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Strategie & Personal > Regulierungsschub

Neue EU-Vorgaben setzen Arbeitgeber unter Druck: Arbeitsrechtler warnen

| Markt und Mittelstand Redaktion

EU-Regulierung, KI-Vorgaben und strengere Transparenzpflichten erhöhen den Druck auf Arbeitgeber. Eine neue Studie zeigt: Viele Unternehmen gehen unvorbereitet in die nächste Regulierungswelle – mit erheblichen Risiken.

Ein Mann sitzt gestresst an einem Schreibtisch und arbeitet mit Laptop und Unterlagen.
Ein Manager arbeitet konzentriert im Büro an seinem Laptop und Unterlagen. (Foto: shutterstock)

Unternehmen stehen vor einer der umfassendsten regulatorischen Veränderungen der vergangenen Jahre. Neben neuen EU-Regeln zu KI und Lohntransparenz belasten politische Unsicherheiten in den USA sowie anhaltende Debatten um hybride Arbeitsmodelle die Planungssicherheit. Viele Firmen kämpfen damit, gleichzeitig produktiv zu bleiben und die steigenden Compliance-Anforderungen zu erfüllen.

Von Markt und Mittelstand Redaktion

Die „Littler 2025 European Employer Survey“ zeigt ein deutliches Bild: Europas Unternehmen steuern auf ein massives Regulierungspaket zu, scheinen aber kaum vorbereitet zu sein. Sowohl der EU AI Act als auch die EU Pay Transparency Directive treten 2026 in Kraft; nur 18 Prozent der Befragten fühlen sich „sehr gut vorbereitet“, wenn es um KI-Regulierung geht. Noch geringer ist die Vorbereitung bei der Lohntransparenz: Nur 24 Prozent befinden sich hier in einem fortgeschrittenen Stadium. Littler ist eine auf Arbeitsrecht spezialisierte Kanzlei.

Dabei sind die Auflagen enorm: hohe Bußgelder, verpflichtende Gehaltsangaben, Offenlegung von Kriterien für Karrierewege und umfangreiche KI-Audits. Viele Länder haben jedoch bis heute weder Regulatoren benannt noch nationale Vorgaben ausgearbeitet. Das führt zu Unsicherheit und zu einer Art „Abwarten-und-Hoffen“-Mentalität im Management.

US-Politik belastet Arbeitgeber: Neue Risiken für Personal- und Geschäftsstrategien

Besonders herausfordernd ist, dass US-Politik direkt in europäische Unternehmensstrategien hineinwirkt. 75 Prozent der Unternehmen mit US-Bezug haben ihre Personal- oder Geschäftsstrategien angepasst. Geschäftsreisen wurden gestrichen, Niederlassungen verkleinert oder Projekte eingefroren. Der Grund liegt in der verschärften US-Immigrationspolitik und einem politischen Kurs, der Inclusion-, Equity- & Diversity-Programme stark unter Druck setzt.

69 Prozent der Unternehmen mit entsprechenden Programmen prüfen deshalb Rollbacks. In Europa gelten hingegen gegenteilige Pflichten, etwa durch das Führungspositionen-Gesetz oder die Pay-Transparency-Directive. Multinationale Unternehmen stehen damit zwischen zwei politischen Welten, die sich kaum vereinbaren lassen.

Künstliche Intelligenz verändert Arbeitsplätze lange bevor der EU AI Act greift

Auch ohne verbindliche Vorgaben ist KI längst ein strategischer Faktor. 40 Prozent der Arbeitgeber haben bereits Jobprofile angepasst oder tun dies gerade. 28 Prozent reduzieren Einstellungen, 26 Prozent planen oder vollziehen Stellenabbau. Das Gesamtbild lautet: KI rationalisiert Prozesse, während Firmen gleichzeitig weder regulatorisch abgesichert noch strukturell vorbereitet sind. Nur eine Minderheit führt Schulungen oder interne Audits durch; dabei werden genau diese Maßnahmen für die EU-Regeln zwingend.

Trotz Fachkräftemangel ziehen viele Firmen die Zügel an: 63 Prozent erhöhen die Anzahl der Präsenztage, 26 Prozent peilen sogar die Fünf-Tage-Woche im Büro an. Gleichzeitig halten 73 Prozent hybrides Arbeiten für unverzichtbar, um Talente anzuziehen. Die Arbeitgeber stecken in einem Dilemma: Produktivität und Steuerbarkeit steigen im Büro, doch die besten Fachkräfte verlangen Flexibilität. Deutlich wird auch ein kultureller Unterschied: Deutschland zeigt sich im Vergleich zu UK und Südeuropa zurückhaltender bei verschärften Office-Regeln und diskutiert stärker über Mitbestimmung, Datenschutz und Arbeitsplatzgestaltung.

Betriebsräte erweitern Einfluss: KI, hybride Arbeit und Mental Health im Fokus 2025

Ein weiterer Trend mit wirtschaftlicher Tragweite: Betriebsräte und Gewerkschaften weiten ihre Einflussbereiche aus. 

Die wichtigsten Themen 2025:

  • Remote- bzw. Hybridarbeit (47 Prozent)
  • Mentale Gesundheit und Wellbeing (46 Prozent)
  • KI-Auswirkungen (44 Prozent)

Gerade KI sorgt für neue Konfliktfelder, etwa mögliche Überwachung, Datenzugriff oder Arbeitsplatzabbau. Mit der geplanten Reform der Europäischen Betriebsräte könnten diese Gremien künftig noch stärker in strategische Fragen eingreifen.

 

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