Donnerstag, 19.07.2018
Sichtbar vielfältig: Unternehmen, die die Diversity ernst nehmen, stellen häufig Menschen aus unterschiedlichen Herkunftsländern ein. Aber die Herkunft ist nicht das einzige Merkmal, auf das sie achten sollten.

Illustration: elenabs/Thinkstock/Getty Images

Sichtbar vielfältig: Unternehmen, die die Diversity ernst nehmen, stellen häufig Menschen aus unterschiedlichen Herkunftsländern ein. Aber die Herkunft ist nicht das einzige Merkmal, auf das sie achten sollten.

Personal
„Selbstcheck vielfaltsbewusster Betrieb“

Wie weit sind Sie beim Thema Diversity?

Das Thema Diversity gewinnt auch im Mittelstand an Bedeutung. Wie vielfaltsbewusst ihre Firma ist und was sich wie verbessern lässt, können Unternehmer nun in einem Selbstcheck überprüfen. Ein Projektleiter hat auch einen Tipp gegen möglichen Selbstbetrug.

Wer erkennbar zu einer Minderheit gehört, also zum Beispiel nicht weiß, nicht deutsch oder behindert ist, wird von Personalern mitunter direkt aussortiert. Langfristig gesehen – Stichwort Fachkräftemangel –, könnten sich die Unternehmen mit dieser Auswahltaktik aber ins eigene Fleisch schneiden. „Nüchtern ökonomisch betrachtet, wird da ein großes Potential verschenkt“, sagt Johannes Weidl vom Rationalisierungs- und Innovationszentrum der Deutschen Wirtschaft (RKW Kompetenzzentrum) in der Markt-und-Mittelstand-Titelgeschichte im Februar 2018. Der studierte Wirtschaftsgeograf arbeitet im Projekt „INQA-Check Vielfaltsbewusster Betrieb“, in dessen Rahmen im Juni ein Selbstcheck veröffentlicht wurde, mit dem Unternehmen überprüfen können, wie weit sie beim Thema Diversity schon sind – und wo sie Nachholbedarf haben. „Das Instrument soll für das Thema Vielfalt sensibilisieren und helfen, die unterschiedlichen Stärken der Mitarbeiter zu erkennen und zu nutzen“, erklärt Weidl.

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Der Selbstcheck – den es gedruckt, als PDF sowie als Onlineversion gibt – besteht aus gut 20 Aussagen zum Thema Vielfalt, wie etwa dieser: „Unsere Führungskräfte berücksichtigen die unterschiedlichen persönlichen Voraussetzungen der Beschäftigten, so dass alle die Informationen, Anweisungen und Unterweisungen verstehen.“ Unternehmer und Führungskräfte sollen nun bei jeder Aussage selbst einschätzen, wie weit diese für sie und ihr Unternehmen schon zutrifft – und damit, wie groß der Handlungsbedarf ist. Zusätzlich bekommen sie Anregungen aus der Praxis, wie sich die Situation jeweils verbessern lässt. Die Bearbeitung des Selbstchecks soll etwa 45 bis 75 Minuten dauern.

Tipp gegen Selbstbetrug

Johannes Weidl vom RKW Kompetenzzentrum

Foto: RKW Kompetenzzentrum

Johannes Weidl vom RKW Kompetenzzentrum

Dass bei einem Selbstcheck die Gefahr besteht, sich selbst etwas vorzumachen, kann auch Weidl nicht von der Hand weisen. Jemand, der sich mit dem Thema ernsthaft auseinandersetzen will, habe aber kaum ein Interesse daran, zu einem falschen Ergebnis zu kommen. „Zudem empfehlen wir, dass neben der Führungskraft ein weiterer Mitarbeiter den Check ausfüllt“, sagt Weidl. „Der hat meist einen anderen Blick auf das Thema.“

Nach dem Selbstcheck sollen jetzt unter anderem Praxishilfen veröffentlicht werden, die einzelne Themen noch vertiefen. „Aus dem ersten Feedback wissen wir zum Beispiel, dass die Frage, wie vielfaltsbewusste Führung funktioniert, auf besonderes Interesse stößt“, sagt Weidl. Zusätzliches Material zu dem Thema soll deshalb schon bald auf der Projekt-Internetseite verfügbar sein. Daneben gehe es jetzt vor allem darum, den Selbstcheck – und damit das Thema Vielfalt beziehungsweise Diversity in den Köpfen auch kleinerer Unternehmen zu verankern.

Info

Den Selbstcheck sowie weitere Informationen finden Sie auf der Webseite des RKW Kompetenzzentrums.