Mittwoch, 28.05.2014
Fachkräfte Schwellenländer

KfW-Bildarchiv / Fotoagentur: photothek.net

Der Fachkräftemangel wird auch in den Schwellenländern zunehmen - Unternehmer sehen ihre Wachstumschancen gefährdet.

Personal
Unternehmenswachstum in BRIC-Staaten gefährdet

Fachkräftemangel in Schwellenländern nimmt zu

Der Mangel an qualifizierten Arbeitskräften macht auch vor den Wachstumsmärkten nicht halt. In den BRIC-Staaten fürchten Unternehmer deshalb um ihre Wachstumschancen.


Lange Zeit war der Fachkräftemangel vor allem in Deutschland das beherrschende Thema. Doch einige Indikatoren deuten darauf hin, dass auf die Unternehmen auch in den Schwellenländern wie China, Indien oder Russland in den kommenden Jahren gravierende Personalengpässe zukommen. 63 Prozent der in der Studie „PwC Global CEO Outlook“ vom Beratungshaus PwC befragten Unternehmensleiter glauben, aus diesem Grund ihr angestrebtes Wachstum in den kommenden Jahren nicht erreichen zu können. Ähnlich hoch (61 Prozent) war dieser Wert zuletzt im Vorkrisenjahr 2008 (siehe Grafik unten). In Indien mit 81 Prozent, Russland mit 85 Prozent und Südafrika mit 87 Prozent ist die Sorge der Unternehmer besonders groß, die richtigen Fachleute zu finden.

Anteil der CEOs, die sich Sorgen um die Verfügbarkeit von Fachkräften machen.

Anteil der CEOs, die sich Sorgen um die Verfügbarkeit von Fachkräften machen.


Seit der Finanzkrise im Jahr 2008 holen die Schwellenländer gegenüber den Industriestaaten wirtschaftlich weiter auf. Diesen Trend zeigt der Weltarbeitsmarktbericht 2014 der International Labour Organization (ILO) auf. So ist der UN-Organisation zufolge zwischen 1980 und 2011 das Pro-Kopf-Einkommen in den Entwicklungsländern durchschnittlich um 3,3 Prozent gewachsen. In den Industriestaaten habe die Zunahme lediglich 1,8 Prozent betragen. Die Migration in Richtung der Industrieländer hat sich dementsprechend auch etwas verlangsamt, was die ILO als Folge der Finanz- und Wirtschaftskrise wertet. Ein starkes Einkommensgefälle gilt nach wie vor als Hauptgrund für Migranten, ihr Heimatland zu verlassen.

Fachkräftemangel treibt Lohnkosten

Der zunehmende Mangel an qualifiziertem Personal wird allerdings dazu führen, dass die Schere bei den Lohnkosten zwischen den Schwellenländern und den Industriestaaten auch in den kommenden Jahren noch weiter zusammengeht. In China und Indien rechnen bereits zwei Drittel der Manager mit steigenden Personalkosten. Trotzdem prognostiziert PwC einen flacheren Anstieg der Lohnkurve in Indien als in China (siehe Grafik). Dies mag auch auf die bevorstehende Bevölkerungsexplosion in Indien zurückzuführen sein: Bis 2050 soll der Zahl der arbeitenden Bevölkerungsklasse (15 bis 64 Jahre) von etwa 800 Millionen im Jahr 2010 auf über 1,1 Milliarden anwachsen. In China soll sie hingegen von etwa 1 Milliarde im Jahr 2010 auf etwa 850 Millionen zurückgehen.

Lohnentwicklung in den Schwellenländern im Vergleich (Referenzwert USA = 100).

Lohnentwicklung in den Schwellenländern im Vergleich (Referenzwert USA = 100).

Neueinstellungen geplant

Trotz der zunehmenden Schwierigkeiten bei der Suche nach geeignetem Personal planen die Unternehmer in den Schwellenländern, im laufenden Jahr neues Personal einzustellen. Die in der PwC-Studie berechnete Netto-Einstellungsabsicht der CEOs, die sich auch jenen, die Personal-Neueinstellungen planen abzüglich jenen, die Personal-Freistellungen planen, errechnet, liegt global bei 30 Prozent. Deutlich über diesem Durchschnittswert liegen die Rekrutierungsabsichten in den ASEAN-Staaten mit 54 Prozent, in China mit 53 Prozent oder in Indien mit 44 Prozent. Deutschland liegt bei 34 Prozent. Deutlich weniger stark wird der Zuwachs in Brasilien (23 Prozent), Russland (10 Prozent) und Südafrika (6 Prozent) sein. Die gefragtesten Brachen sind der Untersuchung zufolge wirtschaftsnahe Dienstleistungen, Versicherungswesen, Technologie und Energiewesen.

Für die PwC-Studie wurden insgesamt mehr als 1.300 Unternehmensentscheider in 68 Ländern befragt. Die Interviews fanden im Zeitraum September bis Dezember 2013 statt.