Dienstag, 14.07.2020
Kellermann macht‘s: Spritzgusswerkzeug für die Kunststoff-Zylinderkopfhaube eines 6-Zylinder-Benzin-Motors

Foto: Kellermann

Kellermann macht‘s: Spritzgusswerkzeug für die Kunststoff-Zylinderkopfhaube eines 6-Zylinder-Benzin-Motors

Personal
Energieefffizienz

CSR: Wie der Mittelstand nachhaltiger wird

Mehr denn je achten Mittelständler auf einen möglichst geringen Energieverbrauch. Das reduziert die Kosten des Unternehmens und ist gut für das Image. Wie KMU ihren Verbrauch effektiv senken können, zeigen drei Beispiele.

Wenn es um das Verpacken von Lebensmitteln geht, sind Kunststofffolien mittlerweile umstritten. Mit einer Ausnahme: grüne Gurken. Sie müssen vom Produzenten bis zum Kunden umhüllt bleiben, sonst verdirbt die Frischware zu schnell, stellt Maren Grondey fest. Dass sich die Geschäftsführerin eines Herstellers von Verpackungslösungen mit solchen Themen beschäftigt, leuchtet ein.

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Aber Maren Grondey geht noch einen Schritt weiter: Ihr ist daran gelegen, ihre Produkte klimaneutral herzustellen. Beim Werkstoff Kunststoff wird es schwierig, diesen Vorsatz umzusetzen. Daher ist die Mitinhaberin des Familienunternehmens Siemer Verpackungen in Ronnenberg bei Hannover pragmatisch genug, um zu erkennen: Bei bestimmten Lebensmitteln lässt sich Kunststoff nicht durch andere Produkte substituieren. Doch das Ziel für ihr eigenes Unternehmen hat sie fest im Blick. „Wir wollen klimaschädliche Emissionen möglichst komplett vermeiden“, sagt Grondey. Das 1906 von ihrem Urgroßvater gegründete Unternehmen machte 2019 mit 33 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von fünf Millionen Euro.

Saubere Verhältnisse

Zusammen mit ihrer Schwester Lauren hat Maren Grondey 2011 das Geschäft von der Mutter übernommen. Sie nennen ihr Unternehmen in der Webadresse durchaus doppeldeutig „jungeschachteln.de“ – ein Wortspiel mit dem Alter der Jungchefinnen und dem Produkt. Doch das grüne Image, das sie ihrem Unternehmen geben wollen, ist keineswegs nur Koketterie. „Klimaneutralität ist für uns keine Zukunftsvision, sondern gelebte Realität“, sagt Maren Grondey. Das gilt sowohl für die Produktion als auch für die Gebäude. So bieten die Unternehmerinnen bereits seit neun Jahren eine klimaneutrale Faltschachtelherstellung an. Seit drei Jahren ist das Unternehmen klimaneutral. Um den CO2-Ausstoß zu kompensieren, kaufen sie Klimaschutzzertifikate.

In das Nachhaltigkeitskonzept von Siemer passt auch der geringe Energieverbrauch in der gesamten Wertschöpfungskette – von der hauseigenen Entwicklung und Herstellung über die digitale Druckvorstufe, den Druck, die Veredelung und Weiterverarbeitung bis hin zu Konfektionierung und Logistik. In der Gebäudetechnik ist Energieeffizienz angesagt. Demnächst sollen die auf dem Dach installierte Photovoltaikanlage erweitert und zusätzlich noch ein Blockheizkraftwerk angeschafft werden.

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Dieser Artikel stammt aus der Juniausgabe von „Markt und Mittelstand“, die am Freitag, den 5. Juni, erschienen ist. Sie wollen die komplette Ausgabe lesen? Dann registrieren Sie sich hier kostenlos für ein E-Paper der Ausgabe.

„Die Herausforderung besteht darin, kreative Lösungen zu entwickeln, die dem Produkt, aber auch der Weiterverarbeitung und der Recycelbarkeit der Verpackung gerecht werden“, sagt Maren Grondey. Diesen Anspruch hat das Unternehmen bei den Investitionen in seine Produktionsanlage und der Gewerbeimmobilie umgesetzt. So wurde eine moderne Stanzmaschine von Bobst für 440.000 Euro angeschafft. Hinzu kamen Ausgaben in der Produktion für energieeffiziente Kompressoren mit Wärmerückgewinnung für 29.000 Euro und eine Gebäudebeleuchtung mit LED für 41.000 Euro. Zusammengerechnet sind das mehr als zehn Prozent des Jahresumsatzes – ein veritables Investment, das die Konsequenz unterstreicht, mit der die Schwestern ihren Plan zur Steigerung der Energieeffizienz und Nachhaltigkeit verfolgen.

Kein Klima

Überall dort, wo sich Ausgaben für Energie vermeiden lassen, handeln die Firmenchefinnen. So wurde nach reiflicher Überlegung darauf verzichtet, eine Klimaanlage anzuschaffen. „Für zehn oder zwanzig heiße Tage pro Jahr ist das ökonomischer und ökologischer Unsinn“, sagt Maren Grondey. Da wird dann lieber die Halle durchgelüftet. „Wir wollen das nachhaltigste Unternehmen der Branche sein“, sagt Maren Grondey. Die Kunden wissen das zu schätzen. Die Hälfte der Auftraggeber kommt aus der Biobranche.

