Freitag, 29.11.2013
Personal
Entwicklung digitaler Geschäftsmodelle – auch im Bestatterwesen

BeileidsApp spricht Kunden an

Eine Beileids-App hilft Trauernden bei der Suche nach den richtigen Worten. Die Resonanz nach der Freischaltung war beeindruckend. Ein Bestatter aus Schwerte auf neuen digitalen Wegen.

Digitale Geschäftsmodelle haben nun auch eine letzte Bastion erobert: das Bestattungshaus. Ein Bestatter aus Schwerte hat es mit der Entwicklung einer BeileidsApp direkt nach Freischaltung der APP in viele regionale Medien sowie in einige überregionale Medien wie die F.A.Z.  und das Deutschlandradio geschafft. In den ersten Tagen der Freischaltung wurde die App bereits 150-mal heruntergeladen.

Mit der App ist eine weitere digitale Aktion verknüpft: Beim Setzen eines Lesezeichens spendet das Bestattungshaus Bovensmann 20 Cent an gemeinnützige Organisationen wie die Hospiz Initiative Schwerte. Bis Weihnachten lautet das Ziel 5.000 Lesezeichen.  Mit der Freischaltung der App sind auch simultan fünf Facebook-Seiten online gestellt worden.

Geschäftsführer und Bestattermeister Sascha Bovensmann will mit seiner digitalen Geschäftsoffensive mit Menschen in Kontakt kommen, die nicht zu ihm wegen eines Trauerfalls ins Bestattungshaus kommen. „Wir wollen auch in ‚Nichtzeiten‘ etwas anbieten“, erklärt er. Deshalb hält er beispielsweise auch Vorträge über die Aspekte einer Trauervorsorge.

BeileidsApp ist betriebssystemunabhängig

Bestatter Sascha Bovensmann und eine Mitarbeiterin des Bestatterhauses.

Bestatter Sascha Bovensmann und eine Mitarbeiterin des Bestatterhauses.

Die Idee hatte zunächst banale Wurzeln: Ein Print-Kondolenzratgeber stand Pate für erste Überlegungen in Richtung Hilfestellungen anbieten für Trauernde. Als der Bestatter dann einige Zeit später von seinem IT-Administrator in einem eigenen Trauerfall auf der Suche nach den richtigen Worten angesprochen wurde, „habe ich in meinem unternehmerischen Kopf die Dinge zusammengefügt und neu vernetzt“, erklärt er.

„Sehr unbeleckt, ein bisschen naiv waren meine ersten Vorstellungen.“ Zunächst dachte er nur in Richtung einer nativen Apple-App. Als diese bereits fertig programmiert war, stieß er bei der Programmierung eines Assistenten an Grenzen. Damit musste er sich erneut auf die Suche nach einem neuen Programmierer machen, dieser machte ihn auf betriebsunabhängige Apps aufmerksam .

Oft fehlen die richtigen Worte, meint Bovensmann. Die BeileidsApp soll dabei helfen. Mit Hilfe eines Assistenten lassen sich über Textbausteine personalisierte Texte gestalten. Per Knopfdruck lassen sich diese direkt per Email versenden – auch dies ein Zugeständnis an die junge Generation. „Ich hatte mir das ursprünglich so vorgestellt, dass die Texte abgeschrieben werden“, sagt Bovensmann.

Digitale Geschäftsmodelle für den Nachlass

Bovensmann denkt auch über eine Ausweitung seines digitalen Geschäftsfeldes nach. „Es gibt bereits heute digitale Nachlassdienste für verstorbene Personen“, erklärt er. Diese nehmen sich der digitalen Spuren von Verstorbenen an, wie PayPal-Konten oder Facebook Accounts. Er könne sich durchaus eine Zusammenarbeit mit solchen Diensten vorstellen.

Nicht gangbar ist für ihn der Weg über Preisvergleichsportale, die eher aus der Tourismusbranche bekannt sind. Auch diese sind bereits im Bestattungswesen entstanden und drücken die Preise. Bovensmann schätzt, dass bereits jeder dritte Bestatter auch über solche Portale seine Dienste anbietet. „Aber da spricht niemand so wirklich drüber.“