Donnerstag, 22.08.2013
Die Bau- und Energiebranche leidet besonders unter dem Fachkräftemangel.

Thinkstock / Getty Images

Die Bau- und Energiebranche leidet besonders unter dem Fachkräftemangel.

Personal
Fachkräftemangel

Fachkräftemangel kostet Milliarden

Mittelständische Unternehmen in Deutschland verlieren Milliarden durch den Fachkräftemangel. Besonders Bau- und Energiebranche leiden und fehlendem Personal.

Der Fachkräftemangel hat die mittelständischen Unternehmen in Deutschland nach wie vor fest im Griff und schafft kostspielige Probleme. Wie die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young in ihrem aktuellen Mittelstandsbarometer berichtet, ist derzeit nur jedes vierte Unternehmen in der Lage gut ausgebildete Fachkräfte zu rekrutieren. Als Folge dieses Fachkräftemangels entstehen den Unternehmen demnach Umsatzeinbußen in Milliardenhöhe. Für die Studie wurden 3.000 mittelständische, nicht kapitalmarktorientierte Unternehmen aus den Bereichen Dienstleistung, Handel, Industrie-, Bau- und Energiewesen befragt, von denen 74 Prozent erklärten, dass es ihnen „eher schwer“ oder sogar „sehr schwer“ falle, qualifizierte Mitarbeiter zu finden.

„Wie leicht oder schwer fällt es Ihrem Unternehmen derzeit, neue und ausreichend qualifizierte Mitarbeiter zu finden?“

Fachkräftemangel drückt Umsätze

Die fehlenden Fachkräfte führen bei vielen mittelständischen Unternehmen zu sinkenden Umsätzen. Wie die Studienteilnehmer erklärten, sehen 53 Prozent von ihnen ihre Umsätze als direkte Folge des Fachkräftemangels bedroht. Nur 47 Prozent erwarten keine negativen Auswirkungen. Ernst & Young geht von Einbußen von bis zu 33 Milliarden Euro aus.

Besonders im Bau- und Energiebereich gestaltet sich die Suche nach Fachkräften extrem schwierig, hier haben sogar 80 Prozent der befragten Unternehmen massive Schwierigkeiten bei der Suche nach Personal. Die Sorge vor Umsatzeinbußen ist hier ebenfalls stärker ausgeprägt. Auch Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln, kommt zu einem ähnlichen Ergebnis wie die aktuelle Studie. Seiner Ansicht nach stellt der Fachkräftemangel kein allgemeines Problem der deutschen Wirtschaft dar, sondern betrifft vor allem ausgewählte Branchen und Qualifikationen. Besonders in den Bereichen Mathematik, Ingenieurs-, Naturwissenschaften und Technik sei die Lücke mit derzeit rund 210.000 fehlenden Fachkräften so groß wie noch nie zuvor.

Nicht nur Fachkräftemangel belastet Mittelstand

Neben den fehlenden Fachkräften belasten noch weitere Faktoren die Zukunftsaussichten der mittelständischen Unternehmen in Deutschland. Insgesamt führt dies dazu, dass sich die Gesamtbeurteilung der wirtschaftlichen Lage im Vergleich zum August 2012 eingetrübt hat. Derzeit beurteilen nur noch 85 Prozent der Studienteilnehmer die eigene Lage als „gut“ oder „eher gut“, im August 2012 waren es noch 92 Prozent. Hinzu kommt, dass immer mehr Unternehmen eine existentielle Bedrohung für Ihr Unternehmen sehen, falls es zu einer sechsmonatigen Wirtschaftsflaute kommen sollte. Derzeit geht ein Drittel der befragten Mittelständler in diesem Fall von einer substantiellen Bedrohung für ihr Unternehmen aus.

Ein besonderes Problem sehen mittelständische Unternehmen in Deutschland derzeit in den hohen Energie- und Rohstoffpreisen (70 bzw. 69 Prozent). Auch die Verunsicherung durch die Eurokrise nehmen 70 Prozent der Studienteilnehmer als Bedrohung für die wirtschaftliche Lage in Deutschland wahr. Ein Auseinanderbrechen der Eurozone halten immerhin 30 Prozent der Befragten für wahrscheinlich.

„Inwiefern stimmen Sie den folgenden Aussagen zu?"

Unsicherheit hemmt Investitionen

Investitionen und Neuanstellungen stehen derzeit bei vielen mittelständischen Unternehmen nicht im Fokus. 66 Prozent der Befragten wollen sich primär auf die Sicherung der eigenen Stabilität konzentrieren. Bevorzugte Maßnahmen sind dabei Kosteneinsparungen (48 Prozent) und Wachstumsinitiativen (47 Prozent).

Prognosen über einen erneuten Aufschwung sind derzeit schwierig. 43 Prozent der befragten Mittelständler wollten keine Prognose abgeben, ein Viertel rechnet binnen der nächsten zwei Jahre mit einem Aufschwung und ein weiteres Viertel bis spätestens in drei Jahren. Für 2013 rechnet knapp die Hälfte der Studienteilnehmer mit Stagnation, jeweils ein Viertel rechnen mit einer Verbesserung oder Verschlechterung der Weltwirtschaft.