Montag, 18.12.2017
Immer weiter nach oben: Die Konjunkturaussichten sind auch für 2018 gut.

Foto: pxel66/Thinkstock/Getty Images

Immer weiter nach oben: Die Konjunkturaussichten sind auch für 2018 gut.

Personal
Erste graue Wolken

Der deutsche Mittelstand boomt weiter – vorerst

Die Konjunkturaussichten für 2018 sind weiter gut. Aber wie lange hält der Wirtschaftsaufschwung noch an? Manche Ökonomen warnen schon vor einer Überhitzung der Wirtschaft. Und dann werden auch noch die Fachkräfte knapp.

Der deutsche Mittelstand blickt so optimistisch in die Zukunft wie noch nie. Das monatlich von der KfW veröffentlichte Mittelstandsbarometer jagt seit Monaten von Höchstwert zu Höchstwert. „Dass die Konjunktur so gut läuft, verdanken wir der globalen Erholung und wachsenden Exporten. Außerdem nimmt die Beschäftigung zu, und die Löhne steigen“, erläutert Jörg Zeuner, Chefvolkswirt der Förderbank. Allerdings ziehen am Horizont erste graue Wolken auf. Eine Studie der europäischen Kammerorganisation Eurochambres bescheinigt zwar ganz Europa eine positive Stimmung. Aber vollkommen sorglos blicken die Unternehmen doch nicht nach vorne. Vor allem der Fachkräftemangel bereitet ihnen immer mehr Kopfzerbrechen. Knapp die Hälfte der europaweit 50.000 befragten Unternehmer sieht den Personalengpass als Geschäftsrisiko an.

KfW-ifo-Mittelstandsbarometer (Saldopunkte)

Quelle: kfw

Die Linderung des Fachkräftemangels dürfte wohl auch eine der wirtschaftspolitischen Baustellen einer neuen Bundesregierung sein – wie auch immer diese irgendwann aussehen wird. Von nicht weniger als einer „Neujustierung der Wirtschaftspolitik, um Deutschland auf zukünftige Herausforderungen vorzubereiten“ spricht denn auch Christoph Schmidt, der Vorsitzende des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. Das Gremium hatte Anfang November sein aktuelles Jahresgutachten vorgestellt und darin ein Wirtschaftswachstum von jeweils mindestens 2 Prozent für das laufende Jahr und für 2018 prophezeit – gleichzeitig aber vor einer „Überhitzung“ der deutschen Konjunktur gewarnt. Lange könne das Wachstum in diesem Maße nicht weitergehen.

Fürs Erste gibt Konjunkturexperte Michael Grömling vom Institut der deutschen Wirtschaft in Köln aber Entwarnung. „Eine gefährliche Überhitzung wäre von negativen Folgewirkungen – wie etwa Fehlinvestitionen oder Lohn- und Preisspiralen – begleitet“, erklärt er im Interview. „Das würde in der Tat den Aufschwung abwürgen. Wir erwarten dies derzeit aber nicht.“

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Michael Grömling vom Institut der deutschen Wirtschaft in Köln

Foto: IW Köln

Michael Grömling vom Institut der deutschen Wirtschaft in Köln

Herr Grömling, Mittelständler blicken optimistisch ins Jahr 2018 – zu Recht?
Ja, die Konjunkturaussichten für das Jahr 2018 sind gut. Die wieder anziehende Weltkonjunktur hat die Exporte der deutschen Unternehmen spürbar belebt, auch steigende Investitionen kurbeln die Konjunktur an. Die Beschäftigung steigt von Rekord zur Rekord. Dieses Konjunkturbild dürfte auch im Jahr 2018 Bestand haben.

Sehen Sie ein Ende des Aufschwungs?
Zumindest im kommenden Jahr erwarten wir keine konjunkturelle Trendwende – eher im Gegenteil. So sehen wir zum Beispiel in der Baubranche, dass die Unternehmen der wachsenden Nachfrage nicht mehr hinterherkommen. Aber auch in anderen Branchen besteht eine hohe Auslastung, vor allem fehlen Fachkräfte.

Worum muss sich die Politik aus Sicht der Unternehmer vor allem kümmern?

Das Fehlen von Fachkräften sorgt nicht nur für beschränkte und hochausgelastete Produktionskapazitäten, es stellt auch ein Investitionshemmnis dar. Die Bundesregierung muss Bildung ernsthaft forcieren. Daneben zeigen unsere Analysen, dass Regulierungen und Bürokratie Investitionen in Sachkapital und Technologie blockieren. Sie zu reduzieren kostet den Staat kein Geld, sondern entlastet ihn selbst.


Der Text gehört zu einem Thema aus der Markt-und-Mittelstand-Ausgabe 12/2017 – 01/2018. Hier können Sie das aktuelle Heft bestellen und „Markt und Mittelstand“ abonnieren.