Mittwoch, 10.04.2013
Großtagespflege

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Personal
Fachkräftemangel

Einfache Kinderbetreuung

Kinderbetreuung können auch mittelständische Unternehmen anbieten. Mit der „Großtagespflege“ ist das kostengünstig möglich. Das Unternehmen Synlab hat die „Großtagespflege“ bereits umgesetzt. Im Interview spricht Christine Becker, Personalmanagerin in den Unternehmen, über die Umsetzung und ihre Erfahrungen.

MuM: Synlab bietet Kinderbetreuung an. Warum hat sich das Labordienstleistungsunternehmen entschlossen die sogenannten Großtagespflege anzubieten?
Christine Becker:
Anfang 2011 haben wir uns dazu entschlossen. In unserem Unternehmen besteht die Belegschaft zu rund 70 Prozent aus Frauen. Aufgrund der Struktur in unserem Unternehmen und der Einführung des Elterngelds stieg die Anzahl der Schwangerschaften stetig. Um Müttern und Vätern den Wiedereinstieg nach der Elternzeit so einfach wie möglich zu machen, wollten wir ihnen die Möglichkeit der Kinderbetreuung anbieten.

MuM: Sie haben sich für die Großtagespflege als Organisationform entschieden. Warum?
Becker: Für uns war das eine sehr gute Einstiegsmöglichkeit. Der bürokratische Aufwand und der Verwaltungsaufwand sind überschaubar. Beispielsweise müssen wir nicht selbst die Beiträge abrechnen, haben geringe Auflagen bei den Einrichtungen der Räume und erhalten Zuschüsse.

MuM: Wie unterscheidet es sich beispielsweise von einem Kinderkrippe oder einem Kindergarten?
Becker: Bei der Großtagespflege ist nur eine Gruppe mit insgesamt zehn Kindern erlaubt. Diese müssen von mindestens zwei pädagogischen Fachkräften betreutet werden. In Krippen oder Kindergärten sind mehrere Gruppen möglich. Deshalb stoßen wir gerade auch an unsere Grenzen.

Großtagespflege als Einstiegsmodell

MuM: Wie viele Kinder sind zurzeit in Ihrer Einrichtung?
Becker:
Wir haben die Großtagespflege gemeinsam mit dem benachbarten Jobcenter eingerichtet. Sieben Kinder unserer Mitarbeiter und drei Kinder von Mitarbeitern des Jobcenters nutzen zurzeit die Einrichtung. Der Bedarf steigt, deshalb werden wir schon bald die Großtagespflege in einen eine Kinderkrippe umwandeln. Das bedeutet natürlich mehr Aufwand. Als Einstiegsmodell war die Großtagespflege für uns optimal.

MuM: Wie sah die praktische Umsetzung aus?
Becker: Synlab liegt in einem Industriegebiet. Wir hatten aber nicht genügend Platz, um den Kindern die nötige Räume anzubieten. Mit dem Jobcenter als Nachbar gingen wir deshalb eine Kooperation ein. Wir bezahlen die Mitarbeiter, zurzeit drei, und das Jobcenter stellt die Räumlichkeiten. Die Kosten für Umbauten, Einrichtung, usw. wurden nach Platzverteilung von synlab und jobcenter übernommen. Die Kosten lagen bei circa 10.000 Euro.

MuM: Wie wurde das Angebot angenommen?
Becker:
Am Anfang sorgten wir uns schon, ob wir die alle Plätze besetzen können. Wir merkten aber schnell, dass die Nachfrage da war. Mit Besichtigungen haben wir in unserem Unternehmen dafür geworben, so dass die Plätze schnell besetzt waren.

MuM: Ist die Kinderbetreuung für Synlab eine Strategie gegen den Fachkräftemangel?
Becker: Wir werben damit noch nicht offensiv in Stellenanzeigen, planen das aber. Eine Mitarbeiterin aus Berlin hat sich aber tatsächlich auch für unser Unternehmen entschlossen, weil wir ihr einen Platz für ihr Kind angeboten haben. Ich merke schon, dass das Angebot nach außen getragen wird.

Info

Raumkonzept für Großtagespflege
Das muss es geben

-          Gruppenraum: 45 qm

-          Ruheraum: 25 qm

-          Küche: 10 qm

-          Außenbereich: 100 qm

-          Toilette für Kinder

-          Toilette für Betreuer

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