Einen anderen Ansatz zur Energieeinsparung verfolgt Sabine Kellermann. Die Inhaberin und Geschäftsführerin von Formenbau Kellermann im oberpfälzischen Postbauer-Heng beschäftigt 20 Mitarbeiter und macht einen Umsatz von 3,5 Millionen Euro. Bei der Planung ihres 2013 errichteten Neubaus hatte die Unternehmerin freie Hand, um in Gebäude und Produktion Energie einzusparen. „Den Verbrauch von Heizenergie konnten wir um ein Drittel und Strom um ein Viertel im Vergleich zur alten Gewerbeimmobilie senken“, sagt Kellermann. Isolierende Fenster und Wände sowie LED-Leuchtmittel tragen dazu bei. Praktisch und sparsam ist bei den LED-Lampen auch, dass sich die Lichtfarbe der Beleuchtung je nach Tageszeit und Lichteinfall steuern lässt.

Im gesamten Gebäude wurde auf eine Klimaanlage verzichtet. Die Räume für die Verwaltung sind nach Norden ausgerichtet, das verhindert ein Aufheizen durch Sonneneinstrahlung. In der Produktion dagegen ist für die gleichbleibende Präzision der Werkzeugmaschinen im Formenbau, etwa für Zylinderkopfhauben aus Kunststoff, eine konstante Umgebungstemperatur von 22 Grad im Winter und 27 Grad im Sommer notwendig. Dazu ist die Abwärme der Maschinen gefragt. Ein in der Decke der Produktionshalle angebrachtes Heizungslüftungssystem saugt die aufsteigende warme Luft an, mischt sie mit einem Frischluftanteil und verteilt sie wieder abgekühlt im Raum. Zudem wird die Wärmeausdehnung der Fertigungsanlagen in der Produktion ständig elektronisch überwacht und gegebenenfalls nachjustiert.

Besserer Durchblick

Die neu eingerichtete LED-Beleuchtung erhöht im Übrigen auch die Qualität in der Fertigung. „Das leicht blau gefärbte Licht zeigt die Kontraste in den bearbeiteten Stahlblöcken besser“, sagt Sabine Kellermann. Aber auch in den Produktionsprozessen hat die Unternehmerin angesetzt. „Unser Druckluftbedarf ist sehr hoch. Daher haben wir besonders effiziente Kompressorsysteme angeschafft.“ Deren Abwärme wird zum Heizen des Bürogebäudes und zur Warmwasseraufbereitung genutzt. Gerade beim Heizen verzichtet Kellermann jedoch auf eine besonders energiesparende Technik. Eine Photovoltaikanlage will sich die Firmenchefin nicht aufs Firmendach setzen. Brandschutzexperten haben ihr abgeraten, weil das Risiko im Falle eines Feuers zu hoch sei. Hier gilt für die Unternehmerin: Vorsicht vor Energiesparen. Daher bezieht sie Strom über Energieversorger, allerdings immer mit Blick auf günstige Konditionen. Denn die Suche nach Alternativen zum aktuellen Anbieter kann Geld einsparen – bis zu einige Tausend Euro pro Jahr.

Info

Kredit für Energiesparer

 

Unternehmen steht es frei, ob sie die energieeffiziente Umrüstung ihrer Heizungs- oder Beleuchtungssysteme auf eigene Rechnung bezahlen oder finanziell fördern lassen wollen. Wer etwa das „KfW-Energieeffizienzprogramm – Produktionsanlagen/-prozesse“ in Anspruch nehmen will, muss mit den geplanten Modernisierungsinvestitionen mindestens eine Energieeinsparung von zehn Prozent erreichen. Das sollte in den meisten Fällen einer Modernisierung leicht zu erreichen sein. Unterstützt werden zudem Anschaffungen wie Maschinen, Anlagen oder Prozesstechnik wie Wärmerückgewinnung oder Abwärmenutzung für Produktionsprozesse. Selbst neue Systeme in der Mess-, Regel- und Steuertechnik oder bei Druckluft, Informationstechnik oder Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen können sich Unternehmen fördern lassen. Insgesamt stellt das Programm Kredite mit einem Volumen von bis zu 25 Millionen Euro für Energieeffizienzprojekte zur Verfügung.

Nach diesem Rezept handelte Tobias Wittmann, Geschäftsführer des Herstellers Maintal Betten im oberfränkischen Lichtenfels. Er hat seine Kosten unter die Lupe genommen und festgestellt, dass nach dem Wareneinkauf und den Ausgaben für das Personal die Energie auf Platz drei lag. Das war für ihn Anlass, den seit einigen Jahren bestehenden Versorgervertrag in Frage zu stellen und sich nach alternativen Angeboten umzusehen. „Beim Vertragswechsel war das Hauptziel, günstiger zu sein“, sagt Wittmann. Die einfachste Lösung war auch die beste: Auf einem Onlineportal wurde er fündig. Immerhin um ein Drittel konnte der Bettenhersteller seine jährlichen Ausgaben für Energie senken – immerhin 4.000 Euro, die nun in der Kasse des Unternehmens bleiben. Alle anderen Quellen, um Energie zu sparen, hat die Lichtenfelser Firma bereits ausgeschöpft. Vorhanden sind Solaranlage, ein gasbetriebenes Blockheizkraftwerk und verfügt über LED-Beleuchtung in den Gebäuden.

Solche nachhaltigen Anlagen erfüllen Energieeinsparen erst mit einem tieferen Sinn, glaubt Maren Grondey, Geschäftsführerin von Siemer Verpackung. Für ihre Firma hat die umtriebige Unternehmerin bereits eine anspruchsvolle Lösung gefunden: „Etwas für das Klima zu tun sehen wir nicht nur als Chance an, sondern als unsere unternehmerische Pflicht.“