Samstag, 15.12.2012
Personal

Betriebliche Altersvorsorge: „Viele Unternehmen trauen sich nicht.“

Der Mittelstand scheut sich seinen Mitarbeitern betriebliche Altersversorgungsmodelle anzubieten, zu aufwändig, zu teuer. Wer passgenau Ideen entwickelt, kann die Fachkräfte nicht nur für das Rentenalter absichern, sondern sie auch langfristig an das Unternehmen binden.

MuM: Um sich für das Alter abzusichern, wird die betriebliche Altersversorgung immer wichtiger. Konzerne bieten ihren Mitarbeitern schon Sparmodelle an. Wie ist die Situation im Mittelstand?
Rudolf Kast: Die Frage ist schnell beantwortet: die Situation ist aus meiner Sicht völlig unzureichend. Viele Mittelständler ziehen sich eher aus der betrieblichen Altersversorgung zurück, als dass sie ihren Mitarbeitern Instrumente anbieten.

MuM: Was sind die Gründe dafür?
Kast: Es sind die Unsicherheit und die Unkenntnis. Viele Unternehmen beschäftigen sich nicht mit dem Thema und wissen gar nicht welche Möglichkeiten es überhaupt gibt. Andere wiederum trauen sich nicht die betriebliche Altersversorgung anzubieten, weil sie glauben, es sei zu kompliziert oder weil sie die Finanzierung fürchten.

MuM: Ist diese Furcht berechtigt?
Kast: Ich denke nicht. Auch die betriebliche Altersfürsorge kann an den Erfolg des Unternehmens gekoppelt werden. Bietet eine Unternehmen seinen Mitarbeitern an einen Betrag X der betrieblichen Altersvorsorge zuzusteuern, wenn der Mitarbeiter den gleichen Betrag anspart, dann kann der Jahresgesamtbetrag gedeckelt werden. Das schafft Planungssicherheit. Gleichzeitig können Unternehmen aber auch vereinbaren, dass der Betrag nur im Fall eines wirtschaftlich erfolgreichen Jahres in die Vorsorge einbezahlt wird.

MuM: Welche Möglichkeiten gibt es?
Kast: Es gibt zahlreiche. Unternehmen können hier durchaus kreativ sein. Wer die Zahlungsströme an die Mitarbeiter analysiert, kann schnell feststellen, welchen Betrag ein Mitarbeiter überhaupt ansparen kann und wann diese sinnvoll ist. Im Mittelstand sind Sonderzahlungen und Gewinnbeteiligungen am Ende des Jahres üblich. Der Bruttoanteil ist hier besonders hoch. So könnte es für den Mitarbeiter sehr lukrativ sein genau diesen Betrag für das Alter zurückzulegen, denn bei der Altersvorsorge gilt Brutto für Netto. Der Betrag kann also ohne Abzüge angespart werden.

MuM: Was, wenn es keine Sonderzahlung gibt?
Kast: Dann ist es vielleicht interessant dem Mitarbeiter mit einer 40-Stunden-Woche nur tatsächlich 35 Stunden auszubezahlen. 2,5 Stunden werden direkt vom Lohn angespart und 2,5 Stunden werden dem Zeitarbeitskonto gut geschrieben.

MuM: Gibt es auch einen Vorteil für das Unternehmen?  
Kast: Mit individuell ausgearbeiteten Altersversorgungskonzepten können sich Unternehmen ein Alleinstellungsmerkmal erarbeiten. Dieses macht sie als Arbeitgeber interessant. Eine Studie hat ergeben, dass für Mitarbeiter die Altersversorgung als Nebenleistung am wichtigsten ist. Auf Platz 2 kommt erst das Auto. Die Kinderversorgung liegt auf dem dritten Rang. Altersversorgung ist also ein Instrument zur Mitarbeiterbindung.

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