Mittwoch, 24.02.2016
Der Fachkräftemangel im Mittelstand nimmt 2016 zu.

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Der Fachkräftemangel im Mittelstand nimmt 2016 zu.

Personal
Neue Studie 2016

Fachkräftemangel nimmt weiter zu

Der Fachkräftemangel löst bei Mittelständlern Angst und Schrecken aus. Tatsächlich besteht 2016 mehr denn je Grund zur Sorge.

Das belegen aktuelle Zahlen einer StepStone-Studie. Demnach hat sich die Anzahl an unbesetzten Stellen für Fachkräfte schon im Januar dieses Jahres wieder erhöht und hat sogar den höchsten Stand der vergangenen vier Jahre erreicht. Laut dem Fachkräfteatlas der Online-Jobbörse StepStone verzeichnet die Nachfrage nach qualifizierten Mitarbeitern damit ein Allzeithoch seit Beginn der Messung im Jahr 2012.

Fachkräftemangel im Finanzsektor besonders stark: Im Vergleich zu den anderen Branchen enorm gestiegen ist der Personalbedarf bei Ärzten, Marketingexperten sowie Personal- und Finanzfachleuten. Die Zahl der offenen Stellen hat sich hier in Relation zum ebenfalls starken Vorjahreszeitpunkt nochmals um rund 10 Prozent erhöht. Auch die Nachfrage nach Pflegepersonal hat im letzten Jahr mehrfach Spitzenwerte erreicht. „Vor diesem Hintergrund entstehen aktuelle Tarifdebatten wie die Forderungen der Gewerkschaft Verdi, Gehälter im öffentlichen Dienst unter anderem für Pflegekräfte und Krankenhauspersonal deutlich zu steigern", erklärt Anastasia Hermann, Arbeitsmarkt-Expertin bei StepStone. „Wo die Nachfrage hoch und das Angebot an qualifiziertem Personal knapp ist, greifen auch bei Gehältern die bekannten Mechanismen der Marktwirtschaft."

Fachkräftemangel: Steigende Konkurrenz

Der zunehmende Fachkräftemangel führt dazu, dass auch immer mehr Mittelständler in direkter Konkurrenz um die begehrten Fachkräfte stehen. Denn unter Fach- und Führungskräften herrscht in Deutschland bereits nahezu Vollbeschäftigung. „Unternehmen stehen längst im Wettbewerb um Mitarbeiter mit erfolgsentscheidenden Schlüsselqualifikationen", weiß auch Hermann.

„Daher werden in Zukunft auch Fachkräfte eine größere Rolle spielen, die bisher noch nicht so sehr im Fokus der Arbeitgeber standen. Das gilt für qualifizierte Fachkräfte, die aktuell als Flüchtlinge nach Deutschland kommen. Aber auch zum Beispiel für Frauen, die aufgrund fehlender Rahmenbedingungen in Teilzeit tätig sind, obwohl sie lieber in Vollzeit arbeiten würden", sagt Hermann.

Moped gegen Fachkräftemangel

Das Logistikunternehmen Harder Logistics aus Neu-Ulm reagiert kreativ auf den Mangel an gewerblichen Auszubildenden für das noch junge Berufsbild als Fachkraft für Möbel-, Küchen- und Umzugsservice. Denn mit klassischen Ausschreibungen kommt das Unternehmen wie viele andere in der Region nicht weiter. Seit fast drei Jahren sind die Stellen unbesetzt.

Eine der Maßnahmen ist inspiriert aus den 60er Jahren, als der millionste Gastarbeiter mit einem Moped in Deutschland begrüßt wurde. Die gewerblichen Auszubildenden bei Harder erhalten künftig für die Dauer der Ausbildung ein umweltschonendes Elektromoped. Wer die Ausbildung erfolgreich abschließt und anschließend übernommen wird, darf es behalten.

Zu den Inhalten, die in der Ausbildung vermittelt werden, zählt eine kleine Küchenschreinerlehre, Grundlagen aus dem Bereich Elektrik und Installation sowie Aufbau und Anpassung von komplexen Systemmöbeln beispielsweise Schrankwänden. Auf einen kaufmännischen Ausbildungsplatz kommen bei Harder nach eigenen Angaben im Durchschnitt 60 bis 80 Bewerber, im Vergleich dazu liege die Bewerberquote im gewerblichen Bereich zwischen 1 und 10.