Donnerstag, 09.02.2017
Alleine im Kraftfahrzeugbau haben fast 90 Prozent der Unternehmen Probleme, offene Stellen zu besetzen.

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Leere Plätze: Alleine im deutschen Kraftfahrzeugbau haben fast 90 Prozent der Unternehmen Probleme, offene Stellen zu besetzen.

Personal
EY-Mittelstandsbarometer

Fachkräftemangel kostet Mittelstand 50 Milliarden Euro Umsatz

Die größten Sorgen macht sich der deutsche Mittelstand nicht um einen Abschwung oder politische Spannungen. Das Topthema ist vielmehr der sich zuspitzende akute Fachkräftemangel. Dadurch geht den Unternehmen immer mehr Geld verloren.

Obwohl ein Drittel der Unternehmen offene Stellen hat, schaffen es 78 Prozent nicht mehr, ausreichend qualifizierte Mitarbeiter zu finden. Im Jahr 2015 waren es 67 Prozent. Als Konsequenz können die Unternehmen Aufträge nicht annehmen, deren Umsatz das Mittelstandsbarometer der Wirtschaftsprüfergesellschaft Ernst & Young (EY) auf rund 50 Milliarden Euro beziffert. Die Einnahmen der Unternehmen würden dadurch stark verringert, so dass es immer mehr Konkurse gebe, heißt es in der Studie. Für die Analyse wurden 3.000 mittelständische Unternehmen befragt.

Die Situation ist allerdings je nach Beruf und Abteilung unterschiedlich. Im Kraftfahrzeugbau und in der Elektrotechnik haben 89 bzw. 84 Prozent der befragten Unternehmen Probleme, qualifizierte Mitarbeiter zu rekrutieren. Nach Angaben der Befragten gibt es die meisten offenen Stellen jedoch im Vertrieb, im Kundendienst (je 50 Prozent) und zum Teil in den IT-Abteilungen (15 Prozent). Dort scheint der Fachkräftemangel für den Mittelstand das größte Risiko – noch vor einem möglichen Konjunkturabschwung, Hackerangriffen oder zunehmenden geopolitischen Spannungen.

Die gute Nachricht: Trotz des Fachkräftemangels ist der allgemeine Stand der deutschen Geschäftslage zum Beginn des neuen Jahres sehr gut. 59 Prozent der Mittelständler sind dem Mittelstandsbarometer uneingeschränkt zufrieden. Das ist der höchste Anteil seit 13 Jahren. Auch die Aussichten sind positiv: Nur 7 Prozent der befragten Unternehmen rechnen mit sinkenden Umsätzen in den nächsten sechs Monaten.