Dienstag, 03.12.2019

Foto: Schuler Group

Halb Theorie, halb Praxis: Am Ausbildungszentrum der Schuler Group in Mexiko lernen künftige Mechatroniker, Industrie- und Werkzeugmechaniker.

Personal
Berufsschule in Eigenregie

Duale Ausbildung in Mexiko: Kampf gegen Fachkräftemangel im Ausland

Mangels staatlicher Initiativen nahm die Schuler Group die duale Ausbildung von Mitarbeitern für ihr Mexiko-Geschäft selbst in die Hand. Über die Jahre strickte der Hidden Champion aus dem Werkzeug gegen den Fachkräftemangel sogar ein eigenes Geschäftsmodell.

Manche unternehmerischen Probleme sind standortspezifisch, andere überall akut. Der Fachkräftemangel gehört in die zweite Kategorie. So sind beispielsweise Mechatroniker in Mexiko absolute Mangelware, erlebte das Umformtechnikunternehmen Schuler im Rahmen der eigenen Internationalisierung am eigenen Leib. Auch Industrie- und Werkzeugmechaniker für den mexikanischen Standort suchten die Verantwortlichen des Hidden Champion lange vergeblich.

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Die Schuler Group aus Göppingen beliefert weltweit alle großen Automobilkonzerne und deren Zulieferer, der Jahresumsatz liegt bei 1,2 Milliarden Euro. Produziert wird in Brasilien und China, in Mexiko gibt es drei Standorte mit Service-Werkstatt. Hier reparieren Mitarbeiter Pressen für den internationalen Automobilsektor ebenso für Verpackungsunternehmen und die Luft- und Raumfahrtbranche. Zwei Drittel der angestellten Schuler-Mitarbeiter in Mexiko sind Techniker. 

Ausbildungszentrum statt Berufsschule

Da viele deutsche Unternehmen ihren Fachkräftebedarf in Mexiko nicht decken können, berät und unterstützt die Zentralstelle der Bundesregierung für internationale Bildungskooperation (Govet) Mexiko bei der Reform des lokalen Berufsbildungssystem. 2012 sprach die Deutsch-Mexikanische Auslandshandelskammer (Camexa) deutsche Unternehmen vor Ort an, sich daran zu beteiligen, Elemente des deutschen dualen Berufsbildungssystems in Mexiko einzuführen.

Die Schuler-Unternehmensleitung war sofort überzeugt und richtete – statt auf die Beteiligung einer örtlichen Berufsschule zu warten – zudem ein eigenes Ausbildungszentrum ein. Seitdem bildet das Unternehmen Industriemechaniker, Mechatroniker und Werkzeugmechaniker nach deutschen Berufsstandards aus, etwa 120 junge Leute haben die duale Ausbildung schon erfolgreich abgeschlossen. Drei Jahre dauert sie, jeweils die Hälfte der Zeit verbringen die Azubis in der Schule beziehungsweise im Betrieb. 

Erfolg gibt Recht: Duale Azubis sind produktiver

„Vor Beginn der Ausbildung verpflichten sie sich vertraglich, nach Abschluss mindestens zwei Jahre für unser Unternehmen zu arbeiten“, berichtet Irving Maciel, Leiter des Ausbildungszentrum namens Cedual. Alle eingesetzten Berufslehrer sind von deutschen Auslandshandelskammern nach Qualitätsstandards ihres Dachverbandes DIHK zertifiziert, Lehr- und Prüfinhalte ebenfalls. „Auch die Lehrliteratur importieren wir aus Deutschland“, berichtet Maciel. Die präzise Übersetzung ins Spanische koordiniert die Deutsch-Mexikanische Auslandshandelskammer auf Grundlage eines technischen Wörterbuchs mit Fachbegriffen, das Schuler selbst erstellt hat und ständig überarbeitet.

Der Erfolg mit den hochwertig ausgebildeten Fachkräften stellte sich schnell ein und sprach sich unter anderen deutschen Unternehmen herum: Sie können im Unternehmen besser eingesetzt werden und sind produktiver als die vorher eingestellten Hochschulabsolventen. Mittlerweile hat Schuler aus der dualen Berufsbildung ein eigenes Geschäftskonzept gestrickt: Am Cedual bildet das Unternehmen nicht nur Fachkräfte für den Eigenbedarf aus, sondern auch für Kunden und Partnerunternehmen – hauptsächlich aus Deutschland.