir können diese Unzufriedenheit mit der Ausbildung nicht ausschließlich auf die Krise abwälzen. Das scheint ein langfristiges Problem zu werden, wie wir beim Vergleich über die Jahre feststellen."

An wem liegt's?

Einerseits klagen viele Ausbildungsbetriebe über zu hohe Ansprüche und zu wenig Leistungsbereitschaft mancher Azubis. Andererseits beklagen die jungen Frauen und Männer aber mangelnden Respekt und fehlende Unterstützung von der Arbeitgeberseite. Geben im ersten Jahr acht Prozent der Auszubildenden an, keinen ausreichenden Respekt für ihre geleistete Arbeit zu bekommen, sind es im vierten Jahr 26 Prozent. Ebenso nimmt das Gefühl, ausreichend Unterstützung zu erhalten, ab: Im ersten Lehrjahr geben das 68 Prozent an. Dem stimmen nur noch 42 Prozent im vierten Lehrjahr zu.

Die Unternehmen müssen sich in der Konkurrenz untereinander mehr anstrengen als früher, um sich gute Bewerber und Bewerberinnen zu sichern. Für die Hälfte der Suchenden des azubi.reports waren weniger als fünf Bewerbungen notwendig. Und es geht schneller: Lag die durchschnittliche Dauer des Bewerbungsprozesses vom Absenden der Bewerbung bis zur Zusage 2018 im Schnitt noch bei drei Monaten, haben 45 Prozent der Suchenden heute bereits in weniger als vier Wochen ihre Zusage in der Tasche.

Worauf es jetzt für Unternehmen ankommt

Wer schnell, transparent und direkt agiert, ist gerade in Corona-Zeiten im Vorteil. Denn fast jeder Dritte der Befragten gibt an, dem schnellsten Unternehmen den Zuspruch zu geben. Und: Der Online-Bewerbungsprozess muss so einfach wie machbar gestaltet werden. Das spricht zwar nicht unbedingt für die Online-Kompetenz der Generation Handy, aber so sind die Tatsachen. Denn jeder zweite Kandidat hat seine Online-Bewerbung abgebrochen. 19 Prozent fanden sie zu kompliziert, 18 Prozent konnten ihre Unterlagen nicht hochladen, 12 Prozent hatten Probleme bei der Registrierung.

Von Zittwitz’ Handlungsempfehlung: "Unternehmen und Berufsschulen müssen Perspektiven bieten, klar und transparent kommunizieren sowie Wertschätzung zeigen für die geleistete Arbeit, um junge Menschen zu motivieren und Frustrationen aufzufangen". Sie sollten jetzt gemeinsame Erlebnisse - zunächst digital - schaffen, um später in der realen Welt noch stärker auf Kollaboration und Teamgeist setzen zu können. "Und wir raten Quer- und Späteinstiege zu ermöglichen, digitale Praktika durchzuführen und nicht starr an Fristen festzuhalten". New Work - das Thema gilt auch bei den Azubis.

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