Freitag, 19.07.2013
Schutz vor Headhuntern

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Personal

Die Tricks der Headhunter

Um Headhunter tummeln sich viele Mythen. Doch das Geschäft der Direktansprache gehört auch im Mittelstand zum Recruitingalltag. Was Mittelständler über die Tricks der Headhunter wissen sollten und wie sie sich schützen können.

„Können Sie sprechen?“, mit diesem typischen Spruch, melden sich Headhunter bei Führungskräften. Ihr Ziel ist es, sie abzuwerben und in neue Anstellungsverhältnisse zu vermitteln. Auf den kurzen Anruf folgt ein erstes längeres Gespräch, danach ein erstes Treffen mit Headhunter. Es folgt ein Bewerbungsgespräch und schließlich eventuell der Jobwechsel.
Der Weggang eines Spezialisten ist teuer. Neben dem Wissens- und Erfahrungsverlust kostet die Suche und Nachbesetzung der Position rund ein Drittel eines Jahresgehalts eines Spezialisten. Mittelständler habe aber Möglichkeiten sich gegen Headhunter zur Wehr zu setzen.

Hart gegen Headhunter

Ein Metallbauunternehmer aus Franken, der seinen Namen in der Presse nicht lesen möchte, setzt auf die harte Tour. „Um meine Mitarbeiter zu schützen, sollen sie in der Öffentlichkeit möglichst wenig auftreten“, sagt er. Aus diesem Grund hat er personalisierte E-Mail-Adresse vollständig abgeschafft. In dem 350-Mitarbeiter-Unternehmen gibt es nur 12 personalisierte E-Mail-Accounts. Fünf davon gehören den Geschäftsführern und den Bereichsleitern. Die übrigen sieben sind den Bereichen zugeordnet. Auf diese Accounts haben alle Mitarbeiter, die eine E-Mail-Adresse für die tägliche Arbeit benötigen, Zugriff. „So haben Headhunter keine Chance über die elektronische Post unsere Mitarbeiter anzusprechen. Das würde den Kollegen sofort auffallen“, sagt der Unternehmer. Intern gibt es ein unabhängiges Mailsystem mit Code-Namen, so dass die Mitarbeiter im täglichen Betrieb intern mit einander kommunizieren können.
Eine gängige Methode ist auch die Kontrolle der Telefonanlage. Direkte Durchwahlnummern werden nicht nach außen gegeben. Externe Anrufer werden von der Telefonzentrale gezielt nach deren Anliegen und deren konkretem Ansprechpartner gefragt und erst dann durchgestellt. Ist der Anrufer nicht bekannt, rufen die Mitarbeiter der Zentrale bei dem Mitarbeiter an und fragen gezielt nach wer der Anrufer war und warum er angerufen hat.
Einige Unternehmen verbieten ihren Mitarbeiter völlig private Anrufe etwa mit Ärzten oder Autowerkstätten zuführen und anzunehmen. Sie fürchten, dass unter einem privaten Vorwand, etwa einem wichtigen Arzttermin, sich Headhunter als Arzt ausgeben und so an der Telefonzentrale vorbei kommen.
Häufig sprechen Headhunter interessante Spezialisten über Soziale Netzwerke wie Xing und Linkedin an. Um das zu verhindern, verbieten einige Mittelständler die Mitgliedschaft in den Netzwerken. Rechtlich ist dieses Vorgehen jedoch umstritten.

Aus Headhunter-Sicht

Headhunter kennen alle diese Tricks der Unternehmen. Sie machen ihn das Leben nicht gerade leichter, aber dennoch finden sie immer wieder Möglichkeiten die Vorschriften zu umgehen. Sie sind geschult Assistentin und Mitarbeiter in der Telefonzentrale dazu zu bringen, Regeln zu überschreiten, Informationen zu geben und sie schließlich doch, wenn auch unter einem Vorwand, durchzustellen. Jörg Kasten ist Headhunter. Er arbeitet als Managing-Partner für die Personalberatung Boyden. Regelmäßig trifft er sich mit Kandidaten in Hotellobbys, führt Gespräche und will sie schließlich abwerben. „Schwierig wird es für mich“, berichtet er, „ wenn die Mitarbeiter in ihrem Job zufrieden sind und sich wohl fühlen.“ Vielleicht kommen die dann noch zu einem ersten Kennenlernengespräch. „Schnell wird dann aber klar, der Kandidat will gar nicht wechseln“, erklärt er. Kasten beginnt von einem Unternehmer mit hochqualifizierten Spezialisten zu berichten. „Drei Personen wollt ich nacheinander abwerben, drei Absagen holte ich mir ein“, erzählt der Headhunter. Alle Mitarbeiter waren dort zufrieden. „Sie dachten gar  nicht daran“, zu wechseln. Die Zufriedenheit der Angestellten ist nach Ansicht des Headhunters die beste Möglichkeit Abwerbungen zu verhindern.

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