Dienstag, 19.03.2013
Personal
Fachkräftemangel

Familienfreundliche Unternehmen: Welche Maßnahme passt?

Familienfreundliche Unternehmen sind attraktiv für potenzielle und bestehende Mitarbeiter. Betriebseigener Kindergarten, Jobsharing oder saisonale Urlaubsphasen - die Palette an familienfreundlichen Maßnahmen für Unternehmen ist groß. Nicht jede Maßnahme passt zu den jeweiligen Betriebsabläufen.

Um auch für Mitarbeiter mit Kindern als attraktiver Arbeitgeber wahrgenommen zu werden, haben sich in der Vergangenheit bereits viele Unternehmen dazu entschieden familienfreundliche Maßnahmen einzuführen. Betriebskindergärten sind seit vielen Jahren ein erfolgreiches und beliebtes Mittel. Große Unternehmen wie Bosch, aber auch mittelständische Unternehmen wie der bayerische Automobilzulieferer Mekra Lang haben einen betriebseigenen Kindergarten aufgebaut. So konnten Fachkräfte im Unternehmen gehalten werden. Doch nur mit einem Betriebskindergarten allein, sind Unternehmen noch nicht attraktiv genug in Zeiten des Fachkräftemangels.

Welche familienfreundliche Maßnahme passt zu welchen Unternehmen?

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Mehr Zeit im Sommer

Um in den Sommerferien Zeit mit ihren Kindern verbringen zu können, können Mitarbeiter des Unternehmens Queisser Pharma über die Wintermonate Überstunden aufbauen. Diese können sie dann dafür nutzen, in den Sommermonaten auf eine 4-Tage-Woche umzustellen, die tägliche Arbeitszeit zu minimieren oder einen längeren Urlaub mit den Kindern zu machen. Personalleiter Holger Klattenhoff erklärt: „Während der produktionsstarken Zeit im Winter arbeiten wir 39 Stunden pro Woche, bei einer Regelarbeitszeit von 37,5 Stunden fließen die Überstunden auf ein Konto.“ Durch den Sommer-Winter- Ausgleich bleibt die Bezahlung das ganze Jahr über gleich.
 
Nicht geeignet für Unternehmen, die das ganze Jahr - Sommer wie Winter - über gleichbleibenden Arbeitsanfall haben.

 

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Job-Sharing

Bei dem Bauunternehmen Baufritz gibt es schon seit über 20 Jahren das sogenannte Job-Sharing. Dabei teilen sich zwei oder mehr Mitarbeiter eine Vollzeitstelle. Überwiegend in den kaufmännischen Bereichen lässt sich diese Methode gut umsetzen. Die größte Herausforderung dabei ist die Kommunikation zwischen den Mitarbeitern, die dafür sorgen müssen, dass Arbeitsprozesse durch einen Personenwechsel nicht verlangsamt oder gar behindert werden. In ein Verwaltungssystem tragen die Mitarbeiter den aktuellen Bearbeitungsstatus eines Projekts ein und schicken sich Übergabe-E-Mails, damit der Ablauf reibungslos verläuft. Dietmar Spitz, Pressesprecher und Marketingleiter von Baufritz, erklärt: „Unsere Mitarbeiter können im kaufmännischen Bereich ihre Arbeitszeit nach Absprache mit Ihrem Bereichsleiter selbst bestimmen. So können Eltern die Erfordernisse der Familien- und Kinderbetreuung  in ihrer Tages- und Wochenplanung berücksichtigen.“ Es gebe auch die Möglichkeit spontan Schichten zu tauschen oder zu verschieben, um kurzfristig beispielsweise auf Arztbesuche der Kinder reagieren zu können, ohne sich dafür extra Urlaub nehmen zu müssen.

Nicht geeignet für Unternehmen, die einen stark personenbezogenen Kundenservice anbieten und auf feste Schichtzeiten angewiesen sind.

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6-Stunden-Tag

Bei diesem Modell reduziert sich die Arbeitszeit täglich von acht auf sechs Stunden. Der Arbeitsplan ist in vier Schichten organisiert, um die Maschinen 24 Stunden am Tag voll belasten zu können. Mitarbeiter in den Schichten arbeiten von Montag bis Samstag täglich 6 Stunden. Freie Tage in der Woche gibt es als Ausgleich für den Wochenenddienst. Vorteil für die Mitarbeiter ist, dass sie unter der Woche mehr Zeit zu Hause verbringen können. Für Unternehmen, die in der Lage sind auf 4-Schicht-Betrieb umzustellen, sind die geringeren Arbeitszeiten eine deutliche Attraktivitätssteigerung. Weiterer Vorteil für Betriebe beispielsweise mit Maschinen ist, dass diese rund um die Uhr durchlaufen. Das steigert die Produktivität.

Nicht geeignet für Unternehmen, in denen kein Schicht-Betrieb möglich ist.

 

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Klasse machen

Das Unternehmen Göcking Konstruktion GmbH hat das Projekt „Klasse machen“ ins Leben gerufen, bei denen die Kinder der Mitarbeiter bis zur 10. Klasse Seminare, Workshops und Hausaufgabenbetreuung angeboten bekommen. So sind die Kinder gut aufgehoben, die Eltern sind schnell bei ihnen, können aber auch in Ruhe ihre Arbeit verrichten. Die Hausaufgabenbetreuung und die Workshops werden von den Azubis durchgeführt. Positiver Nebeneffekt: Die Jugendlichen lernen schon früh die firmeninternen Arbeitsabläufe und die Kollegen der Eltern im Unternehmen kennen, und werden dadurch dem Unternehmen nicht nur näher gebracht, sondern identifizieren sich auch mit ihm. Die Chancen steigen, dass sie das Interesse entwickelt dort eine Ausbildung anzufangen oder sich nach einem Studium dort zu bewerben. „Mit diesem Projekt möchten wir aber nicht nur langfristige, gezielte Nachwuchsförderung betreiben, sondern auch ein Beispiel dafür geben, wie man vor Ort in der Schule Theorie mit Praxis verbinden und Schülern einen Einblick ins Berufsleben vermitteln kann“ heißt es auf der Homepage des Unternehmens.

Nicht geeignet für Unternehmen, die zu weit außerhalb liegen, sodass die Kinder weder mit öffentlichen Verkehrsmitteln noch zu Fuß nach der Schule das Unternehmen erreichen können – oder Unternehmen müssen einen Shuttle für die Kinder einrichten.