Montag, 22.09.2014
Datendiebstahl: Statistisch gelangen durch abgeworbene Mitarbeiter mehr Betriebsgeheimnisse an die neugierigen Mitbewerber als durch Hackerangriffe.

.shock / iStock / Thinkstock / Getty Images / Thinkstockphotos

Datendiebstahl: Statistisch gelangen durch abgeworbene Mitarbeiter mehr Betriebsgeheimnisse an die neugierigen Mitbewerber als durch Hackerangriffe.

Personal
Wenn Angestellte zur Konkurrenz wechseln

Datenklau durch jeden fünften Mitarbeiter

Viele Unternehmen werden jährlich Opfer von Datendiebstählen. Oftmals ist der Täter jedoch ein Mitarbeiter. Um sich dagegen abzusichern, reichen auch Wettbewerbsverbote nicht mehr aus.

Im Zuge der Abwerbung von Angestellten kommt es immer öfter vor, dass auch Firmenwissen oder Kundendaten mit zur Konkurrenz genommen werden. Etwa 21 Prozent der befragten Unternehmen geben an, dass schon einmal ein scheidender Mitarbeiter wichtige Informationen mit zu einem neuen Arbeitgeber genommen hat, wie eine Studie der Detektei Lentz ergab. Um nicht nur wichtige Daten, sondern auch die gezielte Abwerbung von spezialisierten Mitarbeitern zu verhindern, versuchen viele Arbeitgeber, sich durch nachvertragliche Wettbewerbsverbote in Arbeitsverträgen abzusichern. Doch das reiche nicht mehr aus, warnt Marcus Lentz, Geschäftsführer der bundesweit tätigen Detektei Lentz: „Da die Beweislage für betroffene Unternehmen schwierig ist, ist die Hemmschwelle oft relativ niedrig – gerade in mittelständischen Unternehmen ein mitunter existenzbedrohliches Problem.“

Nachvertragliches Wettbewerbsverbot ungenügend

Durch Wettbewerbsverbote soll den Arbeitnehmern grundsätzlich verboten werden, ihrem Arbeitgeber Konkurrenz zu machen. Kommt es vor, dass ein Arbeitnehmer gegen das Wettbewerbsverbot verstößt, droht ihm die außerordentliche Kündigung. „Das greift natürlich nur, solange das Arbeitsverhältnis besteht“, erklärt Marcus Lentz.

Mit einer vertraglichen Sonderregelung kann sich jedoch der Arbeitgeber für eine bestimmte Dauer, wie beispielsweise 12 Monate, gewissermaßen den Verzicht des Ex-Mitarbeiters auf Konkurrenztätigkeiten ‚erkaufen‘. Vorausgesetzt, es existiert eine sogenannte Karenzentschädigung, die der Arbeitgeber für die Dauer des Verbots an ehemalige Mitarbeiter zahlt. Der Grundgedanke dahinter ist, dass die Entschädigungsleistungen für das Unternehmen günstiger sind, als die Auswirkungen einer Tätigkeit ehemaliger Angestellter bei der Konkurrenz. „Hier ist jedoch Vorsicht geboten“, mahnt Lentz. „Soll die vertragliche Regelung wasserdicht sein, sollten Arbeitgeber diese unbedingt von einem Anwalt für Arbeitsrecht prüfen lassen. Denn die gesetzlichen Vorschriften für nachvertragliche Wettbewerbsverbote sind sehr eng gefasst.“

Untreue Mitarbeiter gefährlicher als Hacker

Doch selbst wenn die vertraglichen Regelungen aus arbeitsrechtlicher Sicht einwandfrei sind, ist das Unternehmen noch nicht vollständig vor den eigenen Angestellten geschützt. Statistisch gelangen durch abgeworbene Mitarbeiter mehr Betriebsgeheimnisse an die neugierigen Mitbewerber als durch Hackerangriffe. Desöfteren führen erst rückläufige Auftragszahlen oder Umsatzverluste zu dem Verdacht, dass sensible Daten an die Konkurrenz gereicht wurden.

Auch wenn meistens nahe liegt, wer der Schuldige ist, gestaltet sich die Beweisführung bei einem Verstoß gegen ein nachvertragliches Wettbewerbsverbot eher problematisch. „Wir beraten immer wieder betroffene Unternehmen, die in dieser Lage ohne professionelle Ermittler nicht mehr auskommen“, sagt Lentz. Häufig sei bei den Unternehmen zu lange mit der Nachforschung gewartet worden, aus Angst, dass der Datendiebstahl an die Öffentlichkeit gelangen könnte.

Die Abwerbung von Mitarbeitern lässt sich gesetzlich leider nicht von vorneherein unterbinden, denn der Gesetzgeber gibt den Kontrahenten am Arbeitsmarkt große Spielräume. Deshalb rät Lentz vor allem auf ein gesundes Betriebsklima zu achten und die Netzwerkprofile seiner Leistungsträger im Blick zu behalten. Nach einer Studie eines großen deutschen Karrierenetzwerks werden immerhin 96,3 Prozent der wechselwilligen Angestellten über Xing und 57,1 Prozent über LinkedIn angesprochen.