Mittwoch, 05.12.2012
Personal

Fachkräftemangel: Die großen und kleinen Lösungen der Frau O.

Gehalt ist nicht alles. Gerade kleinere mittelständische Unternehmen können in Sachen Lohn bei größeren Wettbewerbern mit Tarifbindung nicht mithalten. Sie können als Arbeitgeber aber trotzdem attraktiv sein.

Ja, den Fachkräftemangel spürt das Unternehmen Alwin Otten GmbH deutlich. „Wir müssen Aufträge ablehnen, weil wir kein Personal finden“, beschreibt Inge Otten, Personalleiterin des Kältetechnikunternehmens Otten, die Situation. Ihr Unternehmen liegt in Meppen, im Emsland. In dem Landstrich sind Fachkräfte besonders rar. Jugendliche müssen zum Studium die Region verlassen, hinzu kommt, dass sich das Emsland, das einstige Armenhaus Deutschland gewandelt hat. Neben der Meyer-Werft in Papenburg hat sich im gesamten Emsland eine mittelständische Struktur angesiedelt. Der Wettbewerb um die richtigen Fachkräfte ist groß.

Mit 4-Tage-Woche gegen den Fachkräftemangel

Für die Otten GmbH arbeiten rund 60 Mitarbeiter. An einen Tarifvertrag ist das Unternehmen nicht gebunden. Nur mit Blick auf die Wochenarbeitszeit und das Gehalt sind Wettbewerber des Betriebs für Fachkräfte attraktiver. Das weiß auch Otten. „Unsere Mitarbeiter arbeiten 40 Stunden pro Woche, häufig auch mehr“, erklärt sie. Um die richtigen Fachkräfte trotzdem zu finden, muss sie sich etwas einfallen lassen.Das hat sie auch.

Eine Idee ist die 4-Tage-Woche. „Statt an fünf Tagen acht Stunden pro Tag zu arbeiten, arbeiten unsere Mitarbeiter an vier Tagen zehn Stunden“, erklärt Otten. Da das Unternehmen im Zwei-Schicht-Betrieb organisiert ist und eine Schicht jeweils den Montag und die andere Schicht jeweils den Freitag frei hat, stehen immer Mitarbeiter zur Verfügung. Otten beschreibt: „Für die Mitarbeiter ist das attraktiv, weil sie immer ein langes Wochenende haben.“ Gleichzeitig sind die Mitarbeiter aber nicht nur acht Stunden täglich, sondern zehn für Kunden erreichbar.

Lebensarbeitszeit

Da gerade in Sommermonaten Überstunden anfallen, hat das Unternehmen Lebensarbeitszeitkonten eingeführt. Jeder Mitarbeiter, der über Überstunden umgeandelt 300 Euro anspart, erhält vom Unternehmen 300 Euro zusätzlich auf das Lebensarbeitszeitkonto. Otten hält diese gerade bei langjährigen Mitarbeitern, die schon viel angespart haben, für ein gutes Mittel, um die Mitarbeiter an das Unternehmen zu binden. So können Mitarbeiter früher in Rente gehen oder sich eine längere Auszeit nehmen. Otten schränkt jedoch ein, dass ein Sabbatical nur möglich ist, wenn es der betriebliche Ablauf erlaubt.

Auch über den demografischen Wandel denkt die Mitinhaberin bereits nach. Ihre Strategie ist dabei ganz mittelständisch. Sie setzt auf die eigene Ausbildung. Über zehn Azubis bildet der Betrieb jährlich aus. Da die Bewerberzahlen rückläufig sind und die Leistungen ebenfalls abnehmen, hat das Unternehmen einen eigenen Berufsschullehrer eingestellt. „Einmal die Woche erhalten unsere Auszubildenden drei Stunden Zusatzunterricht“, erklärt Otten.

Praktische Lösungen gegen den Fachkräftemangel

Neben diesen Instrumenten gegen den Fachkräftemangel setzt Otten auch auf ganz praktische Lösungen. Jedem Mitarbeiter, der Mutter oder Vater wird, gratuliert sie persönlich und bringt ein kleines Geschenk zu ihnen nach Haus. Damit auch die Partner und Kinder wissen, wie das Unternehmen und der Alltag aussieht veranstaltet der Betrieb einmal jährlich einen Tag der offenen Tür für die Familie.Außerdem unterstützt das Unternehmen die Mitarbeiter mit kleinen Dingen. Projektmitarbeiter können etwa von zuhause aus Arbeiten und Monteure können sich Firmeneigentum wie etwa einen Anhänger für einen Umzug ausleihen.

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