Donnerstag, 30.01.2014
Fachkraft EBM Papst

EBM Papst

Fachkraft bei EBM-Papst.

Personal
So finden Unternehmen Fachkräfte

Fachkräfte-Suche auf dem Lande

Weltspitze sind ihre Produkte, beschaulich-ländlich oft die Lage der Hidden-Champions. Das macht es ihnen schwer die richtigen Fachkräfte zu finden. Mit kreativen Ideen schaffen die Unternehmen es aber trotzdem.

An Weihnachten und an Ostern findet Markus Overberg jedes Jahr neue Mitarbeiter. Overberg ist Personalleiter des mittelständischen Kühltechnikherstellers Kampmann. Das Unternehmen mit rund 820 Mitarbeitern hat seinen Hauptsitz im Emsland, im niedersächsischen Lingen. Dünn besiedelt ist die Region hoch im Norden. Das einstige Armenhaus Deutschlands hat sich in den vergangenen 50 Jahren zum prosperierenden Wirtschaftsstandort mit einer Arbeitslosenquote von unter 4 Prozent entwickelt.

„Die Fachkräfte sind rar“, beschreibt Overberg die Situation. Bereits für das Studium müssen die Abiturienten die Region verlassen. Einmal weg, kommen viele erst mal nicht wieder. Schnell finden sie nach dem Studium Anstellungen in Unternehmen in Großstädten oder Ballungsräumen. „Der Emsländer ist aber tief drinnen heimatverbunden“, charakterisiert der Personalleiter die Menschen in der Region. Genau dies ist die Grundlage für Overbergs Idee. „Wir setzen auf die Fortgegangenen“, sagt er.

An den Feiertagen rund um Weihnachten und Ostern kommen die Weggezogenen zurück ins Emsland, um Freunde und Verwandte zu besuchen. „Viele von ihnen sind potentielle Fachkräfte“, sagt Overberg. Um die heimischen Besucher anzusprechen, schaltet er gezielt vor diesen Feiertagen Anzeigen in Regionalzeitungen. Mit diesen will er in erster Linie nicht die Aufmerksamkeit der jungen Fachkräfte wecken, sondern die der Eltern und der Verwandten. „Sie haben, ebenso wie wir, ein Interesse dran, dass die jungen Menschen zurück in die Region kommen.“ Zwar schreibt niemand an den Feiertagen Bewerbungen, aber die Fachkräfte würden die Anzeigen mit an ihre Arbeitsorte nehmen und sich von dort aus bewerben.

Kindergarten für die Fachkräfte der Zukunft

Regionales Marketing hält Peer Bieber, Geschäftsführer des Recruiting-Unternehmens Headhunter-Light, für die wichtigste Strategie für Hidden Champions und andere Unternehmen Unternehmen in ländlichen Regionen, um trotz Fachkräftemangel Mitarbeiter zu gewinnen. „In der Region sind Unternehmen verwurzelt, sprechen die Sprache der Menschen und sind auch bekannt“, erklärt er. Diese Erfahrung hat auch Kurt Schmalz, Geschäftsführer des Vakuumspezialisten Schmalz gemacht. Das Unternehmen liegt tief im Schwarzwald, in der Gemeinde Glatten. „Hier im Nordschwarzwald sind wir bekannt, deshalb ist es nicht das Problem, Auszubildende und Mitarbeiter aus der Region zu finden“, beschreibt der Geschäftsführer die Situation.

Deutlich schwieriger fällt es dem Unternehmen allerdings qualifizierte Fachkräfte aus Ballungsräumen zu bekommen. „Auch den erfahrenen Ingenieur mit Mitte 30 und knapp zehn Jahren Berufserfahrung suchen wir“, erklärt Schmalz. Um das Unternehmen sowohl für Mitarbeiter aus der Region als auch für Bewerber aus Großstädten attraktiv zu machen, bietet Schmalz neben Fortbildungs- und Gesundheitsprogrammen auch zahlreiche Möglichkeiten für Freizeitaktivitäten, unter anderem ein firmeneigenes Beachvolleyballfeld, an.

Besonders wichtig ist dem Unternehmer Schmalz die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Gemeinsam mit lokalen Kooperationspartnern hat er deshalb Anfang des Jahres nur wenige Meter vom Firmengelände entfernt die „Schmalz Kinderwelt“ eröffnet. Zwei Erzieherinnen und eine Tagesmutter betreuen täglich bis zu neun Kleinkindern zwischen 6 und 18 Uhr. Rund 200.000 Euro investierte Schmalz in das Projekt.

Weniger Geld, mehr Netto für die Fachkräfte

Mittelständler wie Kampmann und Schmalz bieten ihren Mitarbeitern neben Gehalt zusätzliche erfolgsabhängige Prämien und Boni. „Wir haben attraktive Entlohnungssysteme und zahlen marktüblich“, darin sind sich Schmalz, Overberg und auch Rainer Hundsdörfer, Vorsitzender der Geschäftsführung bei Ebm-Papst einig. Aber sie wissen auch, dass sie als ländliches Unternehmen mit den Gehältern der großen Maschinenbau- und Automobilkonzerne nicht mithalten können. „In Großstädten und Ballungszentren im Westen des Landes werden tendenziell die höchsten Gehälter gezahlt“, erklärt Tim Bögner, Geschäftsführer des Beratungsunternehmens PersonalMarkt, das einmal im Jahr einen Gehaltsbarometer für Deutschland veröffentlicht. „Das Leben dort ist aber auch um ein Vielfaches teurer“, entgegnet Geschäftsführer Hundsdörfer. „Bei uns auf dem Land  können sich die Mitarbeiter bei ähnlichem Lohn einen besseren Lebensstandard leisten“, erklärt  er.

Bei Ebm-Papst ist die Suche nach den richtigen Fachkräften kein Thema, das erst in den vergangenen zehn Jahren aktuell wurde. Mehr als 1.000 Mitarbeiter pendeln täglich aus den umliegenden Ortschaften nach Mulfingen im Norden Baden-Württembergs. Hierfür hat das Unternehmen einen eigenen Bus-Service eingerichtet. Seit mehr als 40 Jahren bringen 33 Buslinien Mitarbeiter zur Früh-, Mittel- und Spätschicht in das Werk. Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ist Ebm-Papst nur schlecht zu erreichen. „Ich denke, ohne diesen Service würden wir die Mitarbeiter nicht bekommen“, sagt Hundsdörfer. Rund eine Million Euro kosten die Buslinien das Unternehmen jährlich. Hundsdörfer kennt aber noch einen weiteren Vorteil, den nicht nur Ebm-Papst, sondern auch viele andere Mittelständler für Fachkräfte interessant macht: „Wir bieten ein viel breiteres Arbeitsumfeld. Bei uns heißt es nicht ‚einmal Türscharnierentwickler, immer Türscharnierentwickler‘.“