Dienstag, 23.01.2018
Eine Kultur des Wandels: Die Digitale Transformation macht auch vor der Personalabteilung nicht halt.

Illustration: dashk/thinkstock/Getty Images

Eine Kultur des Wandels: Die Digitale Transformation macht auch vor der Personalabteilung nicht halt.

Personal
5 Thesen

Die Personalabteilung muss sich auf den digitalen Wandel einstellen

Die Disruption der Geschäftsmodelle und der Verlust der Komfortzone: Mittelständische Unternehmen stehen vor enormen Herausforderungen – auch im HR-Bereich. Eine Handreichung in fünf Thesen.

1. These

An der Digitalisierung entscheidet sich die Zukunft des deutschen Mittelstands. Die Voraussetzungen sind gut: Mittelständische Unternehmer entscheiden schnell und undogmatisch – und begegnen disruptiven Veränderungen häufig mit Flexibilität. Das ist auch nötig, denn: Ihre Konkurrenten der Zukunft sind Firmen, die „ten times bigger“ als die bisherigen Wettbewerber denken und agieren. Die vier US-Plattformkapitalisten Facebook, Google, Amazon und Apple geben die Richtung vor.

Mittelständische Unternehmen brauchen künftig Geschäftsmodelle, die Skalierbarkeit und reduzierten Produktionsaufwand kombinieren. Zugleich müssen die Personalprozesse sukzessive digitalisiert werden. Der „war for talents“ verlangt nach mehr Tempo, kürzeren „Durchlaufzeiten“ sowie höherer Effizienz und größerer Effektivität beim Recruiting. 

2. These

Was bedeutet dies für mittelständische Führungskräfte? Sie müssen ihr Nichtwissen akzeptieren. Positive Folge: Wird das Herrschaftswissen der Chefs durch die kollektive Intelligenz „entzaubert“, wächst das Vertrauen der Mitarbeiter. Gemeinsam statt einsam können wir uns besser auf die Veränderungen einstellen – mit neuen Ideen, Kreativität und Begeisterung. Unternehmen tun gut daran, ihre Mitarbeiter bei der Auswahl von Führungskräften in den Prozess mit einzubinden.

3. These

Führung in Zeiten der Digitalisierung heißt: Vertrauen in die eigene Mannschaft und Respekt gegenüber ihren Ideen – selbst wenn sie den eigenen konträr laufen. Die Devise lautet: Umgang auf Augenhöhe. Führungskräfte müssen wieder lernen, ihrem Team zu- und sich abweichende Meinungen anzuhören. Nur so fühlen sich die Mitarbeiter wahrgenommen und belohnen diese wertschätzende Aufmerksamkeit durch besonderes Engagement.

4. These

Die Digitalisierung verlangt von jedem Einzelnen ein lebenslanges Lernen und die Bereitschaft, sich beruflich auf neue Herausforderungen einzustellen. Diese Offenheit kostet Energie und fordert zudem, die eigene Komfortzone immer öfter zu verlassen. In der Regel geschieht das nur, wenn der Leidensdruck enorm ist – oder die Begeisterung für das Neue geweckt wird.

5. These

Erfolgreiche Unternehmer und Produzenten im Mittelstand stehen derzeit unter einem gewaltigen Druck. Etliche müssen ihr Geschäftsmodell neu erfinden. Der Profit entsteht bei Plattformanbietern, die kein Interesse daran haben, die Waren selbst zu produzieren, sondern lieber Daten über ihre Kunden sammeln. Die Folge: Durch ihre Marktmacht können sie den Lieferanten die Einkaufspreise diktieren.

Mittelständische Unternehmen sollten sich deshalb folgende Fragen stellen:

Pflegen wir eine Kultur des Wandels? Haben wir den richtigen Fokus für die Zukunft? Haben wir ausreichend Ideen und Antworten? Haben wir die notwendigen Skills für den Wandel? Sind wir agil? Können wir unser Geschäft skalieren? Und haben wir auch den Mut, uns an die Veränderungen des Marktes anzupassen?

Autor

Harald Smolak ist Leiter Human Resources bei der Interim Management-Beratung Atreus in München. Sein Fokus liegt auf dem Coaching von Top-Führungskräften, dem Konfliktmanagement, der Organisations- und Teamentwicklung und Unternehmenstransformationen.