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Büromonster im Büroalltag: Wie man schwierige Kollegen erkennt und zähmt

| Markt und Mittelstand / red. | Lesezeit: 5 Min.

Im Arbeitsalltag gibt es Menschen, die einem das Leben zur Hölle machen. Welche Typen zwischen Teeküche und Laptop auftauchen und wie man sie zähmt.

Typische Büromonster lauern zwischen Teeküche, Laptop und Meetingraum – oft harmlos getarnt, aber hochwirksam. (Foto: Murmann Publishers)

Schon nicht einfach, so ein Tag im Büro. Die Arbeit ist nicht unbedingt das Problem – viel zu tun, dafür ist man ja da. Aber die Kollegen! Die können den Tag schon richtig schwer machen. Was bisher meist nur ein Gefühl ist, haben Martin J. Eppler und Andri Hinnen im Buch „Büromonster“ zusammengetragen und gleich noch ein paar Hinweise, wie sich damit umgehen lässt.

Der „Überlebensratgeber für den täglichen Arbeitswahnsinn“ ist angenehm zu lesen, launig und bei allem auch nützlich. Eppler ist Professor für Management und Kommunikation an der Universität St. Gallen in der Schweiz, Hinnen hat die Beratungsfirma und Kreativagentur Zense – Reframing Complexity gegründet. Wir dokumentieren einige ihrer Typen mit einem kurzen Auszug des Originaltextes. 

Der Ja-Yeti

Ja-Yetis bringen dich dazu, „Ja“ zu sagen – zu neuen Aufgaben, kleinen Gefälligkeiten oder einem „kurzen Blick“ auf den 50-seitigen Bericht deiner Chefin. Und so sagst „Ja“ hier, „Ja“ da, „Ja“ zur völligen Überforderung. Plötzlich versinkst du bis zur Nasenspitze in Aufgaben. 

Wie du ihn zähmst: Job kündigen, Identität wechseln oder dich für ein Sabbatical in einer Berghütte anmelden. Aber willst du wirklich so weit gehen? Besser ist es, deinen Ja-Yeti früh in seine Schranken zu weisen. Beim nächsten Mal, wenn jemand mit einer Aufgabe auf dich zukommt, atme tief durch und frage dich: Muss mich das wirklich kümmern? Falls nicht, dann ist es Zeit für den ultimativen Zauberspruch: das freundliche „Nein“. „Ich würde wirklich gerne helfen. Aber ehrlich gesagt bin ich völlig überlastet und habe gerade nicht die Zeit, mich so um diese Aufgabe zu kümmern, wie sie es verdient.“ 

Der ahnungslose Oger

Ahnungslose Oger vergessen oft, wer sie wirklich sind. Sie leiden unter dem, was Zauberer als „Illusion des Wissens“ bezeichnen. Oger glauben, sie wüssten alles über das, was sie tun, und lieben es, andere zu belehren. Doch ihr Wissen ist bestenfalls ein Flickenteppich aus Halbwahrheiten, Fehlschlüssen und oberflächlichen Erkenntnissen. 

Wie du ihn zähmst: Es einen einfachen und einen schwierigen Weg. Der einfache besteht darin, den Oger in einen Käfig zu sperren und ihn daran zu hindern, Schaden anzurichten. Doch das wäre eine Verschwendung von Motivation und Energie. Daher die zweite Möglichkeit: den Oger eines Besseren belehren. Der Trick liegt darin, die Neugier des Ogers durch eine Reihe von Fragen zu wecken. 

Das Meeting-Monster

Was war die größte Errungenschaft der Ritter der Tafelrunde? Sir Lancelots Fähigkeit, seine Truppe extravaganter, launischer, zerstreuter Hitzköpfe an einem Tisch zu versammeln und geordnete, zielgerichtete Meetings zu führen? Schlecht geführte Meetings sind nicht nur eine Ressourcenverschwendung, sie stiften bei den Teilnehmenden auch Frustration und sorgen so für schädliche und korrosive Energien im Unternehmen. 

Wie du es zähmst: Ein wichtiger Teil einer effektiven Meeting-Kultur ist es, die Teilnehmenden genau zu kennen und zu wissen, wie du mit ihnen umgehst. Der Redeschwall-Riese, den Detail-Dämon, die Multitask-Medusa, der Dominanz-Drache. Stelle deshalb sicher, dass du gut vorbereitet bist, und auch die anderen Teilnehmenden müssen auf das Meeting eingestimmt werden. Hier helfen sogenannte Nudges – subtile Strukturen und Techniken, die das Verhalten von Menschen (oftmals unbemerkt) lenken. Zum Beispiel ein Meetingraum ohne Stühle. Oder die Blitzrunde. Bitte die Teilnehmenden am Anfang, ein kurzes Statement zum Thema des Meetings vorzubereiten (am besten schriftlich) und vorzutragen. 

