Dienstag, 14.02.2012
Personal
Wer mit 25 noch keine Kinder hat zahlt

Fachkräfte finden schwer gemacht

Eine Gruppe rund um CDU-Parlamentarier Marco Wanderwitz möchte eine Sonderabgabe für Kinderlose einführen. Ein blödsinniger Einfall, findet Markt und Mittelstand-Redakteurin Stefanie Gerdsmeier.

Wie ein schlechter Witz kommt der Vorschlag der Abgeordneten daher. Mit der Sonderabgabe versuchen sie ein Problem, nämlich den demographische Wandel, zu lösen, indem sie ein anderes, den Fachkräftemangel, verschärfen. Na Glückwunsch.


Dass die Sonderabgabe wenig durchdacht ist, wird schnell klar: Schließlich gibt der Staat bereits finanzielle Anreize, um Kinder zu haben – oder wozu war das Kindergeld gleich gedacht? Und das Prinzip der positiven Verstärkung, also der Belohnung, klappt erwiesenermaßen besser als das der Bestrafung. Insofern ist es gar nicht verkehrt, wenn Familienministerin Kristina Schröder die bornierten Parteikameraden darauf hinweist, dass es vernünftiger sei, Kinderwünsche zu fördern, statt Kinderlosigkeit zu bestrafen. Wie unsäglich ist der Vorschlag auch denjenigen gegenüber, die gerne Kinder hätten und nun auch noch dafür zahlen sollen, dass ihnen dieses Glück nicht beschieden ist.


Noch absurder als die Idee an sich ist aber die angegebene Altersgrenze von 25 Jahren. Wer mit 25 noch nicht zwei Kinder hat soll zahlen. Wie viele 25-jährige Fachkräfte haben aber zwei oder mehr Kinder? Die 25-jährigen kommen grade erst von der Uni. Nicht einmal 20 Prozent aller Deutschen haben in dem Alter schon ein Kind. Die Anzahl der Personen, die mit 25 schon zwei Kinder haben liegt im unteren einstelligen Bereich und den Zusammenhang, dass der Anteil der Frauen ohne Kind mit höherer beruflicher Qualifikation zunimmt, stellte das Statistische Bundesamt unlängst ausführlich dar. Die Chance, dass eine 25-jährige Reinigungskraft zwei Kinder hat ist danach deutlich höher, als dass dieses einer Fachkraft gelingt.


Ist ja auch ganz logisch. Kinder während des Studiums zu bekommen verzögert die Studienzeit. Und, Hand aufs Herz, wer sucht Mitarbeiter, die die Regelstudienzeit deutlich überschritten haben? Berufseinsteiger, deren Gelerntes nicht mehr dem aktuellen Stand der Forschung entspricht? Unerfahrene Mitarbeiter, die sich zum Berufseinstieg hauptsächlich darum kümmern, wie sie ihr Leben mit Kleinkindern organisiert kriegen und deswegen hier und da weniger flexibel sein dürften?


Jeder Abiturient kann sich ausrechnen, dass ihm die von der CDU gewollten Strafzahlungen blühen, wenn er ein Studium aufnimmt. Da machen die Abgeordneten sich im Kreis der Unternehmer, die Händeringend nach Fachkräften suchen, ja sicherlich viele Freunde, indem sie die Menschen bestrafen, die sich zur Fachkraft ausbilden lassen würden. Grober politischer Unfug, der grade Mittelständlern das Leben schwer macht.

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