Freitag, 27.06.2014
Führungskräfte und Spitzensportler verbindet der Wille zum Erfolg, doch es gibt einiges, was sie sich dabei von Sportlern abgucken können.

Thinkstock / Getty Imagesphotos/Ingram Publishing

Führungskräfte und Spitzensportler verbindet der Wille zum Erfolg, doch es gibt einiges, was sie sich dabei von Sportlern abgucken können.

Personal
Interview mit ehemaliger Spitzensportlerin

Das können Führungskräfte von Spitzensportlern lernen

Beide wollen den größtmöglichen Erfolg, doch oft erleiden ­Führungskräfte ein Burn-out, während Spitzensportler Erfoge feiern. Was Manager falsch machen, das erklärt Antje Heimsoeth. Die ehemalige Spitzensportlerin trainiert heute als Expertin für mentale Stärke weltweit Führungskräfte.

Markt und Mittelstand: Wo müssen Führungskräfte aufholen?
Antje Heimsoeth: Bei der Regeneration und Erholung. Spitzensportler wissen, dass sie am Tag X Bestleistung erbringen müssen und strukturieren ihren Trainingsplan und die letzten Tage vor dem Wettkampf danach. Sie halten das harte Training ebenso wie die vorgegebenen Regenerationsphasen ein. Bei Managern gibt es das häufig nicht. Handy und Laptop sind 24 Stunden an und das auch während des Urlaubs.

MuM: Regeneration ist entscheidend. Aber ist es damit getan?
Heimsoeth: Nein. Führungskräfte sind oft einsame Kämpfer, haben keine Freunde mehr und bekommen wenig Anerkennung für Ihr Tun. Sie kommen abends nach einem anstrengenden Tag zurück ins Hotel und niemand wartet auf sie, um eventuelle Erfolge zu feiern und sich über den Tag auszutauschen. Bei Biathlon Wettkämpfen sind die Athleten zu zweit im Zimmer; bei Fußballweltmeisterschaften haben sie gemeinsame Bungalows. Spitzensportler haben immer Teams um sich, selbst Einzelsportler haben ein Team aus Trainer, Arzt, Physiotherapeut, Athletiktrainer etc. um sich.

MuM: Führungskräfte müssen also mehr im Team arbeiten?
Heimsoeth: Gegenseitiges Vertrauen, Wertschätzung, Anerkennung der Leistung und gemeinsames Zelebrieren der Erfolge sind immens wichtig. Bei einem erreichten Ziel und Erfolg kann der Mitarbeiter zum Beispiel durch ein von Führungskräften und Mitarbeitern gebildetes Spalier laufen und sich von allen feiern lassen.

Die Selbstregulierung zählt

Antje Heimsoeth war Spitzensportlerin, heute trainiert die Expertin für mentale Stärke Führungskräfte.

Antje Heimsoeth war Spitzensportlerin, heute trainiert die Expertin für mentale Stärke Führungskräfte.

MuM: Führt fehlende Anerkennung zu schlechterer Leistung?
Heimsoeth: Wenn keine Anerkennung da ist, führt es dazu, dass die Leidenschaft für die Arbeit verloren geht und das führt automatisch zu schlechterer Leistung, zu Erkrankungen, schlechterem Betriebsklima und eventuell Job nach Vorschrift. Anerkennung ist kein Selbstläufer.

MuM:
Wie muss sich eine Führungskraft verhalten, um anerkannt oder gar gefeiert zu werden?
Heimsoeth:
Eigenschaften wie Selbstregulierung sind ganz wichtig. Reguliere ich mich oder renne ich cholerisch als Chef durch das Leben. Stellen sie sich vor, ein Spitzengolfer würde sich über jeden verschlagenen Ball ärgern. Oder auch im Fußball, da muss der Spieler seine Wut und Aggressionen unter Kontrolle haben. Sonst gibt es die rote Karte – für Sportler wie für Manager.