Der Energievampir

Er saugt dir jegliche Begeisterung, gute Laune und Energie aus, indem er dich unter toxischen Themen, permanentem Pessimismus und beharrlichen Beschwerden begräbt. Sie wandeln unter uns in Form von toxischen Vorgesetzten, neidischen Kollegen oder fatalistischen Untergebenen. 

Wie du ihn zähmst: Entscheidend ist, Energievampiren zu signalisieren, dass ihre Nähe unerwünscht ist. Reduziere Interaktionen und vermittle klare verbale und nonverbale Signale, dass gewisse Gesprächsthemen oder Kommentare unerwünscht sind. Und gib ihnen keinen Treibstoff. Reagiere nicht auf ihre Kommentare oder Provokationen, beteilige dich nicht an ihren negativen Gesprächsthemen und stelle ihnen keine Folgefragen. In seltenen Fällen kannst du Energievampire heilen. Nutze Charme, Witz und Ironie als Werkzeuge. 

Der Corporate-Zyklop

Der Effizienz-Zyklop: Alles, was sie im (einen) Auge behalten, sind schlanke Prozesse und tiefe Kosten. Der Gedanke, dass man Geld ausgeben muss, um welches zu verdienen, bringt ihr auf Sparsamkeit getrimmtes Hirn tagtäglich an den Rand des Systemabsturzes. Der Tech-Zyklop ist so fokussiert auf neueste Produkt-Features, dass er seine Höhle niemals verlassen würde, um über die wahren Bedürfnisse der Kunden nachzudenken. Der Experten-Zyklop ist überzeugt: Ihre Expertise ist alles, was zählt. Der Branding-Zyklop sieht nur Farben, Logos und Schriftarten und verwechselt Einheitlichkeit mit Exzellenz. Relevanz? 

Wie du ihn zähmst: Mit der Größe eines Unternehmens kommt die Arbeitsteilung. Und Arbeitsteilung macht es für alle schwierig, das große Ganze im Blick zu behalten. Fördere aktiv eine Vielzahl verschiedener, sogar widersprüchlicher Rationalitäten. Stelle sicher, dass jeder über alle Rationalitäten Bescheid weiß. Kommuniziere das dreidimensionale Gesamtbild und informiere, wer wie und wo beitragen darf. 

Der Groupthink-Goblin

Der Alltag von Projektmanagern zeigt: Die Begeisterung des Teams lässt nach. Stöhnen. Zweifelhafte Blicke. Einer nennt dich einen Worry-Werwolf. Das tut weh. Und plötzlich wird dir alles klar. Wie konntest du nur so blind sein? Dein gesamtes Team ist eine Armee von Groupthink-Goblins! 

Wie du ihn zähmst: Je nachdem, ob du eine Führungskraft oder ein Teammitglied bist, bietet sie dir zwei verschiedene Strategien. Bist du jemand, der sich mit Ja-Sagern umgibt? Oder bist du bereit, Widerspruch und Konflikte zuzulassen – auf die Gefahr hin, deinen eigenen Stand zu gefährden? Wenn Ersteres der Fall ist, bist du wahrscheinlich gerade dabei, eine Horde bösartiger Groupthink-Goblins zu züchten. Schaffe sichere Räume, in denen jeder seine Meinung äußern kann. Frage sie zum Beispiel einzeln – und ­möglichst anonym –, bevor sie die Chance haben, die Meinungen ihrer Mitgoblins zu hören. 

Die Widerstands-Nager

Egal ob Einführung einer neuen Software, Fusion zweier Abteilungen oder Geschäftsmodell-Pivot: Wo immer ein Change-Projekt Fahrt aufnehmen will, taucht früher oder später ein Rudel widerlicher Widerstands-Nager auf und nistet sich im kollektiven (Un-)Bewusstsein der Belegschaft ein. Die Eigennutz-Nager, die Ich-widerspreche-Nager, die Misstrauens-Nager und die Panik-Nager. 

Wie du sie zähmst: Verzichte auf Drohungen. Sie erzeugen Widerstand, nicht Zustimmung – ganz gleich, wie überzeugend dein Vorhaben sein mag. Vermeide Formulierungen wie „du musst“ oder „du solltest“. Betone jene Aspekte deiner Veränderung, die Handlungsspielraum und Wahlfreiheit eröffnen. Vermeide es hingegen, Einschränkungen oder Zwänge unnötig hervorzuheben. Stelle die Beziehung zwischen Sender und Empfänger in den Mittelpunkt: Wir sitzen im selben Boot. Verzichte auf Verallgemeinerungen und stereotype Zuschreibungen. Bewege dich flexibel zwischen konkreten Beispielen und abstrakten Konzepten. 

