Donnerstag, 10.10.2013
Mit dem dualen Studium sichern sich auch Mittelständler langfristig Fachkräfte.

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Mit dem dualen Studium sichern sich auch Mittelständler langfristig Fachkräfte.

Personal
Checkliste Duales Studium: Wie Mittelständler profitieren

Fachkräftemangel: Duales Studium sichert Fachkräfte

Unternehmen, die ein duales Studium anbieten, sichern sich langfristig Fachkräfte. Auch Mittelständler profitieren vom dualen Studium und können sich damit gegen den Fachkräftemangel absichern. Wie sie das Konzept richtig umsetzen und was zu beachten ist.

Das duale Studium galt lange als Erfolgsrezept großer Unternehmen, um dem Fachkräftemangel entgegen zu wirken. Dies hat sich jedoch längst geändert. Heute kommen rund ein Drittel aller Unternehmen, die ein duales Studium anbieten, aus dem Mittelstand. Denn besonders für Mittelständler lohnt sich die Ausbildung dualer Studenten, um langfristig anspruchsvolle Führungspositionen zu besetzen und die Absolventen frühzeitig an das Unternehmen zu binden. „Duale Studenten bringen große Vorteile für die Unternehmen mit sich und beugen dem Fachkräftemangel vor“, erklärt Jochen Goeser, Projektsprecher „Ausbildung Plus“ im  Arbeitsbereich ‚Übergänge in Ausbildung und Beruf, Berufsorientierung / Berufsorientierungsprogramm‘ des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB). Er ergänzt: „Durch die praktische Erfahrung aus der Ausbildung sind die dualen Studenten sofort einsetzbar und verursachen nur geringe Einarbeitungskosten.“ Allerdings gilt: Mittelständler, die ein duales Studium anbieten wollen, sollten Folgendes beachten.

Personalentwicklung gegen Fachkräftemangel

„Das Wichtigste ist das richtige Personalentwicklungskonzept“, sagt Goeser. Er betont, dass Unternehmen sich damit auseinander setzen müssen, welche Aufgaben duale Studenten übernehmen sollen und welche Studiengänge für das Unternehmen geeignet sind. Der ausgewählte Studiengang, der von kooperierenden Hochschulen durchgeführt wird, muss mit dem Ausbildungsinhalt kompatibel sein. Claudia Gläser, Geschäftsführerin der Gläser GmbH, die selbst duale Studenten ausbildet, nutzt diese Flexibilität des Modells und bietet in ihrem Unternehmen immer unterschiedliche Studiengänge an. So hat sie bereits Konstrukteure, Wirtschaftsingenieure und Betriebswirtschaftler ausgebildet. „In den Praxisphasen sehen wir früh, welche Stärken und Schwächen eine Person mitbringt. So können wir die Absolventen nach der Ausbildung ganz gezielt einsetzen“, sagt sie.

Unternehmen müssen jedoch bereit sein, Zeit und Vergütung zu investieren. „Langfristig lohnt sich diese Investition für Unternehmen jedoch“, sagt Goeser. Gläser bestätigt dies. Den Kostenaufwand beschreibt sie als ähnlich zu einem normalen Ausbildungsplatz. Jedoch brächten duale Studenten einen Mehrwert für das Unternehmen, da sie neben der Ausbildung noch theoretisches Wissen an der Hochschule erwerben. Besonders in anwendungsbezogenen Fachgebieten ist ein duales Studium sinnvoll. Einen hohen Anwendungsbezug gibt es auch in der Industrie- und IT-Branche, die seit Jahren unter dem Fachkräftemangel leiden. Hier kann ein duales Studium Anreize setzen, denn dieses ist bei Studenten und Auszubildenden beliebt. Gerade Mittelständler könnten so ihre Attraktivität steigern, rät der Experte.

Fachkräfte durch angemessene Stelle halten

Unternehmen, die darüber nachdenken, ein duales Studium anzubieten, rät Goeser, ein klares Konzept aufzustellen. Außerdem müssten Unternehmen sicher gehen, dass sie dem Absolventen langfristig eine der Qualifikation entsprechenden Stelle bieten könnten. Schließlich ist es wichtig kooperierende Hochschulen zu finden. „Der Aufwand ist hoch. Deshalb lohnt sich die Umsetzung nur, wenn ein Unternehmen auf Dauer ein duales Studium anbieten möchte“, erklärt Goeser. So wie die Gläser GmbH, die seit über 20 Jahren duale Studenten ausbildet: „Besonders für den Mittelstand ist es wichtig, geeigneten Nachwuchs zu finden, diesen selbst auszubilden und an die Firma zu binden.“ Denn der Fachkräftemangel ist gerade im Mittelstand ein großes Thema.

Einen Malus beklagt Gläser jedoch: Gerade mittelständische Unternehmen laufen Gefahr, die nach der Ausbildung hochqualifizierten Fachkräfte zu verlieren. Denn es kommt vor, dass sie zu attraktiveren Großunternehmen abwandern. „Wichtig ist es, mit den Absolventen zu sprechen und zu versuchen, ihre Anforderungen zu erfüllen“, sagt Gläser. Denn ihre gut ausgebildeten Fachkräfte einfach ziehen zu lassen, kommt für sie nicht in Frage: „Am liebsten würde ich sie wie Top-Fußballer verkaufen.“ Da das jedoch nicht geht, versucht sie es frühzeitig mit Gesprächen. Auch Goeser unterstützt diese Strategie: „Damit die Auszubildenden im Unternehmen bleiben, ist es wichtig ihnen adäquate, interessante Tätigkeiten zu geben und auf ihre Bedürfnisse einzugehen.“

1. BedarfPrüfen Sie, ob intern Bedarf für eine Position mit entsprechender Qualifikation besteht und die Möglichkeit, dem Absolventen eine langfristige Perspektive im Unternehmen zu bieten. Dies hilft, Fachkräfte zu sichern und Fachkräftemangel vorzubeugen.

Quelle: elmechanico122. EignungGrundsätzlich eignet sich jedes Unternehmen, unabhängig von seiner Größe. Inhaltlich und personell muss Ihr Unternehmen jedoch so aufgebaut sein, dass es eine berufspraktische Ausbildung gemäß des Studienplans ermöglichen kann.

Quelle: Röhm GmbH/ wikicommons3. UnternehmensgrößeKleinen Unternehmen fehlen zum Teil die Ressourcen, um ein duales Studium zu ermöglichen. Möchten Sie trotzdem ein duales Studium anbieten, kann eine Kooperation mit anderen Unternehmen sinnvoll sein.

Quelle: Thinkstock4. AnsprechpartnerVoraussetzung ist, dass Sie dem Studenten eine Ansprechperson bieten, die ihm im Betrieb zur Seite steht und Fragen bezüglich der Studieninhalte beantworten kann.

Quelle: KFW Bildarchiv/ photothek.net5. AusbildungIst eine Berufsausbildung in einem anerkannten Ausbildungsberuf mit im Studium integriert, muss ihr Unternehmen die Eignungskriterien für diesen Beruf erfüllen (gemäß Berufsbildungsgesetz) und dem Absolventen eine Prüfung vor der zuständigen Kammer ermöglichen.

Quelle: Thinkstock