Montag, 02.07.2012
Personal
Outsourcing

Fallstricke beim Outsourcing

Die Konzentration auf das Kerngeschäft wird für den Mittelstand immer wichtiger. Wer Firmenteile outsourct, muss auch arbeitsrechtliche Schritte beachten, sonst kann es teuer werden.

Die Konzentration auf das Kerngeschäft wird für den Mittelstand immer wichtiger. Wer Firmenteile outsourct, muss auch arbeitsrechtliche Schritte beachten, sonst kann es teuer werden.
Die Kostenschraube ist für Unternehmen der Hauptgrund, warum sie über Outsourcing von Firmenteilen nachdenken. Aktuell denken 78 Prozent aller Firmenentscheider über das Auslagern von Firmenteilen nach. Einer Studie von Steria Mummert zufolge ist dies ein Anstieg im Vergleich zum Vorjahr um zehn Prozentpunkte.
Wer aber Teile auslagert und gleichzeitig Services von Dienstleistern einkauft, muss auch arbeitsrechtliche Bedingungen beachten, sonst kann sich die Kostenschraube schnell nach oben drehen.

Hürde 1: Betriebsübergang

Die erste Frage, die sich bei der Auslagerung von Firmenteilen stellt lautet: Handelt es sich bei dem Verkauf um einen Betriebsübergang. Ist dies der Fall, müssen sich vor allem der Käufer des Firmenteils über arbeitsrechtliche Konsequenzen bewusst sein.
Verkauft ein Unternehmen eine gesamte wirtschaftliche Einheit und bleibt die Identität dieses Teils auch nach dem Verkauf erhalten, handelt es sich um einen Betriebsübergang. Dies bedeutet für die Arbeitnehmer gleichzeig ein Wechsel des Arbeitgebers. Entweder der bisherige oder der neue Inhaber müssen die Mitarbeiter informieren. Diese Schreiben muss strengen rechtlichen Vorgaben genügen (Siehe Kasten). Ist es fehlerhaft oder unvollständig können die betroffenen Mitarbeiter innerhalb einer einmonatigen Frist dagegen klagen. Nach Ablauf der Frist ist für das Unternehmen klar absehbar, welche Mitarbeiter nach dem Outsourcing im Unternehmen bleiben werden und wer zu dem neuen Inhaber wechseln wird.

Info

Betriebsübergang: Informationspflicht an die Mitarbeiter


Wer: Bisheriger oder neuer Firmenbesitzer an die Mitarbeiter

 


Was: -    Zeitpunkt des Übergangs
-    Grund
-    rechtliche Folgen
-    wirtschaftliche und soziale Konsequenzen
Form:  
-    schriftlich

Konsequenzen:
-    ab Erhalt des Informationsschreibens können Arbeitgeber einen Monat gegen Übergang  ihres Arbeitsverhältnisses Einspruch einlegen
-    unterbleibt die Informationen kann Schadensersatz eingeklagt werden

Hürde 2: Widerspruch des Mitarbeiters

Werden Firmenteile ausgegliedert, fallen Arbeitsplätze weg und Mitarbeitern wird gekündigt. Hiergegen können Mitarbeiter Einspruch erheben. Es besteht das Risiko, dass entweder der alte Arbeitgeber oder der neue Inhaber des ausgelagerten Firmenteils den Mitarbeiter weiter beschäftigen muss.
Die Kündigung ist rechtens, wenn der Arbeitsplatz wegfällt und auch kein anderer Arbeitsplatz vorhanden ist. Vor der Kündigung muss der Arbeitgeber jedoch eine Sozialauswahl durchführen. So kann es sein, dass nicht der ursprünglich vorgesehene Mitarbeiter entlassen werden kann, sondern ein anderer Mitarbeiter.

Hürde 3: Verkäufer haftet

Beim Outsourcen haftet in erster Linie das Unternehmen, das den Firmenteil verkauft. Neben dem neuen Inhaber haftet dieses auch weiterhin gesamtschuldnerisch für die übergegangenen Arbeitsverhältnisse. Dies gilt für Ansprüche, die vor dem Zeitpunkt des Übergangs entstanden sind und innerhalb eines Jahres fällig werden.
Um das Risiko zu minimieren, kann der Verkäufer mit dem Käufer eine Haftungsfreistellung vereinbaren. Für die Arbeitnehmer gelten damit die gleichen Rahmenbedingungen wie beim alten Arbeitgeber.

Hürde 4: Funktionsnachfolge

Anders als beim Betriebsübergang werden hier nur bestimmte Tätigkeiten ausgelagert und durch einen Dienstleister weitergeführt. Auch in diesem Fall, fallen Arbeitsplätze weg. Sind betriebsbedingte Kündigungen in diesem Fall erlaubt? Handelt es sich hierbei um ein dringendes betriebliches Erfordernis, ist die Kündigung in der Regel rechtens.  Bei Outsourcing handelt es sich um eine freie unternehmerische Entscheidung, erklärten die Richter des Bundesarbeitsgerichts. Allerdings müssen die neuen Vertragsverhältnisse auch tatsächlich bestehen.