Der Projekt-Zombie

Jedes Projekt hat ein Ablaufdatum. Projekt-Zombies – in gewissen, elitären Kreisen auch Zombie-Projekte genannt – sind offiziell tot, aber leider nicht wirklich. Vielleicht wurde das CRM-System installiert, doch das Nachspiel voller Fehler und Frust hat sich wie ein Virus durch das Unternehmen gefressen. Sie blockieren Ressourcen, bremsen andere Vorhaben aus und sorgen für Frust und Unlust. 

Wie du ihn zähmst: Vorbeugen ist das Beste. Schließe Projekte ordentlich ab. Dokumentiere ordentlich. Kommuniziere mit allen Beteiligten. Kläre offene Punkte aktiv – besonders bei Softwareprojekten. Ganz gleich, ob das Projekt ein Erfolg war oder ein Desaster: Gib ihm ein ordentliches Begräbnis. Identifiziere, wohin der Zombie entwischen oder weiterbeißen könnte. 

Der Tyrannosaurox Tox

Der unangefochtene König unter den Kollegen-Monstern. Er schlägt gegen jeden aus, der seine Autorität infrage stellt. Menschen sind für ihn nichts weiter als Spielfiguren auf seinem Schachbrett. Als meisterhafter Taktiker lässt er sich nicht so leicht in die Enge treiben. Er lässt sich nicht in eine Herde einfügen. Er hält sich für unbesiegbar. Der toxische T-Rex ist an drei dunklen Eigenschaften zu erkennen: Machiavellismus, Narzissmus und Psychopathie. 

Wie du ihn zähmst: Am besten hält man sich vom toxischen Tyrannosaurus fern. Provokation ist eine riskante Strategie. Viel besser ist es, sich mit anderen zu verbünden, um ihn in Schach zu halten. Und suche dir Rat bei einem Mentor oder einer Mentorin, um eine Strategie zu entwickeln, wie du diese schreckliche Kreatur ein für alle Mal loswirst. 

Das Präsentations-Phantom

Präsentations-Phantome erscheinen oft in Form von langen und komplizierten Folienpräsentationen, die ein verdutztes Publikum zurücklassen. Unbekannte Fremdwörter? Komplizierte Grafiken? Strukturen komplexer als ein Walfischhirn? 

Wie du es zähmst: Wann immer du eine Präsentation erlebst oder selbst eine hältst, stell dir diese Fragen, um rasiermesserscharfe Rationalität zu gewährleisten: Was muss das Publikum wirklich wissen? Was ist nötig, um den Inhalt so klar, prägnant und überzeugend wie möglich zu machen? Was ist die wichtigste Botschaft? Und wie kann sie auf einfache, anregende und einprägsame Weise vermittelt werden? Welches Problem wird in der Präsentation besprochen? Was ist der Kontext, und welche Lösungen sollen präsentiert werden? Haben wir es hier mit einer Präsentation zu tun? Oder mit einem Dokument, das die Leute selbst lesen sollen? Wenn es eine Präsentation ist: Was versteht sich von selbst und was gehört nicht auf die Folien? Sehen die Leute immer das große Ganze? Und sind alle auf dem gleichen Stand? 

Die Fomo-Krake

Diese Kreaturen aus den Tiefen deiner Psyche vernebeln dein Urteilsvermögen und trüben deine Lebensfreude. Der Legende nach entstanden die gierigen Kraken aus der kollektiven Angst der Menschheit, etwas zu verpassen (englisch: fear of missing out, kurz: Fomo). Sie sind süchtig nach Konsum, Anerkennung und allem, was einen schnellen Dopamin-Kick verspricht. Sie gieren nach Aufmerksamkeit, nach Likes und schlicht nach mehr Optionen – die sie am Ende doch nicht nutzen. Im Vergleich zu früheren Generationen entwickeln heutige Exemplare immer mehr Tentakel, um so viele Optionen, Erlebnisse und Besitztümer wie möglich zu ergreifen. 

Wie du sie zähmst: Statt zehn Dinge anzufangen und nichts zu beenden: Bleib dran! Reduziere digitale Verlockungen. Lösche so viele fomo-fördernde Apps wie möglich. Liebe dein Schicksal. Und wenn die Krake dich dennoch weiterhin in ihren Tentakeln hält? Dann tauche tiefer in die dunklen Gewässer deiner Psyche und suche nach der Ursache. 

Das Buch

von Martin Eppler (Autor), Andri Hinnen (Autor): Büromonster. Ein Survivalguide für den täglichen Wahnsinn am Arbeitsplatz, 2025 (Vrlag Murmann)

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