Montag, 20.04.2020
Liqui-Moly-Geschäftsführer Ernst Prost: Am Personal darf nicht gespart werden.

Foto: Liqui Moly

Liqui-Moly-Geschäftsführer Ernst Prost: Am Personal darf nicht gespart werden.

Personal
Gastkommentar Ernst Prost

„Die einzig opferbare Größe in einer Krise ist der Gewinn“

Wie passen die Auszahlungen von Dividenden und die Nutzung von Kurzarbeitergeld während der Corona-Krise zusammen? Ernst Prost, Geschäftsführer von Liqui Moly, findet: gar nicht – die Kombination sei unwürdig. Ein Gastkommentar

In diesen Tagen verschenken wir mehr, als wir verkaufen. Das habe ich auch noch nie gemacht. Aber es ist schön – und vor allem nützlich, aus zwei Gründen: Erstens laufen die Geschäfte nicht gerade optimal – und das ist noch untertrieben. Zweitens bekommen wir aus ganz Deutschland und vielen anderen Ländern, in denen wir arbeiten, zahlreiche Anfragen. Das sind Gesuche und Bitten von Rettungsdiensten, Ambulanzfahrzeugen, mobilen Pflegediensten, Behinderten- und Patiententransporten, Feuerwehren oder dem Deutschen Rotes Kreuz. 

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Wir Unternehmen haben jetzt während der Corona-Krise die Gelegenheit, am Gemeinwohl mitzuwirken. Das tun wir mit Produkten aus unserer Fertigung, die wir kostenlos an Rettungsdienste abgeben. Hunderte von Bestellungen haben wir schon ausgeliefert. Natürlich übernehmen wir auch die Transportkosten für die Anlieferungen. Auf Spendenbescheinigungen verzichten wir. Wir haben in Ulm ein Team zusammengestellt, das sich jetzt ausschließlich um die Abwicklung und den Versand dieser Anfragen und Aufträge kümmert.

Zur Bewältigung dieser Krise braucht es Menschen – und das habe ich jetzt wieder deutlich gesehen: viele Menschen arbeiten ehrenamtlich in diesen Bereichen – zum Wohle der Allgemeinheit. Davor habe ich größten Respekt. Auch wenn es manchmal knirscht in diesem unseren Lande, aber an dieser Stelle dürfen wir schon stolz sein auf eine Gesellschaft, die durchaus selbstlos, engagiert und von Nächstenliebe geprägt ist und auch so handelt. 

Kürzlich habe ich auch den ersten Podcast meines Lebens gemacht, mit meinem uralten Nokia-Handy von 1998. Auch irgendwie schön. Den Umständen entsprechend ist eigentlich so weit alles ganz schön, wenn da nicht die Zahlen wären. Minus im Umsatz, Minus im Ertrag – aber egal. Andere hat es noch viel schlimmer erwischt. Und wie habe ich in der letzten Krise gesagt? „Wir werden weder an unseren Leuten sparen noch an unseren Konzepten. Die einzig opferbare Größe in einer Krise ist der Gewinn.“ Würde ich jetzt so auf einer Aktionärsversammlung auch nicht ungestraft sagen dürfen, ist aber so. 

Mancherorts werden gerade über die Ausschüttung von Dividenden fette Gewinne verteilt und zugleich Staatsknete über Kurzarbeitergeld abgegriffen – finde ich übrigens weniger schön, vielleicht ist dieses Verhalten sogar schon hässlich. Frech und unanständig ist es auf alle Fälle. 

In Zeiten wie diesen bin ich dankbar, Chef eines familiengeführter Mittelständlers zu sein, der sich mehr den Menschen als dem Kapital verpflichtet fühlt.