Mittwoch, 04.09.2013
Die Lufthansa muss ihre Betriebsrenten kürzen – Streit mit den Gewerkschaften ist vorprogrammiert.

Lufthansa

Die Lufthansa muss ihre Betriebsrenten kürzen – Streit mit den Gewerkschaften ist vorprogrammiert.

Personal
Lufthansa mit Gewerkschaften im Clinch

Betriebsrente wird zur Belastung

Eine wachsende Finanzierungslücke und steigende Kosten. Die Lufthansa muss ihre Betriebsrenten kürzen und auch mittelständische Unternehmen in Deutschland stehen vor Problemen bei der betrieblichen Altersvorsorge.

Die Lufthansa muss die Betriebsrenten ihrer 60.000 Mitarbeiter in Deutschland kürzen. Das kündigte das Unternehmen am Montag an. Wie Paul Gerber, Personalvorstand des Lufthansa Passagiergeschäfts erklärte, ist das derzeitige Niveau der betrieblichen Altersversorgung und der Übergangsleistungen für Mitarbeiter, die bereits vor dem Rentenalter ausscheiden, nicht mehr finanzierbar.

Vor allem das niedrige Zinsumfeld macht der Rentenkasse des Unternehmens zu schaffen. Angesichts der gleichzeitig immer weiter steigenden Lebenserwartung der Mitarbeiter erwirtschaftet die Rentenkasse inzwischen nicht mehr genug Rendite, um die steigenden Kosten zu decken. „Es gibt aus unserer Sicht Handlungsbedarf, wir müssen die Versorgung modernisieren“, so Gerber. Er verwies gleichzeitig darauf, dass ähnliche Schritte bereits bei rund 60 Prozent der Dax-Unternehmen durchgeführt wurden, und die Aufwendungen der Lufthansa darüber hinaus im Schnitt zwei bis drei Mal so hoch seien wie der Dax-Durchschnitt.

Gewerkschaften wollen um Betriebsrente kämpfen

Für die Lufthansa-Mitarbeiter bedeutet dieser Schritt, dass ihre entsprechenden Verträge zum Ende des Jahres gekündigt werden sollen. In anschließenden Verhandlungen soll nach einer Alternativlösung gesucht werden, Kernpunkt der Lufthansa ist hierbei der Verzicht auf garantierte Zinsen bei der Betriebsrente. Die Gewerkschaften haben bereits angekündigt, den Plänen nicht zustimmen zu wollen. „Da geht es ans Eingemachte, da sind keine Kompromisse möglich“, erklärte Nicoley Baublies, Chef der Flugbegleiter Gewerkschaft Ufo. Man sei Lufthansa bereits in vielen Punkten entgegengekommen, das Ende der Fahnenstange sei nun erreicht.

Sollte es nicht zu einer Einigung kommen, will die Lufthansa auf die Änderungen verzichten: „Wenn wir uns mit den Gewerkschaften nicht einigen, ändert sich wegen der Nachwirkung der alten Tarifregeln gar nichts“, so Gerber. Den Schaden hätten in diesem Fall allerdings neue Mitarbeiter: Sie würden nach den Plänen der Lufthansa dann künftig gar keine Betriebsrente mehr erhalten.

Betriebsrenten im Mittelstand gefährdet

Doch nicht nur Dax-Konzerne sind von den Problemen mit der Betriebsrente betroffen. Auch mittelständische Unternehmen müssen ihre Strategien anpassen. Wie aus der aktuellen Studie „Betriebliche Altersversorgung im Mittelstand 2013“, die das F.A.Z.-Institut gemeinsam mit der Generali Versicherung veröffentlicht hat, hervorgeht, verfügt derzeit rund ein Drittel aller mittelständischen Unternehmen über eine arbeitgeberfinanzierte Betriebsrente. Für die Studie wurden insgesamt 100 Personalverantwortliche in mittelständischen Betrieben mit 50 bis 500 Mitarbeitern befragt. Auffällig war dabei vor allem, dass die Verbreitung der Betriebsrenten seit der letzten Erhebung im Jahr 2012 zurückgegangen ist. Innerhalb der Unternehmen fällt außerdem eine ungleiche Verbreitung der Betriebsrenten auf: Bei den normalen Beschäftigten liegt die Teilnahmequote demnach bei 40,5 Prozent, im Topmanagement bei 62,9 Prozent und im mittleren Management bei 50 Prozent. Auch die Betriebsgröße hat demnach einen Einfluss auf die Verbreitung von Betriebsrenten: Kleinere Unternehmen mit 50 bis unter 100 Mitarbeitern weisen die geringste Nachfrage auf, Unternehmen mit 250 bis 500 Mitarbeitern die höchste.

Für die mittelständischen Unternehmen, die eine Betriebsrente anbieten, könnten sich schon bald ähnliche Probleme auftun wie für die Lufthansa. Bereits im Jahr 2011 hatte eine Studie des Beratungs- und Dienstleistungsunternehmens Longial ergeben, dass 62 Prozent der Befragten Unternehmen ihre bestehenden Verträge nicht regelmäßig auf Effizienz und Kostenersparnis überprüften. Hinzu kam, dass mehr als die Hälfte der Befragten nicht der Ansicht war, ihre Verträge flexibel an die aktuelle Unternehmenssituation anpassen zu können.